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Wolfgang OehmMacher sind gefragt

Energieeffizienz – dieses Schlagwort fehlt in kaum einer Maschinenpräsentation und in keinem Vortrag zur wirtschaftlichen Lage der K-Branche. Genau dieses Thema eignet sich bestens zur Demonstration dafür, wie Innovationen in der Kunststoffindustrie über Jahrzehnte – und bis heute – überwiegend entstanden sind: Frühzeitig, bevor ein Thema wirklich auf den Nägeln brannte, hat jemand eine Idee für eine bessere und/oder kostengünstigere Lösung. Er verfolgt sie aus eigenem Antrieb, vielleicht auch gegen den „Mainstream“ beharrlich und schließlich wird daraus ein Produkt oder eine Dienstleistung, mit der sich ordentlich Geld verdienen lässt. Sicher, heute entsteht Innovation auch in zielgerichtet gesteuerten, größeren Entwicklungsteams. Aber die zündende Idee kommt dann doch häufig von einzelnen Personen. Aus meiner Sicht sind mittelständische Strukturen die günstige Voraussetzung für marktnahe Entwicklungen in nahezu allen Branchenbereichen. Sie sorgen dafür, dass Marktinformationen, Markt- und Branchenanforderungen auf kürzestem Wege in die Entwicklung von Produkten und Produktinnovationen einfließen und ermöglichen schnelle, flexible Reaktion auf die Bedürfnisse der Kunden.

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Wolfgang Oehm

Um es bildhaft auszudrücken: Die mittelständische Struktur sorgt dafür, dass das begeisternde Feuerwerk, das für Innovationsfähigkeit steht, nicht durch verwaltungstechnische Kraftakte und endlose Entscheidungswege zu einem farblosen Rohrkrepierer wird. Gefordert sind qualifizierte Macher und keine Schreibtischtäter.

Weitere Beiträge zuEnergieeffizienz

Zurück zum Thema „frühzeitige Ideen und gegen den Mainstream“: Vor einigen Jahrzehnten, zu Zeiten relativ niedriger Energiekosten und üppiger Einsparpotenziale in den Bereichen Logistik, Maschinentechnik und Materialeinkauf war das Interesse am Thema Energieeinsparung zwar vorhanden, es hatte aber in den meisten Betrieben nur geringe Priorität. Unter anderem als Folge der Liberalisierung des Strommarkts stiegen die Energiekosten und andere mögliche Einsparpotenziale waren bereits weitgehend erschöpft. Naturgemäß wurde das Thema Energieeffizienz stärker in den Fokus gesetzt und von allen relevanten Branchenbereichen als „die Neuentdeckung“ gefeiert.

Wir haben bereits vor 30 Jahren begonnen, Systeme zur effizienteren Energienutzung zu erarbeiten, zu erproben und auch bei ersten Kunden zu installieren. Als das Thema Energiekosten dann richtig in den Kalkulationen durchschlug, hatten wir bereits erprobte Lösungen, die natürlich trotzdem bis heute immer wieder verbessert werden. Mit steigenden Preisen ist die Bereitschaft zur Investition in energiesparende Maßnahmen gestiegen. Wir können das an unserer eigenen Entwicklung ablesen, zum Beispiel an der Verdopplung der Anzahl unserer Mitarbeiter auf etwa 330 in den letzten sieben Jahren. Dabei ist die Kurve ziemlich genau der Energiepreisentwicklung gefolgt. Wir verzeichnen eine ungebrochen starke Nachfrage und haben daher unsere Produktions- und Büroflächen in den letzten 18 Monaten um mehr als 5000 Quadratmeter erweitert.

Trotzdem steht die Kunststoffbranche beim Thema Energieeffizienz noch ziemlich am Anfang. Das Einsparpotenzial speziell in Kunststoffbetrieben ist in der Regel nur zu einem geringen Teil ausgeschöpft.

Wie bei vielen mittelgroßen Unternehmen lagen und liegen auch für uns viele Wachstumschancen im Ausland. Zum Teil folgen wir unseren Kunden, die an neuen Standorten die gleiche moderne Technologie nutzen wollen wie am Stammsitz, zum großen Teil erschließen wir aber ganz neue Kunden. Vor allem in den letzten drei Jahren nimmt der Anteil von Aufträgen aus osteuropäischen und außereuropäischen Regionen deutlich überproportional zu. Das bedingt einige Anstrengungen, zum einen hohe Vorlaufkosten bei der Auftragsgewinnung, zum anderen, um den Vor-Ort-Service sicherzustellen. Aber an dieser Expansion da geht kein Weg vorbei, hier greifen erprobte Konzepte, die wir schon im näheren Umfeld, schließlich in Europa und seit einigen Jahren eben auch darüber hinaus einsetzen.

Erfolg macht schön und begehrenswert. Das macht es nicht immer ganz leicht, anständige oder auch weniger anständige Angebote größerer Unternehmen auszuschlagen. Das beste Gegenmittel ist Erfolg! Unternehmenserfolg ist die Bestätigung dafür, viel richtig und wenig falsch gemacht zu haben. Die Folge hieraus ist, dass sich ein Selbstbewusstsein entwickelt und parallel ein Finanzstatus entsteht, der eine gewisse Unabhängigkeit verschafft. Ich berichte hier aus eigener Erfahrung. Bei einem Bonitätsindex von 123, den statistisch gesehen nur ein Unternehmen von 1250 in Deutschland vorzuweisen hat, sind wir von niemandem abhängig und können Anfragen jeder Art gelassen entgegensehen.

