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Flexible Großanlage für den Spritzguss

Flexible Großanlage für den SpritzgussPost-Consumer-Recyclingmaterial sicher verarbeiten

Größere und komplexe Produktionsanlagen zu konzeptionieren und zu bauen verlangt einig Erfahrungen, um das Zusammenspiel der Komponenten optimal zu gestalten. Projektplanung und Realisierung aus einer Hand zu beziehen, kann einige Vorteile bieten.

27.000 Kilonewton Schließkraft – die Maschine ist der Kern einer Anlage zur Produktion von Kunststoffpaletten aus Recyclingwerkstoffen.

Einen besonderen Schwerpunkt hat Michael Bechtel, Gründer der MB Spritzgusstechnik im bayrischen Markoberdorf bei der Verarbeitung von Recycling-Kunststoffen gesetzt. Das vor rund 13 Jahren gestartete Unternehmen betreibt mit seinen etwa 160 Mitarbeitern inzwischen 30 Spritzgießmaschinen. Die neueste, eine Bi Power VH2700-56000 mit umfangreicher Peripherietechnik lieferte ihm Zimmermann-KT. Dessen Gründer, Peter Zimmermann plante die Anlage und arbeitete für die Realisierung mit ausgewählten Kooperationspartnern zusammen.

Anders als bei Maschinenbauern, die ihr Produkt individualisiert anbieten, hat sich Zimmermann nach eigenen Angaben auf maßgeschneiderte Produkte aus Modulen von Spezialisten im Bereich Kunststoffmaschinen, Anlagen- und Fördertechnik spezialisiert. Im Kern arbeitet häufig eine Spritzgießmaschine von Negri Bossi, die mit Schließkräften zwischen 700 und 70.000 Kilonewton sowie mit hydraulischen, hybriden und vollelektrischen Antrieben verfügbar sind. Als Kooperationspartner für die Materiallogistik ist Virginio Nastri im Boot. Dieser projektiere produziere und liefere täglich mehr als 20 Transportsysteme in 60 Ländern. Und Simatec liefere Anlagen und Geräte für das komplette Granulathandling für Extrusion, Blasformen und Spritzgießen.

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An Michael Bechtel lieferte Zimmermann-KT mit seinen Partnern eine Zweiplattenmaschine 27.000 Kilonewton Schließkraft. Sie kann laut Datenblatt mit einer56000er Spritzeinheit ein Schussgewicht von 28 Kilogramm HDPE realisieren. Außerdem erlaube die elektrische Holmzugeinrichtung den Einbau großformatiger Werkzeuge.

Misch-, Dosier- und Fördertechnik

Bechtel kann damit Granulat mit Langglasfaser- oder Mineralverstärkung ebenso verarbeiten wie das Recyclingmaterial. Die unterschiedlichen Qualitätsstufen im Ausgangsmaterial, verarbeitet wird Post-Consumer-Material aus dem „Gelben Sack“ ebenso wie Recyclingmaterial aus dem Automotivebereich, werden gemischt und homogenisiert. Dafür bietet Zimmermann-KT die entsprechende Mischtechnik:

  • Big Bag Entleerung sowie Mischen und Homogenisieren des Recyclingmaterials aus zehn Big Bag Einheiten per Granulatmischers mit 20 Kubikmeter Volumen.
  • Volumetrische Dosierung von einem Masterbatch, Stabilisator und Treibmittel mit anschließender Homogenisierung per Zwangsmischer.
  • Die Einspritzeinheit der Negri Bossi Bi Power ist so konzipiert, dass ein gleichmäßiges Aufschmelzen und Homogenisieren des Recyclingmaterials möglich ist. Dazu wurde sie mit einer speziellen Barriereschnecke und Einzugshilfen für das Recycling-Material ausgerüstet. Alternativ kann durch den Einsatz einer 3-Zonen-Schnecke Kunststoffgranulat mit einer Langglasfaser- oder Mineralverstärkung verarbeitet werden. Der notwendige Schneckentausch bei Materialwechsel ist über das schwenkbare Einspritzaggregat einfach zu realisieren.

Auf der Maschine werden überwiegend Paletten mit 10 bis 25 Kilogramm Stückgewicht produziert. Sie werden als light, medium und heavy vermarktet und tragen 500 bis 4000 Kilogramm. „Wir haben hier ein maßgeschneidertes Gesamtpaket aus Misch-, Dosierungs- und Fördertechnik stehen“, sagt Michael Bechtel. „Und es lief alles sehr gut“, fügt er hinzu.

Flexibilität und Kosteneffizienz

Ein Ziel der Anlagenplanung bei Zimmermann-KT war der hohe Automatisierungsgrad. Das erfordert gut ausgebildete Mitarbeiter – oder eine effiziente Fernwartung. Sie wird hier von Ingenieuren des Herstellers gewährleistet. Zudem wird im süddeutschen Raum ein Vor-Ort-Service angeboten. „Als die Anlage in Betrieb genommen wurde, mussten wir mehr Treibmittel beigeben als zunächst gedacht. Dadurch drückt es die Schnecke nach hinten“, erklärt Michael Bechtel. „Noch einem Anruf wurde per Fernwartung eine Softwareanpassung vorgenommen, schon lief es wieder.“

Die Steuerung der BI Power ist, so der Hersteller, dank selbsterklärender Menüführung bedienfreudlich. Mitarbeiter brauchen keine teuren Extra-Schulungen und lange Anlernphasen. Das Ersatzteillager könne Bechtel reduzieren, weil die einzelnen Bauteile alle von namhaften europäischen Herstellern stammen, die „Nachkauf-Garantie“ für die nächsten 15 bis 20 Jahre geben und einfach auf dem Markt zu besorgen sind. Langfristig könne durch den Einsatz gleicher elektrischer, hydraulischer und pneumatischer Komponenten sowie Steuerungen die Ersatzteilhaltung erheblich reduziert werden, ohne die Maschinenverfügbarkeit zu gefährden.

Der Anbieter der Spritzgießmaschine, Negri Bossi, lieferte sehr präzise, auch bei ungünstigen Bedingungen. So sei die hier beschriebene Anlage zu einer Zeit, als der Brenner gerade gesperrt war und in München die „Bauma“ sämtliche Schwertransportkapazitäten belegte, pünktlich eingetroffen.

Nach achtmonatiger Projektierungs- und Bauzeit liegen nun mehr als drei Monate Erfahrungen aus dem Echtbetrieb vor. Laut Michael Bechtel wurde mit dieser Anlage ein hochinteressanter Lieferant gefunden.

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