SCOPEhandling
Kunststoff Magazin
LABOengine
Kunststoff Magazin Online - Fachportal für die Kunststoff Industrie
Home> Wirtschaft + Unternehmen> Unternehmensführung> Software>

Unternehmens- und Produktionssteuerung - ERP: Zentral und dezentral in einem Unternehmen

Unternehmens- und ProduktionssteuerungERP: Zentral und dezentral in einem Unternehmen

Gabriel-Chemie organisiert sehr spezielle internationale IT-Struktur. Argumente für oder gegen die Nutzung eines zentralen oder mehrerer dezentral organisierter ERP-Systeme lassen sich bei standortübergreifenden, internationalen Anwendungen gleichermaßen finden. Die Flexibilität der Proalpha-Strukturen erlaubt beides oder auch – wie bei der Gabriel-Chemie – eine effiziente Verbindung beider Philosophien.

Schraubverschlüsse

Gabriel-Chemie ist auf das Veredeln und Einfärben von Kunststoffen spezialisiert. Die untereinander vernetzten Standorte der Gruppe mit der Zentrale in Gumpoldskirchen verfügen nach Unternehmensangaben über eine mehrere tausend Rezepturen umfassende Datenbank, die täglich wächst. Viele Kundenanfragen können somit ad-hoc bedient werden. Die ERP-gestützte, standortübergreifende Zusammenarbeit war daher für das Unternehmen eine der Hauptforderungen bei Einführung eines neuen Systems. Allerdings wollte man die hohe Produktivität der einzelnen Standorte nicht durch eine zu rigide Zentralisierung gefährden.

Anzeige
Weitere Beiträge zuERP-Systeme

Nicht zentral oder dezentral, sondern zentral und dezentral heißt deshalb die Devise bei Nutzung des ERP-Systems innerhalb der Gabriel-Chemie. Die Unternehmensgruppe hat mit der gemischten Arbeitsweise in Proalpha an den Standorten in Österreich, Großbritannien, der Tschechischen Republik, Polen und Ungarn nach eigenem Bekunden seit mehreren Jahren gute Erfahrungen gemacht. Ein zentraler Metamandant in der Unternehmenszentrale sorge für global einheitliche Stammdaten und effiziente Dokumentennutzung. Gleichzeitig bleibe die Flexibilität, die eine lokale Installation bietet, erhalten und einen „Production Down“ aufgrund von Verbindungsproblemen schließe der Ansatz aus.

Internationale Zusammenarbeit für mehr Effizienz
Während die Stabilität der Netze in den meisten Industrieländern inzwischen kein Faktor mehr ist, sind in Ländern wie Russland hochverfügbare Leitungen immer noch vergleichsweise teuer. „Proalpha-Version 5.2 sorgt dank Unicode für eine weitere Vereinfachung der internationalen Zusammenarbeit in der Gruppe. Und mit dem geplanten Einsatz unseres übergreifenden Produktionsleitstands wird es künftig die Möglichkeit geben, Fertigungsaufträge direkt zwischen unseren Standorten auszutauschen.“ erklärt Fritz Bauer, IT-Leiter in Gumpoldskirchen.

IT-Leiter Fritz Bauer

Schon heute nutzt Gabriel-Chemie die Flexibilität der eigenen Gruppe: Bei Auftragseingang steht nicht immer fest, wo gefertigt wird. Geht ein Auftrag in Österreich ein, dessen Produktion aus Kapazitätsgründen hier kurzfristig nicht sinnvoll erscheint, kann ein anderer Fertigungsstandort übernehmen. Das ist möglich, da allen Produktionen sämtliche Stammdaten zur Verfügung stehen. In diesen Fällen wird beim produzierenden Standort über die lntercompany-Funktion eine Bestellung in der dortigen Proalpha Umgebung ausgelöst, die nach Fertigstellung automatisch als Wareneingang in Österreich verbucht wird. Allerdings ist Kundennähe eines der obersten Ziele. Daher wird im Normalfall eine lokale Produktion priorisiert, um die Lieferzeiten so kurz wie möglich zu halten. Auch den Verkauf von Waren unterstützt das ERP-System über die gesamte Gruppe.

Metamandant für gruppenweite Stammdaten
Grundlage des zentralisierten Stammdatenmanagements ist der Metamandant, auf den alle Standorte direkt zugreifen. Neue Datensätze werden dort mit ihren global relevanten Informationen angelegt und in Ouasi-Echtzeit an sämtliche lokale Instanzen repliziert, wo sie um regional erforderliche Informationen ergänzt werden. So sind beispielsweise Adressfelder und Branche des Kunden firmenweit festgelegt, während die Währung als lokales Attribut gepflegt wird. Artikelinformationen wie Name, Farbe, Bezeichnung oder Kalkulationsgruppe sind für alle Töchter der Gruppe standardisiert, Bestellverfahren mit Mindestmenge, Preise oder Lagerbestand gehören zum jeweiligen Standort.

