Flammbeständige und robuste Werkstoffe gefragt

Sicher um die Welt

Bodenbeläge, die in Langstreckenflugzeugen zum Einsatz kommen sollen, müssen - unter anderem aus Sicherheitsgründen - eine Vielzahl strenger Auflagen erfüllen. Das gilt naturgemäß besonders für Produkte, die in den Küchen dieser Luftfahrzeuge verlegt werden. Die Ingenieure von Metzeler Technical Rubber Systems in Edingen-Neckarhausen haben mit ihren neuen Duroflex- bzw. Durofloor-Bodenbelägen nun innovative und langlebige Alternativen zu den bislang häufig verwendeten Silikon-Belägen entwickelt.

Die neuen, laut Hersteller gut verklebbaren und rutschfesten Produkte zeichnen sich zum Beispiel durch gute Abrieb- und Brandschutz-Eigenschaften aus und basieren unter anderem auf dem halogenfreien, hochfüllbaren Gummirohstoff Levapren des Synthesekautschuk-Herstellers Lanxess.

Die Küchen großer Flugzeuge sind zwar sehr kompakt, aber schon im Airbus A320 kommen weisen die Küchenbereiche insgesamt rund 24 Quadratmeter Bodenfläche auf, in großen Maschinen wie Boeing 747 oder Airbus A380 können es über 100 Quadratmeter sein. Es liegt auf der Hand, dass diese Einrichtungen schon durch das bloße Vorhandensein elektrischer Geräte wie Mikrowellen und Kaffeeautomaten sowie einer Vielzahl auf engstem Raum verlegter elektrischer Leitungen besonders gegen Brandgefahren gewappnet sein müssen. Hinzu kommen weitere Anforderungen, etwa an geringen Abrieb, niedrige Anschmutzbarkeit beispielsweise durch Rotwein sowie gute Haftung auf dem Untergrund, um Stolperfallen zu vermeiden. Auch muss die schnelle und problemlose Montage sichergestellt sein.

Die Fluggesellschaften halten daher ein strenges Pflichtenheft vor, in dem zum Beispiel das Bestehen strenger Flammtests gefordert wird; oft auf Basis der FAR 25853, der amerikanischen Federal Aviation Administration FAA, die auch Vorgaben hinsichtlich Rutschfestigkeit enthält. Diese ergänzen die OEMs oft noch durch eigene Spezifikationen im Blick auf Dimensionsbeständigkeit, Welligkeit und Abrasion. In Impact-Tests etwa wird geprüft, wie stark fallende Gegenstände einen Bodenbelag in Mitleidenschaft ziehen. Wichtig ist auch, dass die Zugfestigkeit des Werkstoffs ausreicht, um ein Einreißen des Materials beim Verlegen zu verhindern. Darüber dürfen die Werkstoffe bei verringertem Kabinendruck keine Blasen werfen.

Bislang wurden die wichtigsten Anforderungen oft durch flexible Beläge oder starre Laminate mit einem Top-Layer aus Silikon-Kautschuk gemeistert. Diese haben aber oft den Nachteil einer geringen Shore-Härte, die zu einer vergleichsweise schnellen Abnutzung führt und die Böden empfindlich macht, zum Beispiel gegen herabfallende, scharfe Gegenstände. Auch wirtschaftlich waren sie für viele Kostenrechner nicht immer erste Wahl. "Wir haben uns daher schon 2002 auf die Suche nach Material-Alternativen gemacht und viel Entwicklungsarbeit in das Projekt gesteckt", erklärt Joachim Bormuth, bei Metzeler unter anderem für den Bereich Quality Management verantwortlich. Schließlich fiel die Wahl auf eine spezielle Variante des EVM-Synthesekautschuks Levapren.

Der Kautschuk enthalte keine Halogene, könne im Brandfall also keine ätzenden Salzsäure-haltigen Gase abgeben; Rettungs-Einrichtungen bleiben damit länger intakt, Menschenleben und Material werden geschont. Levapren verbrenne zudem mit einer geringen Rauchgasdichte, lasse im Fall des Falles also den Blick auf Fluchtwege länger frei. Damit es aber gar nicht erst soweit komme, lasse sich der Werkstoff mit großen Mengen flammhemmender, anorganischer Füllstoffe ausrüsten und bleibe dabei dennoch gut zu verarbeiten.

Da sich die Metzeler-Ingenieure für eine relativ polare Variante des in vielen Polaritäten angebotenen Werkstoffs entschieden haben, sind in der Regel auch oberflächliche Verschmutzungen durch Öle und andere Lebensmittel leicht zu entfernen, selbst aggressive Reinigungsmittel können dem Werkstoff demnach wenig anhaben. Auch den luftfahrttypischen Anforderungen an eine geringe Werkstoffdichte werde das Material trotz seiner hohen Füllung gerecht. Darüber hinaus punkte der Gummirohstoff mit guter Verklebbarkeit. Damit lassen sich die flexiblen Metzeler-Duroflex-Böden sicher und dauerhaft verlegen die starreren Durofloor-Laminate günstig produzieren. Verarbeitet wird der Werkstoff bei Metzeler in einem Auma genannten Spezialkalander, in dem das Material in einem Schritt vulkanisiert wird.

Seine Feuertaufe hat Levapren in den Duroflex- bzw. Durofloor-Bodenbelägen bereits absolviert: Seit rund eineinhalb Jahren seien sie bereits in zwei Maschinen einer renommierten Fluggesellschaft unterwegs. Der Boden sehe nach dieser Belastungsprobe deutlich besser aus als viele Silicon-Produkte.

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