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Aus- und Weiterbildung sorgt für qualifizierten Nachwuchs - Karriere in der kunststoffverarbeitenden Industrie

Aus- und Weiterbildung sorgt für qualifizierten NachwuchsKarriere in der kunststoffverarbeitenden Industrie

Fachkräftemangel könnte in den nächsten Jahren zum wachstumslimitierenden Faktor für technologieorientierte Unternehmen werden – diese Erkenntnis dürfte inzwischen Allgemeingut sein. Strukturierte und abgestimmte Aktivitäten aus Politik, Industrieverbänden, Schulen und Unternehmen sind bislang nur rudimentär erkennbar. Die Unternehmen tun gut daran, eigene Konzepte zur Nachwuchsgewinnung und -qualifizierung zu entwickeln.

Ausbildungsarbeit

Yvonne Brüning ist seit 2006 beim Kunststoffverarbeiter Pöppelmann tätig. Sie hat im Unternehmen eine Ausbildung zur Industriekauffrau absolviert. Heute hat sie eine leitende Position im Ausbildungsbereich der Firma inne. Das Kunststoff Magazin sprach mit ihr über die Chancen und den Werdegang junger Menschen in der kunststoffverarbeitenden Industrie.

Frau Brüning, wie stellt sich die Personalsituation bei Pöppelmann im „Kunststoff Valley“ des Oldenburger Münsterlands aktuell dar?
Momentan ist die Situation zufriedenstellend, gerade bei Hilfskräften in der Produktion, im Lager oder Versand sowie im akademischen Bereich gibt es genügend qualifiziertes Personal. Im Facharbeiterbereich haben wir noch Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern, denen wir eine langfristige Perspektive in unserem Unternehmen bieten möchten. Dabei greifen wir zwar in erster Instanz auf Mitarbeiter aus dem eigenen Haus zurück, die beispielsweise eine Ausbildung bei Pöppelmann absolviert haben, suchen aber auch im Landkreis Vechta oder im dritten Schritt dann auch bundesweit nach geeignetem Personal. Von Vorteil ist, dass Pöppelmann in der Region sehr bekannt ist und auch einen guten Ruf als Arbeitgeber genießt.

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„Die Kunststofftechnik ist zwar noch nicht so bekannt, aber das möchten wir künftig ändern. Denn wir bieten jungen Menschen eine Ausbildung mit Perspektive.“

Was zeichnet Pöppelmann als Ausbildungsbetrieb aus?
Ich denke, im Unterschied zu anderen Unternehmen bieten wir ein sehr breites Spektrum an Ausbildungsberufen an: vom Verfahrensmechaniker/in für Kunststoff- und Kautschuktechnik über den Industriekaufmann/-frau bis zum Fachlageristen/in. Im Jahr 2016 werden wir insgesamt zehn Ausbildungsberufe im gewerblichen, technischen und kaufmännischen Bereich sowie vier duale Studiengänge anbieten. Neu sind die Ausbildung zum Fachinformatiker und ein weiterer dualer Bachelor-Studiengang mit Fachrichtung Maschinenbau.

„Wir animieren die jungen Menschen Neues auszuprobieren und ihren Horizont zu erweitern.“

Weiterbildung

Welche Ausbildung ist bei den Schulabgängern besonders beliebt?
Vor allem Industriekaufmann/ -frau und technische/r Produktdesigner/in sind sehr gefragt. Sehr beliebt sind auch die dualen Studiengänge bei den Abiturienten zum Beispiel mit einem Bachelor in der Fachrichtung Maschinenbau oder Wirtschaftsingenieurwesen. Die Kunststofftechnik ist zwar noch nicht so bekannt, aber das möchten wir künftig ändern. Denn wir bieten jungen Menschen eine Ausbildung mit Perspektive. Bis auf wenige Einzelfälle werden bei uns alle Azubis, die bei uns bleiben möchten, als Festangestellte übernommen.