Steht das Netz nicht zur Verfügung, kann der Standort trotzdem weiter arbeiten, um Aufträge termingerecht zu erledigen. Der „Laborauftrag“ erlaube es den Mitarbeitern, Artikel auch dezentral anzulegen. Mit diesem Laborauftrag definiert der Vertrieb in Zusammenarbeit mit den technischen Abteilungen in einer speziellen Maske die gewünschten Eigenschaften des Produkts. Im Hintergrund laufen alle Prozessschritte wie das Anlegen des Kundenauftrags, von Rezepten in Form einer Stückliste, Artikel und Produktionsaufträge. Die so definierten Artikel werden automatisch in den Metamandanten übernommen, dort um zentrale Informationen wie Produktgruppe oder statistische Warennummern ergänzt und zurückübertragen.

Sitz

Dieser Ansatz unterstütze die Zusammenarbeit in der Gruppe und gewährleiste den erforderlichen Qualitätsstandard der Stammdaten, ohne die Flexibilität und Effizienz der Organisation vor Ort einzuschränken. Mit dem übergreifenden Einsatz des Dokumenten-Management-Systems (DMS) will man künftig noch einen Schritt weiter gehen. Speziell in der Rohstoffwirtschaft verspreche das integrierte DMS weitere Synergien: Da in der Gruppe an verschiedenen Standorten teilweise die gleichen Rohstoffe von den gleichen Lieferanten benötigt werden, gibt es noch Optimierungspotenzial hinsichtlich der Dokumentation, beispielsweise bei Produkt-Datenblättern und Langzeit-Lieferantenerklärungen. Diese werden derzeit noch redundant in allen Ländern verwaltet. Geplant ist, sie künftig nur einmal im Metamandanten zu hinterlegen, was den Administrationsaufwand reduzieren wird.

Leitstand steuert lokal und international
Nicht nur die Stammdatenverwaltung im Metamandanten sorgt für effiziente Prozesse innerhalb der Gruppe. Der grafische Leitstand hat sich als Kernelement der Produktionssteuerung bei Gabriel-Chemie etabliert. Er wird nicht nur in der Fertigung genutzt, sondern für verschiedene Sichten auf die aktuelle Situation im gesamten Fertigungsumfeld. Ob Lager, Vertrieb oder Produktion – in allen Bereichen werden Fragen auf einen Blick beantwortet. Dank enger Integration sämtlicher Kernprozesse ist er das komfortable Arbeitsmittel für die involvierten Mitarbeiter.

In der Lageransicht ist unter anderem die Materialverfügbarkeil für anstehende Aufträge direkt ablesbar. Es kann jederzeit auf den Lagerbestand zugegriffen und bei Bedarf weitere Beschaffungsprozesse ausgelöst werden. In der Vertriebsansicht können sich Mitarbeiter im Vertrieb stets einen aktuellen Überblick über den Auftragsstatus verschaffen und bei Terminverschiebungen mit dem betroffenen Kunden Kontakt aufnehmen. „Eine der wichtigsten Aufgaben in unserer Produktion ist es, die Auftragsreihenfolgen klug zu planen, um farblich exakte Produkte mit geringen Umrüstzeiten zu erreichen. Ein helles Produkt lässt sich beispielsweise nach einem dunklen Produkt schwerer produzieren als umgekehrt. Und genau das kann der Leitstand optimal visualisieren“, erklärt Fritz Bauer.

Masterbatches

Auf einen Blick lasse sich erkennen, auf welchen Maschinen sich welche Aufträge in welchen Farben in Bearbeitung befinden bzw. im Planungshorizont stehen. Sämtliche Arbeitsschritte jedes Auftrags werden so dargestellt, dass die jeweiligen Bearbeitungszeiten direkt erfasst werden können. Per Mausklick erhält der Planer alle Zusatzinformationen des jeweiligen Auftrags wie den gewünschten Liefertermin sowie sämtliche Spezialattribute, die durch Produkt, Kunde oder Auftrag festgelegt sind. Maschinen, die gerade gewartet werden, sind farblieh anders gekennzeichnet als solche, für die gerade kein Auftrag vorliegt. Die Schichten mit ihren Arbeitszeiten werden im Leitstand ebenfalls berücksichtigt.

