Prüfen von Elektroden- und Bauteilkontur integriert

Formenbau: Digitalisierung weiter treiben

CAD-CAM-Technologien und Datendurchgängigkeit in die NC-Programmierung gehören für die meisten Formenbauer inzwischen zum Alltag. das Unternehmen Fassnacht, in Bobingen bei Augsburg ansässiger Hersteller von Spritzgießwerkzeugen, hat nun auch eine Fräs- und Senkerodierzelle ‚Chameleon‘ in seine 3D-Prozesse integriert. Hier können sogar Elektroden- und Bauteilkontur automatisch geprüft werden.

Pro Jahr durchlaufen etwa 50 bis 60 Spritzgießwerkzeuge die Fertigung bei Fassnacht, davon etwa 40 Prozent 2K-Werkzeuge. Die Kunden kommen aus unterschiedlichen Branchen. © (Bild: Mecadat)

Hightech bedeutet für Unternehmenseigner Wolfgang Faßnacht nicht nur mit modernem Maschinenequipment bis in den Mikrometer-Bereich zu fertigen, sondern auch das Thema Automatisierung voran zu treiben. Das betrifft beispielsweise einen Roboter, der auf siebeneinhalb Meter langen Schienen einer Fertigungszelle verfährt. Etwa 5000 Grafitelektroden produziert diese Anlage – eine Chameleon von Zimmer und Kreim – rund um die Uhr. Hier wird automatisch gefräst, vermessen, zwischengelagert und in zwei Erodiermaschinen eingewechselt. „Entscheidend war, dass die Automatisierungslösung nahtlos in die vorhandene CAD-CAM-Struktur eingebunden ist – das haben wir umgesetzt“, unterstreicht Firmenchef Wolfgang Faßnacht.

In Sachen CAD-CAM arbeitet man in Bobingen ausschließlich mit der 3D-Branchenlösung Visi. Fassnacht bildet darin seinen gesamten Workflow ab, angefangen von der Angebotsphase über die Konstruktion bis zu den NC-Programmen für die Fräs- und Erodiermaschinen. Visi kommt bei den Schwaben bereits seit dem Jahrtausendwechsel zum Einsatz. Partner ist der Visi-Distributor für den deutschsprachigen Raum Mecadat.

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Heute ist die Software in Bobingen mit diversen Modulen an insgesamt zwölf Arbeitsplätzen installiert. Hinzu kommen drei Lizenzen für den Viewer. Ein fünfköpfiges Team ist mit den speziell für den Kunststoffbereich ausgelegten Modulen wie Mould, Split und Analyse oder der Bauteilbibliothek ausschließlich für die Werkzeugkonstruktionen zuständig. Firmenphilosophie ist schon seit vielen Jahren, dass nur die formgebenden Bereiche wie Kavitäten, Kerne oder Auswerfer selbst gefertigt werden. Alles andere bezieht man von großen Zulieferern wie Meusburger oder Knarr, was auch den gesamten Formaufbau einschließlich der fertig bearbeiteten Platten einschließt.

Nicht zuletzt das über alle Module durchgängige und einfache Bedienkonzept habe bei den Schwaben dazu beigetragen, dass die grundsätzlich auch an den Maschinen arbeitenden NC-Programmierer die Elektroden zum Großteil selber konstruieren. Den CAM-Bereich verantworten in Bobingen acht Mitarbeiter. VisiI beliefert dabei die drei 5-achsigen Fräszentren sowie die beiden Drahterodiermaschinen mit den benötigten NC-Daten. Die Chameleon-Fertigungszelle ist besonders eng eingebunden, wobei dem Modul Elektrode eine besondere Bedeutung zukommt: Es versorgt die hier integrierte 5-achsige Röders mit Fräsprogrammen, zudem beziehen die beiden Senkerodiermaschinen Genius 1000 alle relevanten Informationen für den Erodierprozess über Visi-Elektrode – und die Messsoftware Calypso des Zeiss-Koordinatenmessgeräts beschickt Visi mit Versatzdaten sowie den Daten zur Qualitätssicherung.

Am Anfang des CAM-Workflows für den Senkerodierbereich steht die Elektrodenkonstruktion. Hier verfolgten die Schwaben das Ziel, dass nicht nur das Elektrodenfräsen und das Erodieren komplett automatisch ablaufen, sondern auch die Elektrodenkonstruktion. Dies ist mit dem Softwarebaustein Elektrode auch weitgehend möglich, sofern es sich um Standardelektroden mit einfachen Konturen handelt. Wenn jedoch Verrundungen und komplexere Geometrien ins Spiel kommen, werden die Elektroden von Hand konstruiert. Dies gehe im System mittlerweile dermaßen einfach und schnell, dass der Mehraufwand kaum ins Gewicht falle. Gut sei außerdem, dass das System über die Elektrodenkonstruktion hinaus auch die Verwaltung der nachgelagerten Prozesse deutlich vereinfache.

Die Lösung habe sich Fassnacht bewährt. Zumal die erweiterte Automatisierungslösung Vorteile biete. „Wir sind nicht nur deutlich schneller, sondern auch genauer geworden. Genauso wichtig ist aber, dass wir hinsichtlich Durchlaufzeit und Qualität ebenfalls ein gutes Stück vorangekommen sind“, fasst Wolfgang Faßnacht zusammen.

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