Prototypenentwicklung

Annina Schopen,

Do it yourself mit 3D-Fließbanddrucker

Das mittelständische Unternehmen Via Traffic Controlling ist ein internationaler Anbieter von Verkehrstechnik und Radarsystemen. Um Kosten zu optimieren, suchte die Firma nach einer Möglichkeit, Prototypenentwicklung selbst umzusetzen zu können. Dazu wird nun ein 3D-Fließbanddrucker von iFactory3D eingesetzt.

Seit April 2021 verwendet Via Traffic Controlling den 3D-Fließbanddrucker iFactory One © iFactory3D

Die 1991 gegründete Via Traffic Controlling mit Sitz in Leverkusen ist ein internationaler Anbieter von Geschwindigkeitsanzeigetafeln, Verkehrszählgeräten und Radardetektoren einschließlich der dazugehörigen Software-Anwendung. Im Zuge einer geplanten Kostenoptimierung eines ihrer Kernprodukte suchte die Firma nach einer Möglichkeit, zeitnah und flexibel die Prototypenentwicklung selbst umsetzen zu können. Die aus der Designumstellung entstandenen Bauteile sollten dabei idealerweise in hoher Auflage kostengünstig produziert werden können. Bei der Suche stieß Via Traffic Controlling auf einen 3D-Fließbanddrucker im Desktopformat. Die Eigenschaften des Druckers passten zum Anforderungsprofil, und die örtliche Nähe des Anbieters sowie der günstige Preis überzeugten die Firma, diese neue Technologie in ihre Produktionsstraße einzubinden.

Seit April 2021 verwendet Via Traffic Controlling nun den iFactory-One-3D-Fließbanddrucker von iFactory3D, einem jungen Technologieunternehmen und laut eigenen Angaben das einzige B2B-Unternehmen der Welt, das 3D-Fließbanddrucker entwickelt. Diese sind attraktiv für Industriezweige, die großformatig arbeiten, und eignen sich dort vor allem zum Prototyping und zur Herstellung von Ersatzteilen. Auf einem herkömmlichen Drucker sind diese nicht in der passenden Größe zu realisieren, und ein 3D-Drucker, der derartige Dimensionen umsetzen kann, kostet schnell das Fünfzigfache eines 3D-Fließbanddruckers im Desktopformat.

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Bereits vor der Anschaffung des iFactory One hatte Via Traffic Controlling mit 3D-Druckern gearbeitet. Die Firma entschied sich wegen eines beliebten Produktes aus ihrem Portfolio für einen 3D-Fließbanddrucker, mit dem wesentlich größere Stückzahlen quasi in Serie hergestellt werden können. Bis dahin hatte die Firma auf zugekaufte Bauteile für eine der Geschwindigkeitsanzeigen zurückgegriffen. Pro Gerät wurden jeweils 6 Schlossvorrichtungen in einem Gerät verbaut. Bei diesen Mengen war dem Unternehmen bewusst, dass auch nur geringfügige Einsparungen sich schnell aufsummieren würden.

Mit einem klassischen 3D-Drucker wäre ein viel größerer Aufwand erforderlich: Nach jedem Druck müsste das Druckbett gesäubert und der Druck neu gestartet werden. Das kostet Zeit und Arbeitskraft, die mit dem Fließbanddrucker eingespart werden. Der iFactory One arbeitet Tag und Nacht und wurde auch genau aus diesem Grund angeschafft. Eine Produktionsserie kann gestartet werden und läuft dann über Nacht, manchmal sogar eine ganze Woche am Stück. Der zuständige Angestellte kann von zuhause mit Hilfe einer Webcam kontrollieren, ob alles in Ordnung ist. Bei Problemen kann über Fernsteuerung eingegriffen und so der Druck zum Beispiel pausiert, neugestartet oder der Drucker in Notfällen ausgeschaltet werden. Solche Notfälle sind allerdings bislang noch nicht vorgekommen.

Unabhängigkeit von Zulieferern

Die Anschaffung hatte sich bereits nach knapp 8 Wochen amortisiert. © iFactory3D

Mithilfe des iFactory One stellt Via Traffic Controlling jetzt die benötigten Teile selbst her und ist damit unabhängig von Zulieferern. Neben der Herstellung spezifischer kleinerer Bauteile erweist sich der Drucker auch in anderen Bereichen als nützlich. Da die Z-Achse bei dem Drucker unbegrenzt ist, findet er auch in der weiteren Produktentwicklungen Verwendung, was besonders bei langen Objekten wie etwa Kabelkanälen das Prototyping erleichtert. Ein weiterer Vorteil: Der Drucker kann mit besonders großen Filamentrollen extern bestückt werden und unterbricht den Druck automatisch, wenn das Filament leerläuft. Nach dem Wiederbefüllen setzt der Drucker nahtlos an, sodass kein Material verloren geht.

Für das neue Modell, den 3D-Drucker One Pro, gibt es einen integrierten Spulenhalter im Bauraum, der bis zu 1 kg Spulen unterstützt. In dieser Variante ist der Drucker besonders platzsparend. Jedoch lässt sich der Spulenhalter einfach umfunktionieren beziehungsweise nach außen schwenken, sodass Filamentrollen von 2,2 kg Gewicht aufgeladen werden können. Natürlich laufen beide Druckermodelle auch mit externen Spulenkonstruktionen, die besonders große Filamentrollen unterstützen. Eine eigene, auf den Drucker speziell angepasste Lösung von iFactory3D sei als nächstes Add-on geplant, so der Hersteller. Diese sei dann neben weiteren Ausrüstungsgegenständen und Verschleißteilen im iFactory3D-Shop erhältlich. Via Traffic Controlling musste jedoch ihren Drucker noch nicht nachrüsten: Bei dem im April 2021 angeschafften iFactory One läuft noch der gleiche Belt, obwohl dieser – je nach Auslastung und Pflege – ein häufiger Verschleißartikel mit durchschnittlich 6 bis 12  Monaten Haltbarkeit ist.

Anschaffung nach acht Wochen amortisiert

Via Traffic Controlling zeigte sich beeindruckt von der Leistung, der Wartungsfreiheit und der einfachen Bedienung. Der 3D-Fließbanddrucker trage zur Gewinnoptimierung bei, so wie es mit seiner Anschaffung geplant war. Trotzdem sei die Produktionsleitung beim Anblick der Zahlen positiv überrascht gewesen: Im Gegensatz zum vorherigen System spart das Unternehmen ca. 70 % der Kosten. Die Anschaffung hatte sich bereits nach knapp acht Wochen amortisiert.

Für Via Traffic Controlling ist die Fließbandtechnik die Zukunft. Fertigungsleiter Marcus Czaplejewicz stellt fest: „Mit einem Fließbanddrucker ist man erstmal nicht mehr auf bestimmte Maße im Bauraum festgelegt. Gerade bei uns im Haus haben wir in der Vergangenheit auch viele Sachen an Zulieferer gegeben, die uns dann irgendwelche Prototypen gedruckt haben. So ein Prototyp funktioniert oft nicht auf Anhieb, und die Anpassung kostet dann viel Zeit. Jetzt können wir große Teile einfach hier im Haus anfertigen, anpassen und solange daran herumbasteln, bis der Prototyp serientauglich ist. Man ist nicht mehr eingeschränkt und kann viele kleine Dinge einfach drucken, ohne Beaufsichtigung.“

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