Roth Blasformanlage in USA

Hydrospeicher für Dynamik und Leistung beim Blasformen

In der Entwicklung einer neuen Großblasanlage für Kunststoffprodukte an seinem Produktionsstandort in Watertown, USA, nutzte das Roth Familienunternehmen spartenübergreifende Synergien.

Blasformanlage mit Zusatzaggregaten zur Fertigung von Kunststoffprodukten bei Roth USA in Watertown. © Roth Industries GmbH & Co. KG

Das Projekt bündelt die Kompetenzen des Herstellers in der Hydraulik und der Kunststoffverarbeitung. Das Hydrospeicherkonzept ermöglicht eine hohe Dynamik der Anlagenbewegungen, große Leistungsreserven sowie enorme Energieeinsparungen zum Schutz der Ressourcen.

Roth verfügt über jahrzehntelange Erfahrung bei der Fertigung von Produkten im Blasformverfahren und lässt dieses Know-how in die Maschinenentwicklung einfließen. Die Blasanlage mit einem Gewicht von rund 125 Tonnen und rund 3000 Kilonewton Schließkraft enthält drei Extruder. Für verschiedene Hydraulikanwendungen im Produktionsprozess ist die Produktionsanlage mit drei sensorgesteuerten Kolbenspeicheranlagen von Roth Hydraulics ausgestattet. Hydraulische Energie ist dabei nötig für das Öffnen und Schließen der Düsen, für die Extrusion des Kunststoffschlauchs sowie für alle Bewegungen der Blasformanlage. Die Hydraulik erlaubt die Bewegungen der Platten, der zweiteiligen Form, der Blasdorne und Blasnadeln für den Lufteinlass, das Verschließen der Form während des Blasformens sowie die Wanddickensteuerung des Kunststoffs.

Die Bewegung jeder Formhälfte ist separat regelbar. Dies ermöglicht synchrone und asynchrone Bewegungen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Zylinder mit Verriegelungsvorrichtungen an den vier Ecken der jeweiligen Formhälfte steuern die Schließkraft. Klemmzylinder unterstützen das finale sowie passgenaue Schließen der Form und halten dem Blasdruck bis 6 bar Stand. Die 15 Tonnen schwere Form (7,5 Tonnen per Hälfte) bietet eine maximale Öffnung von drei Metern bei einer Öffnungsgeschwindigkeit von 300 Millimetern pro Sekunde. Der Arbeitsdruck der Kolbenspeicheranlage beträgt 180 bar, der maximale Druck 210 bar. Den Schließvorgang der beiden Formhälften sowie die Ausgabe des Kunststoffschlauchs in die Blasform steuern Proportionalventile.

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John Pezzi, Betriebsleiter bei Roth USA, erklärte: „Dank der Kolbenspeicheranlagen konnten wir die hydraulische elektrische Anschlussleistung um rund 75 Prozent kleiner auslegen. Das betrifft die Pumpen-, Motoren- und Wärmetauscherleistungen. Der minimierte Energieverbrauch führt zu einer besseren Umweltbilanz und hilft, die Ressourcen zu schonen.“

Maßgeschneiderte Kolbenspeicheranlagen

Die Kolbenspeicher von Roth Hydraulics für Maschinen und Anlagen sind in Größen von 0,1 bis 1500 Liter erhältlich. Standardanlagen gibt es mit 350 bar maximalem Betriebsdruck und Sonderausführungen bis 1200 bar, der Vorspanndruck ist variabel. Sie kommen zum Einsatz, wenn hohe Entnahmevolumen und Entnahmeleistungen nötig sind. Je nach Einsatzgebiet sind deutliche Kapazitätssteigerungen durch nachgeschaltete Gasbehälter möglich. Auch kompakte, anschlussfertige Großanlagen mit einem Gesamtvolumen weit über 100 Kubikmeter sind realisierbar – durch Kopplung von Kolbenspeichern und nachgeschalteten Gasbehältern in beliebiger Zahl. Die Speichersysteme sind für Temperaturen von -10 bis 80 Grad Celsius geeignet, optional gibt es sie für Extremtemperaturen ab -60 und bis 200 Grad Celsius. Fluidanschlüsse und Dichtungssysteme der Kolbenspeicher werden individuell nach Kundenanforderung konzipiert. Ein schlagartiger Gasverlust zur Fluidseite ist laut Hersteller nicht möglich. Reibungsminimierte Dichtungssysteme sollen einen hohen Wirkungsgrad sowie den effizienten Betrieb gewährleisten. Zusatzoptionen, wie eine eingebaute Hubbegrenzung oder eine große Auswahl an Mess- und Überwachungseinrichtungen, geben Aufschluss über den Betriebszustand sowie den Energieinhalt. Die Einbaulage der Kolbenspeicher ist beliebig möglich.

Druckbehälteranlage mit kundenspezifischem Verschraubungssystem © Roth Industries GmbH & Co. KG

Mit der neuen Großblasanlage verfügt Roth weltweit über fünf Produktionsstandorte, an denen Kunststoffprodukte im Blasformverfahren entstehen. Sie alle sind mit Kolbenspeicheranlagen von Roth Hydraulics ausgestattet. Neben den beiden deutschen Fertigungsstätten in Dautphetal-Buchenau und Bischofswerda, gibt es eine weitere im spanischen Tudela und zwei in den USA. Diese sind in Watertown und Syracuse. Der Hersteller verfügt nach eigenen Angaben über die weltweit größten Blasformanlagen. Mit ihnen fertigt Roth Behälter bis 10.000 Liter Fassungsvermögen.

Matthias Donges, Chief Executive Officer (CEO) der Roth Industries, hob hervor: „Die neue Blasformanlage in den USA ist ein schönes Beispiel für die Synergienutzung quer durch die Sparten unseres Familienunternehmens. Unsere Expertisen in der Hydraulik, der Kunststoffverarbeitung und im Maschinenbau ermöglichten eine moderne und hocheffiziente Fertigungseinrichtung.“

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