Frank Mumme vom Kunststoff-Institut

Annina Schopen,

Auftragsforschung schafft Wettbewerbsvorteile

Für Frank Mumme, Geschäftsführer der Gemeinnützigen KIMW Forschungs-GmbH, sind Innovationen der Schlüssel zur effektiven Produktivität. Mit Kreativität allein könne kein Unternehmen Gewinne erzielen.

Frank Mumme, Geschäftsführer der Gemeinnützigen KIMW Forschungs-GmbH © KIMW

Forschung und Entwicklung werden am Industriestandort Deutschland nach wie vor noch sehr stiefmütterlich behandelt. Das gilt insbesondere für Unternehmen in der Kunststoffverarbeitung. Für Frank Mumme, Geschäftsführer der Gemeinnützigen KIMW Forschungs-GmbH, sind Innovationen der Schlüssel zur effektiven Produktivität. Mit Kreativität allein könne kein Unternehmen Gewinne erzielen.

Herr Mumme, Forschung ist nicht gleich Forschung. Was unterscheidet die Eigenforschung von der Auftragsforschung in ihrem Hause?
Die Eigenforschung, wird aus unserer Entwicklungs-Road-Map heraus entwickelt. Für sämtliche Fachbereiche haben wir entsprechende Themen auf der Agenda, an denen wir arbeiten und Ideen entwickeln. Nicht selten münden diese Themen dann in einem neuen Forschungsprojekt. Hier unterscheiden wir dann noch darin, ob diese Forschung mit externen Partnern entwickelt werden oder wir das im Institut als eigenes Thema zu entwickeln, um es vielleicht später als Dienstleistung verkaufen zu können – also Eigenforschung.

Was war denn in der Vergangenheit ein Beispiel für die Eigenforschung?
Eine großes Spektrum bilden wir im Bereich der Oberflächentechnik ab. Hier haben wir bereits spezielle Beschichtungsprozesse entwickelt. Daraus resultierte, dass wir damit im Markt ein Alleinstellungsmerkmal haben, z.B. für die 3D-Fähigkeit von den Beschichtungen. Das Know-how haben wir uns dabei im Grundsatz über Förderprojekte erarbeiten können. Bis zu dem Status, dass eine Technologie grundsätzlich Relevanz in der Praxis erlangen kann. Und für bestimmte Fragestellungen, wo dann auch ein Kunde bereit ist, sich entsprechend zu engagieren, sind wir dann bereit, tiefer in die Thematik einzusteigen. Das sind dann kundenspezifische Prozessentwicklungen, die dem Kunden in seiner Arbeit durch eine Innovation deutliche Wettbewerbsvorteile verschaffen. Das kann für eine spezielle Branche oder eine bestimmte Applikation erfolgen.

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Sind diese Angebote für den Kunden kostenlos?
Nein, dafür muss der Kunde bezahlen, weil es sich hier nicht um ein staatlich gefördertes Projekt handelt. Je nach Bundesland gibt es aber auch sogenannte Innovationsgutscheine, mit denen solche Forschungsprojekte dann unterstützt werden können. Hier unterstützen wir vom Institut aber die Kunden hinsichtlich Beratung und Beantragung von Fördermitteln.

Mit Innolab hat das Kunststoff-Institut eine Plattform geschaffen, über die für Unternehmen nach Fördermitteln gesucht und diese anschließend auch in der Abwicklung begleitet werden. Erfolgt für den Kunden diese Vorabprüfung automatisch?
Wir prüfen grundsätzlich erst einmal den Anspruch der eigentlichen Idee des Unternehmens. Handelt es sich dabei tatsächlich unter den geforderten Rahmenbedingungen, die der Fördergeldgeber vorgibt, um eine Innovation und wie man sich diese in der Folge dann fördern lassen kann. Es kann aber auch das Interesse beim Unternehmen ganz anders gelagert sein. Zum Beispiel dann, wenn das Unternehmen die Idee ganz exklusiv nutzen möchte.

Ist das Thema Auftragsforschung auf spezielle Themen begrenzt
Allgemein sind wir mit Angeboten für die Prozess- und Werkzeugtechnologie sowie der Material- und Prozessentwicklung sehr breit aufgestellt. Speziell in der Oberflächentechnik sind wir aber am weitesten mit der Entwicklung eigenen Know-hows.Zum einen können wir jeweils die Prozesse entwickeln. Zum anderen haben wir noch den Baustein der Analytik. An dieser Stelle haben wir als Institut über unser Projekt Intrasurf viel investiert. Dementsprechend haben wir einige Großgeräte angeschafft. Hier können wir Dritten anbieten, keine Prozesse oder eine Beschichtung zu entwickeln, sondern bereits beschichtete Bauteiloberflächen als Dienstleistung von uns untersuchen zu lassen. Das wäre dann eine reine Auftragsforschung.

Gibt es aus der jüngeren Vergangenheit Beispiele, wo Unternehmen durch ihre Forschung effektive Kostenvorteile für seine Prozesse generieren konnte?
Grundsätzlich kann man zu Beginn eines Forschungsauftrages die Frage nach den Kosteneffekten in der Regel nicht beantworten. Der Nutzen der Forschung und der daraus resultierenden und entwickelten Anwendung kann erst im Verlaufe eines Projektes abgesehen werden. Wenn beispielsweise eine Werkzeugbeschichtung funktioniert, können in der Folge erhebliche Kosten eingespart werden, weil sich die Standzeiten des Werkzeuges um ein Vielfaches steigern werden. Kosten für eine deutlich aufwendigere Inbetriebnahme des Werkzeuges, der Verschleiß am Werkzeug und natürlich dann auch die Kosten für Wartung und Instandsetzung werden signifikant gesenkt. Aus Erfahrung wissen wir, dass sich nach Abzug der Kosten für unsere Dienstleitung erhebliche Ausgaben, je nach Anzahl der Werkzeuge, einsparen lassen. Einsparpotenziale von sechsstelligen Euro-Beträgen sind dann keine Seltenheit. Investitionen amortisieren sich für den Anwender sehr schnell. Die freiwerdenden Kapazitäten in der Fertigung habe ich dann dieser Stelle noch gar nicht berücksichtigt.

Lohnt sich denn überhaupt eine spezieller Verschleißschutz für nur ein Werkzeug?
Ideal ist es, wenn es eine ganze Reihe von Werkzeugen betrifft, die sich durch eine gleiche Fertigungsproblematik auszeichnen. Die Investition muss im Vorfeld immer betriebswirtschaftlich betrachtet werden. Unser Alleinstellungsmerkmal im Markt ist die Möglichkeit, dass wir Schichten in sehr komplexe und aufwändige Geometrien einbringen können. Daran scheitern alle Verfahren, die aktuell im Markt bekannt sind.

Also bildlich gesprochen, ein Maßanzug statt Konfektionsware?
Genau. Und dieser Maßanzug für das Werkzeug kann dann über Jahre getragen werden und leistet wertvolle Dienste in der Produktion.

Wenn also ein Kunststoffverarbeiter eine Idee hat, sollte er aus Ihrer Sicht immer Kontakt zum Institut suchen?
Ein Anruf lohnt sich diesbezüglich immer. Technische Herausforderungen schaffen gleichzeitig Möglichkeiten für Innovationen. Spätestens dann kommen wir ins Spiel.

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