Die Mitarbeiter der Disposition oder Produktion können Aufträge im Bedarfsfall einfach per Drag and Drop umplanen, indem sie ihn per Maus von einer Maschine auf eine andere ziehen. Im Hintergrund laufen alle dafür erforderlichen Aktivitäten automatisch ab, die Werteflüsse und logistische Daten bleiben konsistent. Die Maschinenzuordnung wird angepasst, die Durchlaufzeit berechnet, eine neue Ausstoßberechnung durchgeführt und das Dispositionskonto angepasst. Diese Funktion wird Gabriel-Chemie auch nutzen, um die Möglichkeiten der einzelnen Produktionsstandorte international besser zu koordinieren und auszuschöpfen. Hier besteht aus Sicht von Fritz Bauer noch erhebliches Potenzial: „Der Leitstand ist bereits an allen Standorten in Betrieb. Unser nächstes Ziel ist es, auch international auf die zugrunde liegenden Informationen zuzugreifen. Passt ein Auftrag für ein orangefarbenes Produkt nicht in das geplante Farbspektrum auf den Maschinen in Österreich, kann die Arbeitsvorbereitung sehr effizient disponieren. Zeigt der Leitstand, dass in der Tschechischen Republik noch Produktionskapazitäten für Orange verfügbar sind, lassen sich diese entsprechend verplanen. So können wir die Ressourcen besser ausschöpfen, was sich positiv auf die Wirtschaftlichkeit unserer Produktion auswirken wird.“

Phasenweises Upgrade möglich
Die enge Integration der Prozesse über den Metamandanten habe beim zeitversetzten Upgrade an den verschiedenen Standorten keine Probleme nach sich gezogen. Während Österreich vorlegte, wurden Großbritannien und die Tschechische Republik später umgestellt. Polen und Ungarn wurden anschließend auf den neuesten Stand gehoben werden, schließlich Deutschland und Russland.

Während es vor der Proalpha-Implementierung bei der länderübergreifenden Auftragsabwicklung immer wieder zu Problemen kam, nicht zuletzt aufgrund der unterschiedlichen Zeichensätze, sei die Zusammenarbeit jetzt einfach und sicher. Von Österreich aus sind jetzt beispielsweise Fakturen auch direkt an tschechische Kunden möglich, ohne dabei das Risiko falscher Schreibweisen einzugehen. „Das ist nur eines der vielen Features, das uns in unserem internationalen Konzern weiterhilft, sodass wir den Umstieg und Ausbau zügig vorantreiben“, beschreibt Fritz Bauer die aktuellen Aktivitäten.

Anzeige

Weitere Beiträge zum Thema

Web-Oberfläche

DelecoERP mobil und komfortabel nutzen

Mobile Nutzung, auch unabhängig von lokalen Softwareinstallationen, und schnelle, komfortable Eingaben und Auswertungen fordern die Nutzer von ihrem ERP-System.

…mehr
Siegfried Russwurm

Industrie 4.0Ganzheitliche Integration für den Weg in die Zukunft

Das Thema Industrie 4.0 schwirrt sowohl bei nahezu allen Industrie- und IT-Messen durch die Diskussionsforen. Die Anbieter der Steuerungs- und Automatisierungstechnik sind offenbar ebenso intensiv dabei, Entwicklungen voran zu treiben und Standards zu setzen, wie einige Softwarespezialisten im Umfeld der ERP-, MES-, PDM und angrenzenden Systeme.

…mehr

Weitere Beiträge zu dieser Firma

Gabriel-Chemie Gesellschaft m.b.H.

ANZEIGEGabriel-Chemie Gesellschaft m.b.H.

GABRIEL-CHEMIE ist auf das Veredeln und Färben von thermoplastischen Kunststoffen spezialisiert. Das Unternehmen besteht seit 1950 und zählt heute zu den führenden Masterbatch-Herstellern Europas.

…mehr
Masterbatch

SpezialcompoundsFlammfestes Polypropylen

Das Masterbatch-Serie Maxithen PP-SEAT wurde entsprechend der spanischen Flammschutznorm UNE 23727:1990 getestet und erreichte dabei laut akkreditiertem Testbericht die Bewertung M2.

…mehr

Weitere Beiträge in dieser Rubrik

Ausbildungsarbeit

Aus- und Weiterbildung sorgt für...Karriere in der kunststoffverarbeitenden Industrie

Fachkräftemangel könnte in den nächsten Jahren zum wachstumslimitierenden Faktor für technologieorientierte Unternehmen werden – diese Erkenntnis dürfte inzwischen Allgemeingut sein.

…mehr
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Neue Stellenanzeigen