Was tun Sie, um Berufe rund um die Kunststofftechnik bekannter zu machen?
Wir sind viel auf Job- und Ausbildungsmessen in der Region vertreten. Dabei legen wir großen Wert darauf, intensiv über die gewerblich-technischen Berufe zu informieren. Unsere Azubis berichten zum Beispiel direkt vor Ort, was sie in ihrem Beruf machen und beantworten Fragen rund um ihren Job. Wir gehen auch in Schulen und stellen unsere Ausbildungsberufe vor. Darüber hinaus bieten wir Praktikumsplätze und einen Schnuppertag für Schüler in der Berufsorientierungsphase an. Wir animieren die jungen Menschen Neues auszuprobieren und ihren Horizont zu erweitern.

Wie integriert Pöppelmann eher leistungsschwache Schulabgänger in die betriebliche Ausbildung?
Wir bieten zum einen das Jungarbeiterprogramm für Schulabgänger mit schwachen Noten oder für diejenigen, die gar keinen Abschluss haben. Diese arbeiten für ein Jahr im Produktionsbereich mit, können so erste Erfahrungen in der Kunststoffindustrie sammeln und haben anschließend die Möglichkeit, sich für eine Ausbildung bei Pöppelmann zu bewerben. Ähnlich aufgebaut ist das EQJ, das Einstiegs-Qualifizierungsjahr, wobei dieselben Inhalte und Tätigkeiten vermittelt werden wie im ersten Ausbildungsjahr. Wenn es gut läuft, können die oft noch sehr jungen Mitarbeiter dann auch die Ausbildung im zweiten Jahr ganz normal fortsetzen.

„Wir bieten zum einen das Jungarbeiterprogramm für Schulabgänger mit schwachen Noten oder für diejenigen, die gar keinen Abschluss haben.“

Welche Bedeutung haben die sogenannten Soft Skills im Verhältnis zu harten Fakten wie Schulnoten bei der Auswahl der Bewerber um einen Ausbildungsplatz?
Wir versuchen immer eine gute Mischung zu finden, an starken Schülern mit einem guten Schulabschluss, die die anderen mitziehen und unterstützen und Bewerbern mit eher durchschnittlichen oder sogar schwachen Noten. Um allen Azubis gerecht zu werden, bieten wir auch Betriebs- und Förderunterricht an, wenn Bedarf besteht.

Die sogenannten Soft Skills sind mindestens genauso wichtig wie harte Faktoren wie zum Beispiel Schulnoten. Wir legen großen Wert auf das Arbeits- und Sozialverhalten. Durch einen Einstellungstest und ein Bewerbungsgespräch versuchen wir uns ein möglichst ganzheitliches Bild von unseren potenziellen Auszubildenden zu machen. Wichtig ist natürlich auch, dass die Person zu Pöppelmann passt.

In welchem Maß nimmt Pöppelmann auf berufsbildende Schulen, Kammern und die Entwicklung von Ausbildungsgängen Einfluss?
Vor allem mit den Schulen stehen wir in sehr engem Kontakt. Unsere Ausbilder tauschen sich regelmäßig mit den Berufsschullehren aus. Beim Jungarbeiterprogramm sprechen wir zum Beispiel im Vorfeld mit den Hauptschulen, ob sie uns bestimmte Schüler empfehlen können. Die Ausbilder von Pöppelmann sind auch in verschiedenen Bildungsgremien vertreten: beispielsweise in der Prüfungsaufgaben- und Lehrmittelentwicklungsstelle PAL der IHK. Darüber hinaus sind unsere Ausbilder auch bei der Neustrukturierung von Ausbildungsberufen, zum Beispiel des Verfahrensmechanikers beteiligt.

Muss sich in unserem dualen Ausbildungssystem grundlegend etwas ändern oder sind Sie ganz zufrieden mit dem jetzigen System?
Im Großen und Ganzen sind wir sehr zufrieden mit dem dualen System. Allerdings könnte die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Betrieben an der einen oder anderen Stelle noch enger sein. Wir haben zwar einen guten Kontakt zu den Berufsschulen, aber Theorie und Praxis könnten noch besser aufeinander abgestimmt werden. Die Zusammenarbeit hat sich aber in den letzten Jahren durchaus positiv entwickelt.

