UR5e-Cobots im Einsatz bei Vema

Annina Schopen,

Vier Kollegen für die dritte Schicht

Vema aus Krauchenwies-Göggingen ist Zulieferer in der Automobilindustrie. Der schwäbische Full-Service-Partner hat diverse Abläufe in der Fertigung mithilfe von vier kollaborierenden Robotern von Universal Robots automatisiert. Die Produktivität hat sich dadurch um bis zu 30 Prozent erhöht.

Bei Vema im baden-württembergischen Krauchenwies-Göggingen unterstützen vier UR5e-Cobots bei der täglichen Arbeit. © Universal Robots

Kunststoffverarbeitung, Werkzeugbau oder Spritzguss – Qualität und Präzision bestimmen das Geschäft von Vema. Vom Formenbau über die Spritzteilfertigung bis hin zur Lagerhaltung und Just-in-time-Lieferung: Seit nunmehr drei Jahrzehnten steht und fällt der Erfolg des schwäbischen Mittelständlers mit motivierten Mitarbeiter:innen und modernen Technologien. Dazu zählen seit einiger Zeit auch Bruno, Elfriede und Günter – drei Roboterkollegen.

Christian Veser, Geschäftsführer bei Vema, geht ins Detail: „Nachdem wir bereits einfache Aufgaben automatisiert hatten, haben wir uns vor einiger Zeit für den Schritt in die Automatisierung komplexerer Abläufe entschieden, um trotz des Fachkräftemangels die Produktivität erhöhen und die Wettbewerbsfähigkeit erhalten zu können“, erinnert sich der Unternehmensleiter an eine entsprechende Initiative zu Beginn des Jahres 2019. „Wir waren damals auf der Suche nach einer kosteneffizienten Robotiklösung, die wir selbst integrieren und programmieren konnten.“ Konkret ging es nach den Worten Vesers damals in erster Linie darum, die eigenen Mitarbeiter:innen von den oftmals monotonen und anstrengenden Verpackungsaufgaben zu befreien und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit für die Zukunft zu sichern.

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Cobot-Einstieg leicht gemacht

Gründe genug für den nach IATF 16949 zertifizierten Zulieferer aus dem Ländle, den Cobot-Markt zu sondieren. Die wichtigsten Kriterien im Evaluierungsprozess: Die Lösung sollte sich ohne Schutzumhausung einsetzen und flexibel von Maschine zu Maschine bewegen lassen. Darüber hinaus stand eine einfache Bedienbarkeit und Programmierung ganz oben im Pflichtenheft. Hakan Celik, Maschineneinrichter und Cobot-Programmierer bei Vema und Mitinitiator der Automatisierungsoffensive, begründet die Entscheidung zugunsten des dänischen Robotik-Spezialisten Universal Robots: „Wir waren begeistert davon, wie einfach der Einstieg in das Thema Cobots sein kann und wie schnell I-botics, ein Distributor von Universal Robots, auf unsere Anfrage reagiert hatte.“ Celik weiter: „Daher haben wir bald den ersten Cobot des Typs UR5e erworben, aufgestellt und aufgebaut. Er hat sofort funktioniert.“

Die Roboter kommen in der Fertigung zum Einsatz. © Universal Robots

Mittlerweile arbeiten drei dieser kollaborierenden UR5e-Roboter – Bruno beschickt eine lichttechnische Messanlage, Elfriede und Günter erledigen Pick-and-place-Aufgaben – Seite an Seite mit den rund 80 Vema-Mitarbeiter:innen. „Diese Cobots haben sich als echte Bereicherung für unseren Betrieb herausgestellt“, so das vorläufige Fazit von Geschäftsführer Veser. Man verfüge nun über Roboter, „die wir uns immer gewünscht haben. Komplett flexibel einsetzbar und nach einer kurzen Einführung durch unsere Maschineneinrichter selbständig programmierbar.“

Nach diesen positiven Erfahrungen entschied sich Vema für einen vierten Cobot, der gleichzeitig der insgesamt 50.000ste von Universal Robots ausgelieferte Cobot wurde. Er hört inzwischen auf den Namen Jürgen und kommt demnächst ebenfalls im Pick-and-place-Umfeld zum Verpacken von Teilen am Ende der Produktionslinie zu Einsatz. „Das ist unser vierter Cobot. Wir haben ihn vom damaligen Universal-Robots-Präsidenten Jürgen von Hollen überreicht bekommen und uns deshalb für diesen Vornamen entschieden“, so Geschäftsführer Veser. Cobot Jürgen überzeuge, nicht anders als Bruno, Elfriede und Günter, durch seine Flexibilität und Anpassbarkeit an die Produktionsabläufe, denn alle Anwendungen hat Vema selbst implementiert und programmiert. Dazu gehören sogar die maßgeschneiderten Greiferwechseleinheit und die Greifer selbst. Veser: „Es war auch Trial-and-Error dabei, aber wir haben extrem viel gelernt.“ Jetzt sei geplant, weitere Produktionsschritte mit Cobots von UR zu automatisieren.

Fertigung hat sich grundlegend verändert

Die Worte des Geschäftsführers kommen nicht von ungefähr, zieht man die harten Fakten nach rund zwei Jahren Cobot-Erfahrung mit ein. So hat nicht nur der Fachkräftemangel seinen Schrecken durch den Einsatz der UR5e-Cobots größtenteils verloren. Auch die Produktivität konnte seit der Einführung der Roboter deutlich zulegen. Die vier Roboter „haben die Fertigung bei uns grundlegend verändert“, erklärt Veser. Dadurch, dass die Cobots an 24 Stunden und sieben Tagen die Woche Dienst schieben, produziert der schwäbische Mittelständler nun quasi in einer dritten Schicht. „Die Produktivität hat sich um bis zu 30 Prozent erhöht.“

Aber auch die Qualitätskontrolle hat Bruno, Elfriede, Günter und Jürgen bereits ins Herz geschlossen. Hatten die Qualitätsprüfer früher rund 20 Sekunden für das Prüfen und Verpacken eines Teils wie einer optischen Linse, so kann heute die komplette Zeit für die Prüfung aufgewendet werden. Den Rest erledigen die Cobots. „Wir befanden uns früher in der Situation, dass der Mensch dem Takt der Maschine folgen musste. Lief sie nicht, brauchte man den Menschen nicht, war der Mensch nicht vor Ort, lief die Maschine nicht. Das ist heute völlig anders“, gibt der Vema-Chef zu Protokoll.

Für die Zukunft plant der Unternehmenslenker auch schon die nächsten Schritte. Veser schwebt eine Ausweitung der Automatisierung vor, indem er den Cobots noch anspruchsvolleres Unternehmens-Know-how vermitteln will. „Wir planen, Arbeitsschritte in der Montage zu automatisieren, um weiteres Wachstum zu generieren und unsere Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen. Das wäre die Krönung. Und das wird sich früher oder später bewahrheiten.“

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