Spritzgießsimulation

Software Schritt für Schritt mehr Simulation im Formenbau

Die Weiterentwicklung von Maschinen ist bei den Herstellern moderner und komplexer Werkzeuge meist gleichzeitig der Taktgeber für den technologischen Fortschritt. Was wie schnell, zu welchem Preis und in welcher Qualität gefertigt wird ist allerdings zunehmend abhängig von den genutzten Softwarelösungen. Auf diese Entwicklung reagiert Formenbauer Wiegelmann mit regelmäßigen Investitionen in den Maschinenpark – sprich die Hardware – und in die Software.

Das Geschäft hat sich stark verändert, Simulationen gehören mittlerweile zum Standard bei der Neuauslegung von komplexen Serienwerkzeugen. © Simcon

Gefertigt werden schwerpunktmäßig komplexe Serienwerkzeuge für die Automotive-Industrie. 6,5 Tonnen bringen die größten Exemplare von Wiegelmann auf die Waage und weisen Maße von 1100 x 1200 Millimeter auf. Seit 2012 nutzt der Formenbauer die Software Cadmould von Simcon zur Spritzgießsimulation. „Unser Geschäft hat sich in den Jahren stark verändert“, resümiert Prokuristin Melanie Wiegelmann. Entsprechend sei in neue Softwaremodule investiert, um die aktuellen Möglichkeiten der Simulation voll auszuschöpfen zu können.

„Das Berechnen von Nachdruck und Verzug des Bauteils zählt bei uns mittlerweile schon zum Standard bei der Neuauslegung von komplexen Serienwerkzeugen“, erklärt Werkzeugmachermeisters Frank Leismann. Im Januar wurde das Softwarepaket abermals aufgestockt. „Jetzt sind wir in der Lage, auch Kaskaden-Werkzeuge zu simulieren.“ Notwendig wurde das neue Softwaremodul für die Herstellung eines Werkzeugs zum Spritzen von Tankgehäusen in Serienfahrzeugen. „Die Herausforderung bestand darin, vier unterschiedliche Anspritzpunkte im Simulationsprozess zu ermitteln, die zu unterschiedlichen und definierten Zeitpunkten das Material in das Werkzeug einspritzen“, erläuterte Frank Leismann den konstruktiven Ansatz. Das Bauteil darf in der Serienproduktion beim Kunden keine Bindenähte mehr aufweisen – so lauteten die Vorgaben. Der Verzug sollte über den Simulationsprozess optimiert und die Bauteilqualität durch hohe Maßhaltigkeit verifiziert werden.

Anzeige

Der Kunde lieferte mit Beginn des Projekts die Artikeldaten. Diese wurden in Cadmould eingelesen. Mit Hilfe der Software wurde die Positionierung der Düsen grob festgelegt. In mehreren Simulationen wurde anschließend geprüft, welche Lösung im Produktionsalltag auch tatsächlich funktionieren wird. Für Frank Leismann liegt hier auch der große Vorteil des Simulierens am Rechner: „Wenn ich Probleme im Simulationsprozess ermittle, bevor ich den Stahl für das Werkzeug bestellt habe, kann ich sehr kostengünstig konstruktive Veränderungen vornehmen.“ Mit den aus dem Simulationsprozess gewonnenen Erkenntnissen wurde dann die mit Daten belegbare Lösung dem Kunden vorgestellt.

Die Digitalisierung der konstruktiven Arbeit hat weitreichende Konsequenzen für das Geschäft nach sich gezogen. In der Konstruktionsphase wird bei Wiegelmann darauf geachtet, dass mögliche Prototypen in Sachen Funktionalität und Maßhaltigkeit sehr nahe an das folgende Serienwerkzeug heranreicht. „In der Phase des Prototypenbaus gewinnen wir aber schon ganz wichtige Erkenntnisse, die für das spätere Serienwerkzeug von Bedeutung sind“, betont Frank Leismann. Ein weiterer Vorteil ist die Tatsache, dass der Kunde zeitnah Musterartikel in den Händen hält.

Im Idealfall können Bauteile aus dem Prototypen später noch im Serienwerkzeug verbaut werden. Nach der Fertigstellung des Prototypen wird das Können der Cadmould-Software noch einmal bemüht. Dann werden die relevanten Parameter für das Serienwerkzeug geprüft.

Fakuma: Halle A3, Stand 3308

Anzeige

Das könnte Sie auch interessieren

Anzeige

PET-Kompetenz erweitern

Krones übernimmt Formenbauer MHT

Krones, Hersteller von Abfüll- und Verpackungslösungen, hat die MHT Holding AG (MHT) übernommen. Die MHT mit Sitz in Hochheim am Main liefert zusammen mit ihren Tochtergesellschaften Spritzgießwerkzeuge und Dienstleistungen für die PET-Industrie....

mehr...
Anzeige