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Werkstoffprüfung, 01-02-2012
Schlagworte: Werkstoffprüfung
Firma zu diesem Beitrag: Instron Deutschland GmbH
Ceast Aloxide

Vicat-Temperatur bis 500 Grad messen

Hochtemperatur-Thermoplaste erobern neue Anwendungen in erschiedenen Branchen, häufig als Metallersatz. Deren mechanische Grenzwerte lassen sich mit üblichen Messgeräten gelegentlich nicht mehr feststellen.

Diesem Problem soll das zur Bestimmung der Vicat-Erweichungstemperatur (ISO 306) und der Wärmeformbeständigkeit (ISO 75) Ceast Aloxide mit seinem Prüftemperaturbereich von 50  bis 500 Grad Celsius abhelfen. Bisher übliche Systeme verwenden zum Temperieren der Probekörper Silikonöle, die auf Grund ihres Flammpunkts meist nur bis rund 300 Grad Celsius einsetzbar sind. Beim neuen Prüfsystem geschieht der kontrollierte Wärmeeintrag in einem Wirbelbett. Das besteht aus 20 bis 60 µm großen Aluminiumoxidpartikeln mit hoher Wärmeleitfähigkeit, die von temperierter Luft durchströmt werden. So lassen sich auch Messungen an hochtemperaturbeständigen Thermoplasten wie flüssigkristalline Kunststoffe (LCP), Polyetherimid (PEI) oder Polyetheretherketon (PEEK) mit durchführen. Ringversuche haben laut Anbieter auf internationaler Ebene die Qualität der Ergebnisse und die Praxistauglichkeit des neuen Verfahrens in der industriellen Qualitätssicherung ebenso wie in der Forschung und Entwicklung bewiesen. Die Aufnahme der Technologie in die einschlägigen Prüfnormen stehe bevor.

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Anwender profitieren auf verschiedene Weise. So steige das Sicherheitsniveau im Prüflabor, weil vollständig auf entflammbare Wärmeträger verzichtet wird. Die Aluminiumoxidfüllung erfordere einen geringeren Zeitaufwand pro Zyklus als das sonst verwendete Ölbad, weil das Wirbelbett schneller abkühle. Zudem seien die Probekörper nach Versuchsende frei von öligen Rückständen. Eventuell an der Oberfläche anhaftende Partikel lassen sich einfach entfernen, verfahrensbedingte Verunreinigungen von Händen, Kleidung und Einrichtung des Prüflabors sind kaum zu befürchten. Auch die mit dem Verdunsten von Öl verbundene Geruchsbelästigung tritt nicht auf. Und weil die Aluminiumoxidpartikel nicht abbauen, entfallen auch die bei Öl erforderlichen Wechselintervalle und der damit verbundene Lager-, Zeit- und Kostenaufwand.

Möglich ist die gleichzeitige Prüfung von drei Probekörpern in voneinander unabhängigen Stationen. Dabei sind HDT- und Vicat-Prüfungen gleichzeitig möglich. Die Prüfstationen senkt ein pneumatisches System automatisch ab und nach Versuchsende an. Ebenfalls pneumatisch gesteuert ist das Auflegen und Entfernen der Prüfgewichte. Dabei bleibt die Schutzabdeckung geschlossen, bis die voreingestellte Höchsttemperatur unterschritten wird. Manuelle Eingriffe durch das Prüfpersonal sind nicht erforderlich. Das System kann als Stand-alone-Gerät betrieben werden, das von einem Mikroprozessor gesteuert und per Touchpad bedient wird. Möglich ist auch der direkte Anschluss an einen PC, auf dem die Software Visualtherm die Prüfparameter verwaltet und bereitstellt.

Hintergrund

Die Vicat-Erweichungstemperatur (VST – Vicat Softening Temperature) ist die Temperatur, bei der ein definierter Stahlstift unter konstanter Kraft bei gleichmäßiger Steigerung der Temperatur ein Millimeter in die Oberfläche eines Kunststoff-Probekörpers eingedrungen ist. Man unterscheidet zwischen Verfahren A mit 10 Newton Belastung und Verfahren B mit 50 Newton sowie Heizraten von 50 oder 120 Kelvin pro Stunde.

Die Wärmeformbeständigkeits-temperatur (HDT – Heat Deflection Temperature) ist die Temperatur, bei der eine an beiden Enden gelagerte Probe unter einer definierten, mittig aufgebrachten Kraft und gleichmäßiger Temperatursteigerung eine festgelegte Durchbiegung erreicht (Randfaserdehnung 0,2 Prozent). Man unterscheidet die Verfahren HDT A bis HDT C mit unterschiedlichen Biegespannungen.

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