Energiemanagement-Software im Einsatz

Andreas Mirwald, Energiemanager, BFE Institut für Energie und Umwelt/as,

Alle Datenquellen integriert

Seit 2014 hat die Hübner-Gruppe ein Energie- und Umweltmanagement an allen deutschen Standorten eingeführt und konnte mit der Management-Software von Econ Solutions beispielsweise die Energieeffizienz bei der Druckluft um über 100 Prozent steigern. Jetzt geht es darum, einen längerfristigen Plan zur Dekarbonisierung aufzustellen.
Lastverlaufsbericht © Econ

In zwei Dritteln aller Züge und Busse weltweit stecken Produkte von Hübner, beispielsweise Übergangssysteme, durch die Passagiere sicher die Wagenabschnitte von Bussen, Zügen, Metros, S- und U-Bahnen ebenso wie von der Gangway ins Flugzeug wechseln. Anerkannt ist der Spezialist auch für Lösungen durch Elastomere, Isolations- und Verbundwerkstoffe. Das Unternehmen hat bereits viele Projekte in den Bereichen Energie, Umwelt und Ressourcenmanagement umgesetzt, und die deutschen Standorte sind nach ISO 50001 (Energiemanagement) und ISO 14001 (Umweltmanagement) zertifiziert.

In seinen drei Werken in Kassel erfasst Hübner beim Strom die Lastgänge des Energieversorgers sowie alle Hauptverteilungen, außerdem Gas und Druckluft. Das Monitoringsystem, das Hübner anfangs für sein Energiemanagement nutzte, war jedoch lückenhaft und störanfällig. Deshalb wechselte das Unternehmen zur Energiemanagement-Software Econ4 von Econ Solutions. Sie integriert alle Datenquellen herstellerunabhängig, sodass die vorhandenen Messgeräte einfach weiter genutzt werden können. Neben den Kasseler Standorten werden zurzeit auch die anderen europäischen Standorte an Econ4 angebunden.

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Die Software visualisiert die Messdaten z. B. in Form von Lastgängen mit Zeitvergleichen, ABC-Analysen, Spektralanalysen oder Sankey-Diagrammen sowie als Kosten- und CO2-Berichte. "Anfangs ist es zwar ein gewisser Aufwand, die Berichte zu erstellen, aber dann läuft alles automatisch", erklärt Thomas Meibert, als Senior Consultant Energie- und Dienstleistungsmanagement verantwortlich für das Energiemanagement der gesamten Hübner-Gruppe.

Liegt die Stromaufnahme der Kompressoren über längere Zeit bei null, schickt Econ4 umgehend eine E-Mail an den Sicherheitsdienst. © BFE

Effizienz hochhalten dank Frühwarnsystem

Er bekommt nun regelmäßig einen Bericht mit den für ihn relevanten Analysen, die Fachabteilungen erhalten die für sie interessanten Auswertungen. So geht montagmorgens ein Wochenbericht zur Leckagerate der drei Druckluftzentralen an den Instandhaltungsleiter. Ist die Rate höher als gewöhnlich, kann er zeitnah nach der Ursache suchen und diese beheben. Übersteigt die Leckagerate gar den festgelegten Grenzwert, bekommt er sofort eine Nachricht. Dank dieses Frühwarnsystems konnte Hübner seine Energieeffizienz bei der Druckluft innerhalb von zehn Jahren um über 100 Prozent steigern und die Druckluftkosten trotz Verdopplung der Strompreise und eines deutlichen Produktionszuwachses reduzieren. Ähnlich funktioniert die Überwachung der Kompressoren: Liegt ihre Stromaufnahme über längere Zeit bei null, schickt Econ4 umgehend eine E-Mail an den Sicherheitsdienst.

Kostenersparnisse brachte auch der Abgleich des erfassten Stromverbrauchs mit der Menge des eingekauften Stroms: Als der Energieversorger aufgrund einer hohen Lastspitze eine Nachzahlung von mehreren tausend Euro berechnete, zeigten die Auswertungen von Hübner in diesem Zeitraum keine Lastspitze. Auf Nachfrage räumte der Energieversorger ein, dass ein Messwert gefehlt hatte, für den ein – deutlich zu hoher – Schätzwert eingetragen wurde.

Zusätzlich zur fest installierten Messtechnik nutzt Hübner drei mobile Messgeräte. Damit werden beispielsweise die Großverbraucher temporär überwacht, um Effizienzmaßnahmen ableiten zu können. Dazu gehören die Vulkanisierpressen. Sie liefen früher das ganze Wochenende im Stand-by, damit ihre Heizplatten am Montagmorgen zu Schichtbeginn um 6 Uhr heiß sind. Durch die Messungen weiß man nun, dass die Heizplatten vom ausgeschalteten Zustand vier Stunden benötigen, um die erforderliche Temperatur zu erreichen. Eine Zeitschaltuhr schaltet die Vulkanisierpressen jetzt sonntagnachts um zwei Uhr ein.

Energiemanagement ist Teamwork

Thomas Meibert arbeitet als Verantwortlicher für das Energiemanagement der Unternehmensgruppe eng mit den Standortverantwortlichen in den Niederlassungen vor Ort zusammen. Das Prinzip hat sich bewährt, doch nicht an allen Standorten gleich gut. Denn nicht überall sind die personellen Ressourcen oder das erforderliche Know-how vorhanden – wie das bei vielen Unternehmen der Fall ist. Diese Standorte nutzen das Angebot "Rent an Energy Manager" von BFE Institut für Energie und Umwelt. Die Energiemanager:innen von BFE unterstützen genau dort und in dem Umfang, in dem die Hilfe benötigt wird – seien es Fragen und Aufgaben rund um Energieeffizienzmaßnahmen oder Energieeinkauf, Energie- oder Klimaschutzmanagement.

Die BFE-Energiemanager:innen haben gemeinsam mit Hübner das Energie- und Umweltmanagement an den Standorten aufgebaut und erfolgreich zertifizieren lassen. Seitdem kümmern sie sich darum, die Leistungszahlen für das Energie- und Umweltmanagement nachzuhalten, den Projektplan zu pflegen sowie Formulare und Datenerhebungen auszufüllen. In Zusammenarbeit haben sie zudem eigene Energieziele für den jeweiligen Standort und Maßnahmen für deren Erreichen definiert. Hierfür sind die Energiemanager:innen auch regelmäßig bei Begehungen dabei.

Dekarbonisierung als nächster Schritt

Das nächste große Ziel von Hübner ist die Dekarbonisierung des Unternehmens. Sein Energie- und Umweltmanagement bildet hierfür bereits eine hervorragende Basis. Zudem setzt Hübner als langjähriges Mitglied von B.A.U.M. (Förderkreis des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management) bereits viele Klimaschutzmaßnahmen um, etwa umweltverträgliche Produktionsprozesse und ressourcenschonender Transport bis zu grünen Standorten, z. B. durch PV-Anlagen, Wärmetausch-Systeme oder Regenwassernutzung.

Jetzt geht es darum, ein konkretes Ziel für die Klimaneutralität und entsprechende Maßnahmen zu definieren. Dabei möchte Thomas Meibert verstärkt Förderprogramme nutzen. Um alle Möglichkeiten zu betrachten, zu bewerten und schließlich ein längerfristiges Grob- und Feinkonzept zu entwickeln, setzt Hübner ebenfalls auf BFE.

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