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Evonik meets SpeedFoiler: Segeln in neuen Dimensionen

Carbon-Faser-VerbundwerkstoffeFliegende Boote aus High-tech Kunststoffen

Boote zum Abheben bringen will Segelprofi Roland Gäbler. Die technologische Basis dafür sollen Kunststoffe bieten, die ihre Leistungsfähigkeit bisher überwiegend im Flugzeugbau demonstrieren.

Wollen das Segeln mit modernster Technologie für Zuschauer interessanter machen: Roland Gäbler mit Segelpartnerin und Ehefrau Nahid. (Bilder: Evonik)

Sie nutzen den Wind und trotzen den Wellen: Wenn Katamarane bei großen Sportevents wie zur Olympiade über das Meer jagen, kann sich kaum jemand der Faszination entziehen. Künftig sollen die Segler direkt vor den Augen des Publikums über das Wasser fliegen. Roland Gäbler und Evonik bauen ein neues Highspeed-Boot, das in Landnähe gesegelt wird und schon bei leichtem Wind abheben soll.

Beim Segeln macht Roland Gäbler so schnell niemand etwas vor. Der Profisportler aus Bremen hat nach eigenen Angaben mehr als 70 internationale Meisterschaften gewonnen, ist mehrfacher Welt- und Europameister und holte Bronze bei den Olympischen Sommerspielen in Sydney. Einen Traum hat der 52-jährige aber noch: Er möchte mit Segelsport Stadien füllen.

„Viele Regatten finden weit weg vom Publikum statt, weil die Boote die Weite und den Wind des offenen Meeres brauchen“, sagt Gäbler. „Das tut mir im Herzen weh. Die Menschen sollen am Strand oder an der Kaimauer sitzen und die Katamarane sehen. Wie im Stadion, zum Greifen nah.“ Bereits im Jahr 2003 rief Gäbler die Champions Race ins Leben, eine Rennserie mit kurzen, spannenden Wettfahrten nahe am Publikum. „Damals hatten die Boote nicht genug Power“, sagt er heute. War der Wind zu flau, in Landnähe keine Seltenheit, konnten sie nicht starten. Zum Leidwesen der Zuschauer.

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Speedfoiler immun gegen Launen des Windes

Die Neukonstruktion, der Speedfoiler soll diese Schwäche überwinden. Gemeinsam mit Evonik hat Gäbler einen Carbon-Katamaran entwickelt, der von zwei Personen gesegelt wird – in Landnähe. Dieser ist mit 7,62 Metern Länge und einem Gewicht von 178 Kilogramm vergleichsweise klein und leicht. Gleichzeitig verfügt das Boot über eine große Segelfläche. So reicht dem Speedfoiler schon leichter Wind, damit er über das Wasser fliegt. Foilen heißt das in der Seglersprache. Die Foils sehen aus wie gebogene Schwerter und befinden sich mittig unter den beiden Rümpfen. Sie funktionieren wie Flügel beim Flugzeug. Nimmt das Segelboot durch den Wind Fahrt auf, erzeugen die Foils Auftrieb und heben den Rumpf aus dem Wasser. Der Widerstand wird geringer, das Boot auf den Foils immer schneller. „Wir können eine Geschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde erreichen – in Sichtweite der Zuschauer“, erklärt Gäbler.

Das geringe Gewicht des Boots ist jedoch nur eine Seite der Medaille. Der Katamaran muss zugleich extrem stabil sein, um den Naturkräften zu trotzen. Wind und Wasser, Salz und Sonnenlicht dürfen ihm nichts anhaben. Das Material hat Evonik entwickelt und produziert: Überiegend besteht der Rumpf aus einem kohlefaserverstärkten Polypropylen der Produktreihe Vestanat. Das Additiv Nanopax mache das Material zudem widerstandsfähiger.

Ruder und die Foils sind komplett aus diesem Composit gefertigt. Um beim Rumpf einige Kilo zu sparen, wurde eine Sandwich-Konstruktion aus Composite und Strukturschaum Rohacell gewählt. Eingeflossen sei Know-how aus der Automobil- und Luftfahrtindustrie. Die Produkte und die Technologie für den stabilen Leichtbau kommen bereits in Formel-1-Autos und im Airbus zum Einsatz. Jetzt sollen damit auch Boote fliegen.

Weil sich der Rumpf des Speedfoilers so schnell hebt, spielte der Wasserwiderstand bei der Konstruktion eine untergeordnete Rolle. Stattdessen feilte Bootdesigner Martin Fischer an der Aerodynamik und verbesserte die Flugfähigkeit: Der breite Steg, der die beiden Rümpfe verbindet und Trampolin genannt wird, unterstützt den Auftrieb. Zudem verfügt der Katamaran über unterschiedlich große Wechselsegel, die je nach Stärke des Windes auf den zwölf Meter hohen Mast aufgezogen werden. Bläst es heftig, kommt das kleine, 28 Quadratmeter große Tuch zum Einsatz. Weht der Wind schwach, muss das Code Zero ran, ein Riesensegel von 90 Quadratmetern.

„Das Boot kann von einer bis sieben Windstärken gesegelt werden – vom Wind, der lediglich kleine Kräuselwellen aufwirft bis zu einem, der Bäume in Bewegung bringt“, sagt Roland Gäbler. „Das entspricht 97 Prozent aller Windbedingungen. Also fast immer.“ Damit sei der Speedfoiler beinah immun gegen die Launen des Wetters. Regatten können dann so pünktlich und zuverlässig beginnen wie Fußballspiele, verspricht Gäbler. Er hofft, dass der Segelsport dann auch mehr Fans anzieht – vor die Fernseher und in die natürlichen Stadien, die Seeufer und Strände.

Internationaler Foiling World Cup in Planung

Im Oktober 2016 soll der erste Speedfoiler fertig sein. Dann gehen Roland Gäbler und seine Frau mit dem Boot bei bekannten Regatten wie der Kieler Woche an der Start. Das soll jedoch nur der Anfang sein: „Wir möchten ein eigenen internationalen Wettbewerb ins Leben rufen: Beim Foiling World Cup treten die besten internationalen Segler gegeneinander an.“ Die Regatta soll Halt auf der ganzen Welt machen, in Europa, dem Mittleren Osten, Asien und Amerika. „Das wird die Formel 1 der Zukunft: schnell, spektakulär und ökologisch. Wind und Wasser sind unser Benzin“, sagt Gäbler und ergänzt: „Und natürlich nah am Publikum, zum Anfassen.“

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