MES-System Coago

Produktion und Logistik im Schulterschluss

Das Richtige zum rechten Zeitpunkt am richtigen Platz. Ein Hersteller und Converter der Folienindustrie hat ein integriertes Modul für Logistik- und Lagermanagement in sein bereits bestehendes Manufacturing Execution System (MES) eingebunden. Hauptziel der Implementierung des Logistik- und Lagermanagements war die Verschlankung der innerbetrieblichen Logistikprozesse.

Folienverarbeiter können in der Logistik in der Regel erhebliches Optimierungspotenzial heben. (Bild: Fotolia)

Die nahtlose Integration in das vorhandene MES lag nahe, um eine möglichst enge Verzahnung der Logistik mit der Produktion zu erreichen und direkt auf die logistikrelevanten Daten des Coago-MES zugreifen zu können. Das bestandsführende SAP-System wurde über existierende Schnittstellen angebunden, weitere Schnittstellen zu Drittsystemen waren nicht erforderlich.

Suchzeiten und Fahrvolumen reduziert
Vor der Implementierung wurden nach Unternehmensangaben etwa 30 bis 40 Prozent der verfügbaren Staplerzeit für die Materialsuche aufgewandt. Nach Implementierung des Logistik- und Lagermanagement-Moduls In Coago wurde eine signifikante Reduzierung der Suchzeiten für Material zum Auftrag erreicht, da jeder Staplerfahrer im System sieht, wo sich das zu transportierende Material befindet. Auch die Leerfahrten der Stapler wurden reduziert, da der Fahrer jetzt erkennt, welche Fahraufträge sich in dem Lagerbereich, in dem sich der Stapler befindet, anstehen. Daraus ergab sich eine Reduzierung der Materialbereitstellungszeiten.

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Als Folge der verbesserten Materialbereitstellung sanken die Verlust-und Wartezeiten an allen Maschinen, beispielsweise im Bereich Drucken, Lackieren, Prägen, da nicht mehr auf Material gewartet werden muss oder falsches Material bereitgestellt wird. Denn die rechtzeitige Validierung des Materials auf Verwendbarkeit und auf Sperren führte zu einer deutlichen Verringerung von Fehlfahrten und Fehlbereitstellungen.

Die Einbeziehung aller von physischen oder wertemäßigen Aspekten der Logistik berührten Funktionen im Unternehmen schafft Transparenz und Effizienz der Abläufe. (Bild: Graß)

Materialschwund und Beschädigungen senken
Der Materialschwund, überlagertes und nicht auffindbares Material, das oft erst zur Jahresinventur offensichtlich wird, wurde durch die gestiegene Transparenz stark reduziert. Die hinterlegten Auslagerungsstrategien gewährleisten, dass Material verbraucht wird, bevor es sein Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht und verdirbt. Dank reduziertem Fahrvolumen wurden auch transportbedingte Beschädigungen von Material und an Gebäuden reduziert.

Die Produktivität der Stapler stieg somit erheblich. Dies schlug sich auch in einem geringeren Bedarf an Transportkapazitäten nieder, was sowohl bei den Geräten als auch im Personalbedarf und in den allgemeinen Betriebskosten zu einer bedeutenden Reduzierung führte. Bereits aus diesem Einsparpotenzial ergab sich eine kurzfristige Amortisation des Projekts.

Mit der verbesserten Synchronisation zwischen Produktion und Logistik senkten die Verantwortlichen das Bestandsvolumen und damit das Working Capital und somit auch den Lagerplatzbedarf und die damit verbundenen Lagerkosten.

Die tiefe Integration über standardisierte Schnittstellen sorgt für flotte und störungsfreie Kommunikation zwischen Logistik-Modul, MES und übergeordneter ERP-Lösung, in diesem Fall SAP. (Bild: Graß)

Gesamte Wertschöpfungskette betrachten
Das Transport- und Lagermanagement wurde entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Wareneingang über die Produktion bis zum Versand etabliert. Diese umfassende Abdeckung bewirkt, dass relevante Informationen an allen Punkten der Transportkette zur Verfügung stehen. So ist beispielsweise sichergestellt, dass nachträglich von der Qualitätssicherung gesperrte „Mutterrollen“ (Jumbos), die bereits in nachfolgenden Fertigungsstufen wie Kaschierung, Druckerei oder am Rollenschneider verarbeitet oder schon im Versandbereich bereitgestellt wurden, bis auf versandfertige Lieferungen wirken. Dies führte zur Steigerung der Prozessstabilität und Reduzierung der Reklamationsquote.

