3D-Printing bietet ein neues Geschäftsmodell

Lasersintern im Fabrik-Maßstab

Rapid Manufacturing, 3D-Druck, Lasersintern – die generativen Verfahren haben viele Namen. Während einige Verarbeiter sich inzwischen eine eigene Anlage für den 3D-Druck zugelegt haben, zeigt ein Unternehmen, dass daraus ein ganz neues Geschäftsmodell entstehen kann: Die erste „Fabrik“ mit 25 Laseranlagen bietet den 3D-Druck als industriell organisierte Dienstleistung an.

Das Herzstück der neuen Lasersinter-Fabrik bildet eine Fertigungshalle mit 25 Lasersinteranlagen verschiedener Bauart. (Quelle: FKM, Biedenkopf)

Solides Geschäftsgebaren, vor allem der Blick voraus kennzeichnet den erfolgreichen Mittelständler. Auch Während mancher Theoretiker noch über die Zukunft von 3D-Printing und Additive Manufacturing orakelte, schaffte FKM 2012 mit einer Investitionsentscheidung Fakten. „Wir sahen das Lasersintern schon lange als vollwertiges Produktionsverfahren weit über den Prototypenbau hinaus. Deshalb gab es für uns nur ein sinnvolles Ziel: Die Errichtung einer echten Lasersinter-Fabrik“, sagt Firmenchef Jürgen Blöcher. Nach 15 Monaten Bauzeit wurde das neue Werk im hessischen Biedenkopf in Betrieb genommen und damit die nach Unternehmensangaben erste durchgängig nach industriellen Maßstäben errichtete Fabrik zur Produktion lasergesinterter Bauteile aus Kunststoff und Metall geschaffen.

Für eine Investitionen von über 6 Millionen Euro entstand auf 3000 Quadratmetern Gebäudekomplex samt Fertigungshalle mit 25 Lasersinteranlagen, die – ausgehend von mehreren Silos mit einer zentralen Verteilerstation – über einen geschlossen Kreislauf automatisiert mit Pulvermaterial versorgt werden. Außerdem sind alle vor- und nachgeschalteten mechanischen und oberflächentechnischen Be- und Verarbeitungsprozesse in einer prozessoptimierten Infrastruktur nach industriellen Standards organisiert. Eine flexible Produktionssteuerung managt und überwacht alle Abläufe von der Gütekontrolle des angelieferten Pulvermaterials bis zur Qualitätssicherung der fertigen Sinterteile.

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Mehrere Silos mit einer zentralen Verteilerstation versorgen die Lasersinteranlagen über einen geschlossenen Kreislauf voll automatisiert mit Pulvermaterial. (Quelle: FKM, Biedenkopf)

Hohe Produktivität, maximale Flexibilität
Mit hoher Produktivität fertigen lassen sich in der Lasersinter-Fabrik von neben (Funktions-)Prototypen, Einzel- und Musterstücken ab Losgröße 1 vor allem Serien- und Ersatzteile in mittleren und großen Serien sowie Werkzeugeinsätze. Dabei reicht die Kunststoff-Auswahl von verschiedenen, mitunter hochtemperaturbeständigen Polyamiden über faserverstärkte Verbundmaterialen und aluminiumgefülltes Polyamid 12 bis zu den flexiblen TPU-Varianten sowie dem chemikalien- und hitzefesten PEEK HP3. Bei den Metallen stehen Aluminium, Edel- und Werkzeugstähle sowie Speziallegierungen zur Verfügung.

Entsprechend der Bauräume der Kunststoff-Lasersinteranlagen kann FKM Kleinteile und große Komponenten in fast beliebiger Stückzahl fertigen. Auch die hochflexible Produktion variabler Großserien mit einer Vielzahl wechselnder Farb- und Geometrie-Varianten, wie sie beispielweise bei der Herstellung individualisierter Consumer- und B-t-B-Produkte gefordert ist, wird angeboten.

Die Symbolkraft des neuen FKM-Produktionswerks in Biedenkopf ist nicht zu unterschätzen. Denn erstmals in der Geschichte der Schichtbauverfahren wird damit die lange als Zukunftsvision gehandelte Idee des Additive Manufacturing konsequent in die Tat umgesetzt. Insofern markiert die Inbetriebnahme der Lasersinter-Fabrik auch den Wandel der 3D-Printing-Branche von der handwerklich geprägten Produktion zur prozessorientierten Fertigung im industriellen Maßstab.

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