Masterbatches

Annina Schopen,

Kunterbunte Kaffeekapseln für den Kompost

Damit heimkompostierbare Einwegkapseln nicht mehr nur braun, sondern farbenfroh produziert werden können, hat der Farb-Spezialist Grafe Masterbatches zur Einfärbung der Kaffeekapsel entwickelt. Das ermöglicht eine optisch ansprechende Verpackung, ohne dass die Kompostierbarkeit darunter leidet.

Heimkompostierbar und bunt: Die Kaffeekapseln, die in Zusammenarbeit von Grafe und Golden Compound entwickelt wurden. © Grafe

An Kaffeekapseln scheiden sich die Geister. Die einen lieben den portionierten Genuss mit seiner Vielfalt der Aromen und Geschmäcker, die anderen halten die kleinen Behältnisse der Gaumenfreuden für umständlich und überteuert. Doch Studien zeigen – der Markt für Coffee on Demand wächst nahezu ungebremst.

Einig sind sich Befürworter und Gegner jedoch in der Kritik an Umweltverträglichkeit der Mini-Portionen. Recyclingfähigkeit oder gar Heimkompostierbarkeit gehörten bislang nicht zu den Merkmalen der zwar kleinen Verpackungen, die jedoch in großer Stückzahl anfallen. Basierend auf Fasern von Sonnenblumenkernschalen, Maisstärke und einem Gesteinsmehlgemisch aus mineralischem Füllstoff hat die Firma Golden Compound, Ladbergen, einen Biokunststoff namens „Sun Circle“ entwickelt, aus dem die „Homecap“ gefertigt wird, die im Jahr 2018 als heimkompostierbare Einwegkapsel die Zertifizierung „OK compost Home“ des TÜV Austria erhielt.

In ihrem Dunkelbraun wurde sie zwar allen Nachhaltigkeitsanforderungen, jedoch nicht immer den Marketingaspekten gerecht, bei denen es vor allem auf visuelle Anreize ankommt. Seit 2016 arbeitet Golden Compound deshalb mit Grafe, Blankenhain, zusammen. Der Farb-Spezialist hat in dreijähriger Entwicklungsarbeit Masterbatches zur Einfärbung der Kaffeekapsel entwickelt, mit denen die kleinen Genussportionen optisch ansprechend verpackt werden können, ohne dass die Kompostierbarkeit darunter leidet. Inzwischen sind neun Farben vom TÜV Austria zertifiziert worden.

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Die Farbe macht‘s

Keine einfache Aufgabe. „Die Masterbatches dürfen nur bestimmte Inhaltsstoffe enthalten, die Pigmente sind nur in begrenzten Konzentrationen verwendbar. Außerdem war es eine anspruchsvolle Aufgabe, das dunkle Grundmaterial zu überfärben“, berichtet Stefanie Theuerkauf, Vertriebsleiterin für die D-A-CH-Region bei Grafe. Aus dem Modalen-Sortiment des Masterbatch-Spezialisten stehen nun die Farben Kastanienbraun, Hellgrau, Brillantblau, Blaugrau, Petrol brillant, Olive brillant, Violett brillant sowie Beige und Beere zur Verfügung. Die Zertifizierung trat am 14. August 2020 in Kraft, seitdem sind die bunten Kapseln nach und nach auf den Markt gekommen.

„Die Partnerschaft mit Grafe bietet für uns auch in Zukunft viel Potenzial“, sagt Reinhard Trumme, Prokurist bei Golden Compound, und verweist auf weitere langlebige oder gar heimkompostierbare Biokunststoff-Produkte seines Unternehmens. Dazu zählen Anwendungen im Bauwesen, aber auch Kleiderbügel, Urnen, Stapelboxen, Coffee-to-go-Becher und nicht zuletzt den Pflanztopf „Pottburri“, der in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ auf dem Sender Vox vorgestellt wurde. „Aufgrund der Nachhaltigkeit sind die Marktchancen für solche Produkte enorm“, so Theuerkauf. „Dank unseres Know-hows beim Einfärben von Kunststoffen werden diese noch einmal erhöht, da Farben ein wichtiges Marketing-Instrument sind, um Produkte ansprechend zu gestalten.“

Wirtschaftlich und nachhaltig

Die heimkompostierbaren Einwegkapseln haben eine Aromabarriere, sind Nespresso-kompatibel, heißversiegelt und hitzestabil. Hergestellt im Spritzgussverfahren auf herkömmlichen Maschinen haben sie eine geringe Wandstärke von unter 500 Mikrometern. Damit bauen sie die Brücke von der Wirtschaftlichkeit hin zur Nachhaltigkeit. Statt der energetischen Verwertung über den Hausmüll landen die Kapseln auf dem Kompost – und dort gehören sie auch hin. Denn hier liefert der Kaffeesatz wertvolle Pflanzennährstoffe wie Kalium, Phosphor und Stickstoff.

Das Material zersetze sich schnell und vollständig bereits bei Temperaturen, wie sie etwa in der Gartenerde oder im Komposter herrschen, so der Hersteller. Also keine CO2-aufwändige Entsorgung und keine energieintensive Erwärmung. Sowohl gegenüber herkömmlichen Aluminium- als auch PLA-Kapseln oder solchen, die verstecktes Aluminium beinhalten, gebe es bei den Kapseln aus Sun Circle Vorteile durch die Heimkompostierung: „Im Gegensatz zu diesen bleibt nach dem Abbau nicht nur Wasser übrig. Unser Rohstoff Sun Circle inklusive der Siegelfolie bei der Kaffeekapsel zerfällt binnen eines Jahres vollständig zu Wasser, CO2 und Biomasse. Er hinterlässt somit Humus und wertvollen Dünger und vor allem keine dauerhaften Mikropartikel“, erklärt Trumme.

Golden Compound produziert zwei Werkstoff-Gruppen: „pro“ steht dabei für langlebig, „green“ für heimkompostierbar. Dafür nutzt das Unternehmen bis zu 70 Prozent Fasern der Sonnenblumenkernschalen als Füll- und Verstärkungsmaterial. Diese fallen als Nebenprodukt der Nahrungsmittelindustrie an, stammen aus einer bestehenden, qualitätsüberwachten Lieferkette und stehen nicht in Konkurrenz zum Lebensmittelanbau. „Zudem wurden sämtliche Materialien für das Spritzgussverfahren optimiert und bieten eine gute Verarbeitbarkeit, Steifigkeit und Schlagzähigkeit“, versichert Annabelle Hoesen vom Marketing/Vertrieb bei Golden Compound. Weitere Vorteile seien eine mögliche Zykluszeitverringerung sowie die einzigartige Optik und Haptik.

Verschiedene Produkte von Golden Compound besitzen die Zertifikate „OK compost Home“, „OK compost Industrial“ oder „OK biobased“. Umweltbewusste Verbraucher sollten beim Kauf ihrer Kaffeekapseln besonders auf das Label „OK compost Home“ achten, denn hiermit wird bestätigt, dass sich der Rohstoff bereits bei normalen Umgebungstemperaturen in der Gartenerde oder im Komposter schnell zersetzt. Im Gegensatz dazu bedeutet „OK compost Industrial“, dass Temperaturen über 50 Grad Celsius zur Zersetzung benötigt werden. Während 98 Prozent aller am Markt befindlichen „Biokapseln“ lediglich dieses Zertifikat besitzen, hat die „Homecap“ das sehr seltene Gütezeichen „OK compost Home“.

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