Monofilamentanlagen

800 Millionen für einen Fußballplatz

Kunstrasen für Frauen WM entstand auf deutschen Maschinen. Ziemlich genau 800 Millionen „Grashalme“ bilden je ein Spielfeld der Frauen-Fußball-WM in Kanada. Das jedenfalls sagt Detlef Kolb, Geschäftsleiter Vertrieb der Reimotec Maschinenbau - er hat sie nicht gezählt sondern die Zahl errechnet.

Extrusionsprozess der Endlosfäden zur Herstellung von Kunstrasen in Monofilamentanlagen. (Bild: Reimotec)

Fußballfan ist Detlef Kolb ohnehin. Sein berufliches Interesse gilt jedoch vor allem den Grundlagen des Fußballs und anderer Sportarten – dem „Rasen“. Da die reinen Hallenstadien, wie teils auch in Kanada zur WM, wegen der Überdachung nicht mit Naturrasen ausgestattet werden können, bildet Kunstrasen auch dort die Alternative. Zwar ist die Bespielbarkeit von Kunstrasen besonders dann eine andere, wenn die Spieler gewohnt sind, auf „echtem“ Rasen zu spielen, in vielen Ländern lässt sich aufgrund der klimatischen Bedingungen nicht möglich, Naturrasen-Plätze anzulegen und entsprechend zu pflegen oder zu bewirtschaften. Zudem erreiche die Haltbarkeit von Kunstrasen mit 7 bis 15 Jahren auch bei starker Beanspruchung etwa die dreifache von Naturrasen. Zudem benötigt die künstliche Variante keine Regenerationsphasen. Auch in Deutschland und Europa gehen immer mehr Vereine und Veranstalter dazu über, ihre Sportarten auf Kunstrasenplätzen auszutragen.

Grüne Welle
Ausgetragen werden dazu auch die Diskussionen über die qualitativen Unterschiede zwischen dem Kunststoffprodukt und der echten Natur. Allerdings sei die Diskussion über Pro und Kontra für Anlagenhersteller Reimotec ohnehin „gelaufen“, wie Detlef Kolb erklärt. „Derzeit werden weltweit so viele Sportplätze wie nie zuvor mit Kunstrasen ausgestattet. In Europa waren es allein im Jahr 2014 mehr als 4000.“ Auch in Deutschland steige die Zahl deutlich, denn viele Kommunen und Vereine – auch in der Bundesliga – schätzen die Vorteile des extrudierten Materials. So habe sich Bundestrainer Jogi Löw klar dahingehend positioniert, dass technisch versierte Spieler auf Kunstrasen deutlich im Vorteil sind. Und bei den kommenden Groß-Turnieren wie in Katar sei es gar nicht möglich, auf Naturrasen zu spielen, weil der unter den dortigen klimatischen Bedingungen nicht oder nur mit ungeheurem Aufwand und nur über eine nur kurze Periode bespielfähig gehalten werden können. Zudem biete Kunstrasen deutliche Kostenvorteile nicht nur durch die Lebensdauer.

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Monofilamente den für Kunstrasenplätze benötigten hochwertigen Eigenschaften.

Kosten im grünen Bereich
In der Tat ist der Pflegeaufwand für das Naturprodukt hoch: So geben Bundesliga-Vereine nach Unternehmensangaben die jährlichen Kosten dafür pro Platz etwa eine Millionen Euro an. Die Kosten für das Anlegen eines Kunstrasenplatzes liegen demgegenüber derzeit bei etwa 500.000 Euro. Die regelmäßigen Pflegekosten sind vergleichsweise niedrig. Das rechne sich nicht nur, sondern markiere auch weitgehend die Zukunft des internationalen Sports, so er auf Rasen ausgetragen wird. Die Entwicklung gehe hier nicht nur in neue Mengendimensionen, sondern dank ständiger Verbesserungen in Richtung besserer und „echtrasen-näherer“ Qualität. Detlef Kolb: „Auch unsere Technik wird immer besser, immer feiner und immer enger an den Erfahrungen und Erwartungen des Sporttreibenden ausgerichtet. Wir entwickeln diese Technologie gezielt weiter, auch weil unsere internationalen Partner, die bei uns die Maschinen zur Herstellung der Monofilamente für Kunstrasen bestellen, immer weiter voranschreiten und große Aufgaben zu stemmen haben.“

Die Greenkeeper
Sicherlich bedeutet das eine leichte Umstellung auf andere Gegebenheiten, aber klar ist auch, dass es ohne Kunstrasen viele Sportarten in vielen Ländern kaum geben könnte. Die Maschinen, auf denen zwei amerikanische Unternehmen den Kunstrasen für die kanadischen Stadien produzierten, stammen aus Lampertheim in Deutschland.

Zufrieden ist Detlef Kolb auch mit dem Ergebnis der Frauenfußball WM In Kanada: „Leider haben unsere Damen zwar nur Platz 4 geschafft; aber wer sich das Endspiel Japan gegen die USA angesehen hat, konnte feststellen, wie gut der Rasen mitgespielt hat. Das 46 Meter-Tor von Carli Lloyd allein war schon eine Sensation. Und alle sagen, dass sich auf Kunstrasen gut und schnell spielen lässt. Wir gehen in die nächste Runde.“

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