Folienextrusion

Meinolf Droege,

Frühjahrsputz am Blaskopf

Die Nachfrage nach Folien ist in der Pharmabranche groß – zumal in Pandemiezeiten. Viele kunststoffverarbeitende Unternehmen produzieren rund um die Uhr, so auch die deutsche Polycine. Der Hersteller pharmazeutischer Verpackungen liefert vor allem PP-basierte, flexible Nicht-PVC-Verpackungsartikel. Die erforderliche Qualität erfordert in diesem 24/7 produzierenden Unternehmen saubere, regelmäßig rückstandsfrei gereinigte Anlagenkomponenten. Für die Reinigung der Folienblasköpfe und Schlauchblasköpfe nutzt Polycine thermische Reinigungsverfahren im Dienstleistungssystem.

Saubere Kanäle sichern ein gleichbleibendes Fließverhalten der Schmelze und vermeiden Kreuzkontamination durch Fremdmaterial. © Schwing

Im saarländischen Schiffweiler Produziert Polycine laut eigener Angaben überwiegend für den Medizin- und Pharmabereich. Dazu zählen Dreischicht APP-Folien und -Schläuche, die in der Medizintechnik als Primärverpackungen eingesetzt werden. Produziert wird demnach überwiegend in Reinraumumgebung und nach GMP-Standards. Das Qualitätssicherungssystem erfülle die Anforderungen der ISO 9001

Unzerlegter Blaskopf mit Polyolefinresten vor der thermischen Reinigung in einer automatischen Vakuumpyrolyse-Anlage. © Schwing

Um das erforderliche Qualitätsniveau zu sichern, nutzt das Unternehmen bei der Reinigung seiner Folien- und Schlauchblasköpfe die thermische Reinigung in einer Vakuumpyrolyse-Anlage. Diese Technik von Schwing soll anhaftende Polyolefine rückstandslos entfernen. Das Ergebnis seien saubere Kanäle mit gleichbleibendem Fließverhalten der Schmelze, Kontamination durch Fremdmaterial werden vermieden. Als Vorteil gegenüber mechanischen Reinigungsverfahren, dem Einsatz von Reinigungsgranulat oder Brennern nennt das Unternehmen vor allem die Möglichkeit, den Folienblaskopf unzerlegt reinigen und anschließend mit geringerem Aufwand und ohne Beschädigung zerlegen zu können.

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Routinierter Reinigungsprozess

Blaskopf nach der thermischen Reinigung – dazu wird der Blaskopf erhitzt, der Kunststoff durch Pyrolyse zersetzt und unter sukzessiver Zugabe von Sauerstoff oxidiert. © Schwing

Sechs Folien- und zwei Schlauchblasköpfe sind im Unternehmen regelmäßig im Einsatz. Wie häufig sie gereinigt werden, hängt von den Produktionsaufträgen ab. Umso attraktiver sei der flexibel nutzbare Reinigungsservice von und mit Schwing. Innerhalb von zwei bis drei Tagen kann Polycine die Teile wieder in den Produktionsprozess zurückführen. Kosten durch Wartung, Anlagenstillstand und Produktionsausfall reduzierten sich so. Wann es Zeit für eine Reinigung ist, legen der Technische Leiter Gert Klemann und sein Team zuvor anhand von Materialqualität, Fließverhalten und Materialanalysen fest.

Nach der Reinigung lassen sich die Komponenten des Blaskopfs einfach und beschädigungsfrei demontieren. © Schwing

„Der Folienblaskopf wird in unserem Werk demontiert, versandfertig hergerichtet und von Schwing abgeholt. Nach der Reinigung in der Pyrolyse, der Zerlegung und der Nachbearbeitung wird der Folienblaskopf wieder zusammengebaut und zurücktransportiert“, erklärt er. Im Anschluss an die äußerliche Kontrolle überprüft das Polycine-Team die Schrauben auf ihr Drehmoment und montiert den Folienblaskopf wieder in die Produktionsanlage. Dann wird der Folienblaskopf mit reinem Material gespült und die Schmelze auf Reinheit und Fremdmaterial untersucht. Ist alles in Ordnung, geht die Anlage in Produktion. „Die regelmäßige Reinigung schützt vor Produktionsausfällen und erhöht die Produktivität – das rechnet sich für uns“, ist Gert Klemann überzeugt.

Funktionsprinzip Vakuumpyrolyse

Blasköpfe bis 1,7 Meter Durchmesser und 12 Tonnen Gewicht lassen sich in der Vacuclean-Anlage behandeln. © Schwing

Bei der thermischen Reinigung mit einem Vakuumpyrolyse-System wird der mehrschichtige Blaskopf im montierten Zustand in eine Reinigungsanlage des Typs Vacuclean eingefahren. Möglich ist die Bearbeitung der Köpfe bis 1,70 Meter Durchmesser und 12 Tonnen Gewicht. Zunächst werden die verbliebenen Kunststoffe im Inneren des Blaskopfs unter Vakuum schonend abgeschmolzen. In der zweiten Reinigungsphase werden Reste des noch anhaftenden Kunststoffs bis etwa 450 Grad Celsius erhitzt. In einem automatischen und elektronisch dokumentierten Pyrolyseprozess wird der Kunststoff zersetzt und unter sukzessiver Zugabe von Sauerstoff oxidiert. Mit Hilfe einer Sensorik wird der Reinigungsprozess gesteuert, sodass keine Übertemperaturen entstehen. Anorganische Reststoffe können in einer Nachbehandlung, beispielsweise mit Druckluft, leicht entfernt werden.

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