„Schon heute beschäftigen wir zahlreiche Mitarbeiter ganz unterschiedlicher Nationalitäten und wir sind froh, dass wir sie haben.“

Gelingt es Pöppelmann, die Ausbildungsqualität in Deutschland auf internationale Standorte zu übertragen?
In Ländern wie Frankreich oder den USA gibt es kein duales Ausbildungssystem, wie bei uns in Deutschland. Daher können wir unser Ausbildungssystem nicht eins zu eins auf die internationalen Standorte übertragen. Allerdings holen wir die Auszubildenden aus Frankreich und den USA zu Schulungszwecken nach Deutschland. So bekommen sie mit, was hier in der Ausbildung passiert und vermittelt wird. Wir haben bieten an unserem Standort in Lohne natürlich optimale Bedingungen: Zum Beispiel hat Pöppelmann eine eigene Lernwerkstatt, die speziell auf die Bedürfnisse der Azubis ausgerichtet ist und sowohl theoretisch als auch praktisch zu Lernzwecken genutzt wird.

Wie steht Pöppelmann zur Integration von Zuwanderern?
Wir sind dafür sehr offen. Schon heute beschäftigen wir zahlreiche Mitarbeiter ganz unterschiedlicher Nationalitäten und wir sind froh, dass wir sie haben. Ausreichende Deutschkenntnisse sind natürlich eine sehr wichtige Voraussetzung. Wenn dann auch Leistung und Persönlichkeit stimmen, spielt die Herkunft keine Rolle.

Yvonne Brüning

Welche Maßnahmen nutzt Pöppelmann schwerpunktmäßig zur Qualifizierung angestellter Mitarbeiter?
Abseits der Ausbildung bieten wir unseren Mitarbeitern ein umfassendes Fort- und Weiterbildungsprogramm im Rahmen der Pöppelmann-Akademie. Das beinhaltet zum Beispiel EDV-Schulungen, technische Schulungen, kaufmännische Kurse, Rhetorik, Sprachkurse oder Seminare von unseren Abteilungsleitern oder Drittanbietern. Darüber hinaus unterstützt die Firma Pöppelmann ihre Mitarbeiter aber beispielsweise auch bei einem berufsbegleitenden Studium, indem sie nach bestandenem Abschluss 50 Prozent der Kosten übernimmt. Ich habe zum Beispiel den Personalfachwirt als Wochenendkurs neben dem Beruf gemacht.

„Abseits der Ausbildung bieten wir unseren Mitarbeitern ein umfassendes Fort- und Weiterbildungsprogramm im Rahmen der Pöppelmann-Akademie.“

Wo liegen die Herausforderungen der nächsten Jahre hinsichtlich Aus- und Weiterbildung?
Aufgrund des demografischen Wandels stehen wir als Unternehmen vor der Herausforderung zu schauen, dass uns auch in den kommenden Jahren genügend qualifiziertes Fachpersonal zur Verfügung steht – auch im gewerblich-technischen Bereich. Das heißt, wir müssen jetzt schon entsprechende Kapazitäten für Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten schaffen. Aber ich denke, dass wir mit unserem breiten Ausbildungsspektrum und auch dem dualen Studium sehr gut aufgestellt sind. Denn nur durch qualifiziertes Personal können wir uns langfristig einen Wettbewerbsvorteil gegenüber unseren Mitbewerbern sichern.


Über Pöppelmann
Seit 1949 hat sich Pöppelmann mit fünf Produktions­Standorten sowie 550 Spritzgussmaschinen, Tiefziehanlagen und Extrudern zu einem der führenden Hersteller in der kunststoffverarbeitenden Industrie entwickelt. In über 90 Ländern schätzt man die Qualität „made by Pöppelmann“. Und das in ganz unterschiedlichen Branchen: Das Familienunternehmen beliefert den kommerziellen Gartenbau mit Pflanztöpfen und Anzuchtsystemen und ist darüber hinaus unter anderem Partner vieler Unternehmen aus dem Maschinen­ und Apparatebau, der Fahrzeug­, Elektro­, Solar­, Lebensmittel­, Chemie­, Pharma­, Kosmetik­ und Medizinindustrie sowie der Oberflächentechnik und der Armaturenindustrie. Das Know­how von weltweit mehr als 1900 hoch qualifizierten Mitarbeitern, ein moderner Maschinenpark und das umfangreiche Produktprogramm sichern ein nachhaltiges Wachstum.

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