Weniger gelassen sehen wir allerdings eine Aufgabe, der nicht nur wir uns gegenüber sehen, dem drohenden Fachkräftemangel. Wir benötigen sehr gut ausgebildete Mitarbeiter sowohl in der Konstruktion wie auch in der Produktion und im Service. Und es ist mit der reinen Berufsausbildung nicht getan, von anderen Unternehmen übernommene Mitarbeiter brauchen eine relativ lange Einarbeitungsphase. Aber auch hier haben wir schon frühzeitig reagiert, als Politiker und Verbandsfürsten das Thema noch nicht für sich entdeckt hatten. Ein erhebliches Potenzial an Fachleuten haben wir schon vor über 20 Jahren in der Gruppe „ältere Menschen“ gefunden und diese Altersgruppe für unser Unternehmen erschlossen. Wir sprechen hier immerhin von einem Großteil der etwa 150 Mitarbeiter, die wir über die Jahre aus der Arbeitslosigkeit geholt haben und die bereits über 50 Jahre alt waren. Für mich sind ältere Mitarbeiter Edelstähle und kein altes Eisen!

Gerade die Älteren bringen viel Erfahrung mit, sind sehr zuverlässig und weniger anfällig für „Seitenwind“. Sie schätzen zudem aufgrund ihrer Lebens- und Berufserfahrung die hohe Wertigkeit eines guten und sicheren Arbeitsplatzes. Der gesunde Mix aus älteren, erfahrenen und jungen Mitarbeitern hat sich bei uns seit vielen Jahren zu einem Erfolgsmodell entwickelt.

Im Übrigen ist jede Firma selbst für Ihren Ruf in der Öffentlichkeit verantwortlich. Ein guter Ruf ist kein „Geschenk“, sondern besteht aus einem Paket kluger Entscheidungen und kostet einiges an Geld. Dass zufriedene Mitarbeiter, die in ihrem Arbeitsplatz ein „zweites Zuhause“ finden, ein wichtiger Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens sind, ist eine Binsenweisheit. Wir lassen uns eine Menge einfallen, auf dieses Thema bestmöglich zu reagieren. Wir nehmen die berufliche Ausbildung sehr ernst und investieren dafür viel Zeit und Geld. Zurzeit bilden wir 35 junge Menschen aus. Dabei züchten wir keine Weicheier, sondern bilden selbständige junge Menschen aus, die im späteren Berufsleben eine qualifizierte Tätigkeit mit Freude und Erfolg ausüben können. So fallen sie der Allgemeinheit nicht als unentdeckte Genies, vermeintliche Weltverbesserer oder Thekenakrobaten zur Last. Besonders stolz sind wir auf eine Reihe wertvoller Preise auch für den Bereich der Lehrlingsausbildung. So hat uns der Minister für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW, Guntram Schneider, einen Preis für die beste Lehrlingsausbildung unter 33.000 Betrieben übergeben. Zudem sind wir stolz auf diverse Auszeichnungen des Wettbewerbs Großer Preis des Mittelstandes (Landessieger NRW und Bundessieger), vier Goldmedaillen der Plastpol, vier Mal Finalist beim Entrepreneur, die Auszeichnung als “Hidden Champion“ von n-tv und den Initiativpreis NRW von der WGZ Bank für die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Das wirkt auch nach außen bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern. Das, und die eigene intensive Ausbildung entschärft die Generationenfrage: Das sichert uns ausreichendes Potenzial an Nachrückern in Führungsfunktionen.

In 30 Jahren Unternehmensgeschichte haben wir uns rund 4000 Kunden in 60 Ländern erarbeitet. Das verlangt, und da werden mir Kollegen in vergleichbaren Unternehmen sicher zustimmen, eine Portion Glück, aber eben auch die Beharrlichkeit, an Ideen zu arbeiten, die der Markt zunächst nur zögernd annimmt. Man kann den Kunden auf Dauer nur überzeugen, wenn er schnell im eigenen Geldbeutel – oder der Bilanz – sieht, dass eine Investition ein sehr gutes Geschäft für ihn ist.

So wie das Verhältnis zum Kunden stimmen muss, muss es nach innen funktionieren. Auch wenn es sich altmodisch anhören mag, gibt uns der bisherige Erfolg recht: Ich will die bisherige Unternehmensstrategie nach dem Motto „Innovativ, sozial und erfolgreich“ zusammen mit meiner Mannschaft weiter leben. Da hat eine ausschließlich auf Profit ausgerichtete Unternehmensführung nichts zu suchen.

Wolfgang Oehm ist Geschäftsführender Gesellschafter der Oni Wärmetrafo GmbH.

Zum Unternehmen

Seit 30 Jahren produziert Oni Wärmetrafo Anlagen zur Energieeinsparung und liefert Serviceleistungen zur Optimierung von Maschinen in der Kunststoffverarbeitung und in anderen Branchen. Der Gründer und Inhaber war zuvor Betriebsleiter eines Spritzgießmaschinen-Herstellers und bei einem Kunststoffverarbeiter tätig. Etwa 330 Mitarbeiter erzielten im abgelaufenen Geschäftsjahr rund 52 Millionen Euro Umsatz mit weiter deutlich steigender Tendenz. Anlagen wurden inzwischen in mehr als 60 Ländern installiert.

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