Schmelzefiltration, ERF-Filter

Feiner Filtern

Sortenreine Regranulate ersetzen neuen Kunststoff
Der Filter reinigt Eingangsmaterial mit bis zu 16 Prozent Störstoffanteil mit einer Filterkartusche, die sich fünf bis 15 Mal in der Minute selbst reinigt.
Aus gemischten und verschmutzten Regranulaten werden dank moderner Filtertechnik Werkstoffe, die denn Ersatz neuer Kunststoffe in vielen weiteren Anwendungen ermöglichen. Das lässt beispielsweise auch die saubere Aufbereitung von gummihaltigem PS.

Nur eine ausreichende Filtration sichert die Qualität bei Einsatz von Regranulaten. Das Unternehmen Vogt-Plastic nutzt bei der Aufbereitung gemischter und verschmutzter Kunststofffraktionen zu sortenreinen Regranulaten Filtereinheiten mit 120 µm. Überwiegend handelt es sich bei den Ausgangsstoffen um Abfälle, aus dem „Dualen System“. 120 Mitarbeiter verwerten an drei Standorten insgesamt circa 50.000 Tonnen Altkunststoff im Jahr. Daraus entstehen 40.000 Tonnen formstabiler Mischkunststoffe, sortenreines PE-HD-Regranulat für die Rohrindustrie sowie sortenreines PP- und PS-Regranulat für Spritzguss und Extrusion. „Eingesetzt werden zwei ERF-Schmelzefilter der Ettlinger Kunststoffmaschinen, weil das System druckkonstant ist und hohe Schmutzanteile ausgefiltert werden können“, begründet Jörg Butz, stellvertretender Technische Leiter bei Vogt, die Ent- scheidung.

Während des Recyclings werden gepresste Kunststoffballen zunächst grob geschreddert, danach mehrfach trocken und nass gereinigt, sortenrein sortiert und anschließend gemahlen. Danach homogenisiert, entgast und filtriert und schließlich granuliert ein Extruder das Mahlgut. Es sind verschiedene Extrusionslinien und Filtrationen in Abhängigkeit der Kunststofftypen im Einsatz.

Anzeige

Gummipartikel in PS verhindern

Die Anforderungen an das gefilterte Material stiegen und steigen weiter. „Wir haben den Ehrgeiz, Neuware ersetzen zu können“, sagt Jörg Butz. Damit verändern sich natürlich auch die Ansprüche an den Filtrationsgrad. Dabei ist ein konstanter Schmelzedruck von Vorteil, was die Verwendung von Systemen mit „Einmal-Sieben“, so genannten Siebbolzen, ausschließt.

Eines der häufig aufbereiteten Materialien ist PS mit hohem Gummianteil, an dem herkömmliche Schmelzefilter scheitern. Die Gummipartikel ziehen sich wie ein Regenwurm in die Länge, rutschen durch den Filter und sind hinterher wieder genauso groß wie davor. Selbst Rückspülfilter sind wegen des hohen Verschmutzungsgrades und dem Regenwurmeffekt untauglich, weil nach dem Filter sogar deutlich größere Partikel vorhanden sind als die Maschenweite des verwendeten Siebes es theoretisch zulässt.

Es kommt also nicht nur auf den prozentual sehr geringen Partikelgehalt nach dem Filtrieren an, sondern besonders auf die Partikelgröße um Material für die weitere Verwendung brauchbar zu machen. Wenn dieses Material etwa im Spritzguss eingesetzt wird, können die Gummipartikel auf der Oberfläche aufschwimmen und sichtbar werden oder auch die Festigkeit des Spritzgießteils reduzieren. In solchem Maß verschmutzte oder unzureichend gefilterte Stoffe reduzieren den Anwendungsbereich auf minderwertige Produkte.“ Vor dem Echteinsatz der neuen Filtertechnologie fuhr Vogt in Zusammenarbeit mit Ettlinger einen Probelauf mit dem ERF-Schmelzefilter 200. Die Maschine filtriert Eingangsmaterial mit einem bis zu 16 Prozent Störstoffanteil. Im Kern handelt es sich um eine drehende Filterkartusche, die sich bis zu 15 Mal pro Minute selbst reinigt.

Hohe Störstoffanteile sicher entfernen

Da jede Drehung der Kartusche zu einer kompletten Säuberung der Filterfläche führt, liegt die Verweilzeit der Störstoffe bei minimal vier Sekunden. So haben die elastischen Verunreinigungen zu wenig Zeit, um durch die Filteröffnung zu extrudieren. Auch können die Filtermaschen durch die Verunreinigungen nicht aufgeweitet werden, wie es bei Drahtfiltern der Fall ist, da die Löcher gebohrt sind. Der ERF arbeitet mit einem luftdicht geschlossenen System. Das schließe, so der Hersteller, das Einschleppen von vercracktem Kunststoff in die filtrierte Schmelze bei Filterwechselvorgängen aus.

Inzwischen hat Vogt zwei Schmelzefilter dieser Bauart in Betrieb, einen vom Typ 250, um PS-Regranulate zu produzieren, und einen ERF 200 für die Herstellung von PE-Regranulat. Auf Wunsch des Anwenders wurde die Filterfeinheit von ursprünglich 150 µm auf 120 µm verändert und die Bohrungsgeometrie angepasst. Außerdem wurden Sonderwünsche in Bezug auf die Steuerung und Adaption an die Extrusionslinie berücksichtigt.

„Die Anlage läuft – nach einigen kleinen Änderungen – sehr gut und zuverlässig“, resümiert Jörg Butz die bisherigen Erfahrungen. Zudem seien die Kosten der Filtration je Tonne Durchsatz im ähnlichen Bereich wie bei Einsatz von Filtern anderer Hersteller.

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige

News

Erhöhte Recyclate-Qualitäten

Dank Einsatz eines prozess- und druckkonstanten Schmelzefilters hat die Reno Kunststoffprodukte den Durchsatz ihrer Extrusionslinie zur Herstellung von Compounds und Recyclaten gesteigert. Das nach ISO 9001:2008 zertifizierte Unternehmen hat sich...

mehr...
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Grüne Werkstoffe

Regranulate sicher einsetzen

Recyclierte Werkstoffe lassen sich in vielen Anwendungen ebenso wie Neuware einsetzen – wenn die Qualität sicher stimmt. Vor allem für verschiedenen Spritzgussanwendungen werden die in Thüringen produzierten und unter dem Markennamen Dipolen...

mehr...

TPE-Granulierung

TPE-Regranulierung im Echtbetrieb

TPE-Regranulierung im EchtbetriebAuf der diesjährigen Fakuma war live zu sehen, wie ein weiches TPE effizient regranuliert wird.Mit Vorführung des Thermogranulators TG20 wurde während der Messe gezeigt, wie sich thermoplastische Produktionsabfälle...

mehr...

Newsletter bestellen

Immer auf dem Laufenden mit dem Kunststoff Magazin Newsletter

Aktuelle Unternehmensnachrichten, Produktnews und Innovationen kostenfrei in Ihrer Mailbox.

AGB und Datenschutz gelesen und bestätigt.
Zur Startseite