Im Wareneingang werden die eingehenden Lieferungen basierend auf den Bestellinformation von SAP vereinnahmt und als Rückmeldung an SAP übergeben. Bereits hier wirkt das integrierte Qualitätsmanagement-Modul, so dass beispielsweise Prüfergebnisse zum Wareneingang erfasst oder Chargen gesperrt werden können. Nach erfolgtem Wareneingang und unter Verwendung der hinterlegten Einlagerungsstrategie veranlasst ein Transportauftrag den Transport ins Lager.

Durch Integration der Disposition und der entsprechenden Bestandssichten unterstützen nun Bedarfsdecker-Sichten bei der Auswahl der im jeweiligen Kontext für den Auftrag anzufordernden Rohstoffe und Halbfertig-Rollen. Auch hier werden aufgrund der integrierten Lösung bereits vorhandenen Daten zum Beispiel Sperren, Reifezeiten, Workflowkennzeiten oder Qualitätsdaten zur Erhöhung der Stabilität und Performance des Versorgungsprozesses genutzt. Hierdurch wurde sichergestellt, dass nur die Materialien im verfügbaren Bestand zum Transport angeboten werden, die auch die entsprechenden Kriterien erfüllen.

Ver- und Entsorgung der Produktion
Die Versorgung der Produktion arbeitet nach dem Push- oder Pull-Prinzip. Transportaufträge werden manuell oder automatisiert ereignisgesteuert erzeugt und an das Transportmanagement-System übergeben. Hierfür wurden auch mobile Endgeräte in den Prozessablauf integriert. Die aktuellen Bestandsinformationen zum verfügbaren Material sowie zu den verfügbaren Lagereinheiten und die Rollen, die für den Arbeitsgang gemäß Komponentenstückliste zur Verfügung stehen, sind jederzeit für den Werker abrufbar. Material kann anhand der Materialtype oder durch die dedizierte Auswahl einzelner Rollen für Aufträge angefordert werden. In diesem Zusammenhang können für Aufträge auch Reservierungen, beispielsweise auf Rollenebene definiert werden. Vor Transportbeginn wird das Material auf die Verwendbarkeit im Auftrag validiert, und es greifen die hinterlegten Auslagerungsstrategien wie FiFo oder nach Mindesthaltbarkeitsdauer. Die Entsorgung der Produktion geschieht nach den gleichen Prinzipien unter Nutzung von Einlagerungsstrategien.

Staplerleitsystem, permanente Inventur und Reporting
Im integrierten Staplerleitsystem werden Transportaufträge differenziert nach Ein-, Um- und Auslagerungen unterschiedlicher Lagerbereiche und Subsysteme gesteuert. Jeder Logistik-Mitarbeiter kann die für seinen Bereich anstehenden Transportaufträge sehen und bearbeiten oder auch weitere Transportaufträge in seine Zuständigkeit übernehmen. Auch hier stehen die entsprechenden Bestandssichten an Halb- und Fertigware zur Verfügung. Hohe Transparenz wird dank des im MES integrierten Reporting-Modul erreicht, das zum Beispiel Ad-hoc-Bestandsauswertungen oder Reports hinsichtlich der Lagerbewegungen und Staplerfahrten ermöglicht.

Die permanente Inventur wird unterstützt und aktuelle Daten an das ERP-System übergeben, wie auch jede Materialbewegung je nach gewünschter Granularität eine Rückmeldung an das bestandsführende ERP-System auslösen kann. Hoher Bedienkomfort wird laut Softwareanbieter durch Integration mobiler Touchpanel-PC und Touchpanel-Handscannern oder anderer Handheld-Devices erreicht.

Die integrierte Lösung wirkt bis in den Versandbereich, wo die entsprechenden Lieferungen in Bereitstellungszonen vorbereitet werden. Die Paletten zu den Frachtpapieren werden auf den bereitstehenden Lkw gebucht und an das ERP-System quittiert. Auch hier werde hohe Prozesssicherheit gewährleistet, indem die zum Versand anstehenden Lieferungen noch einmal auf Vollständigkeit und Erfüllung aller Kundenanforderungen geprüft werden. Dazu kann gehören, zu prüfen, ob die notwendigen Zertifikate, Prüfzeugnisse oder Konformitätserklärungen, die ebenfalls im Branchen-MES erstellt werden, vorhanden sind.

Die Kombination macht den Erfolg
Die Integration von MES und Logistik führt durch eine Vielzahl für beide Systeme relevanten Produktionsdaten und die draus nutzbaren Synergien mit dem Manufacturing Execution System zur Steigerung der Performance in der Logistik und im Materialmanagement, so dass sich Investitionen in diesem Bereich in kurzer Zeit amortisieren sollte. Nicht direkt in Zahlen auszudrücken, aber ein ebenso wichtiger Aspekt des Systems ist die steigende Prozesssicherheit der unternehmenseiten Warenbewegungen, die sich in erhöhter Liefersicherheit niederschlägt.

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