Werkzeugbeschichtung für Hart-Weich-Bauteile im Fahrzeugbau

Fließlinien beseitigen am 2K-Bauteil

Fließlinien an einem Sichtteil für den Fahrzeuginnenraum ließen sich mit Veränderung der Spritzgießparameter vermindern, aber nicht beseitigen. Abhilfe schaffte die Beschichtung der Form mit Chromnitrid.
Die Jalousie des Ablagefachs für den Opel Zafira Tourer besteht aus Bauteilen mit einer Hart- und einer Weichkomponente.

Hochwertige Optik des Automobil-Interieurs verlangt von den Formenbauern einige Kreativität. Das gilt für hochglänzende Basteile ebenso wie für matte Oberflächen. Durch Fließlinien sowie durch Belagbildung in der Kavität kann es jedoch zu unerwünschten Markierungen auf der Bauteil-Oberfläche kommen.

Am Beispiel des dreiteiligen Ablagefachs im neuen Opel Zafira Tourer, das unter den Vordersitzen angebracht ist, lassen sich die typischen Probleme aufzeigen: Das beim Zulieferer Euwe Eugen Wexler in Lauf an der Pegnitz produzierte Modul besteht aus Unter- und Oberteil sowie einer Jalousie zum Schließen des Fachs. Die Jalousie besteht aus je der Hartkomponente PC-ABS als stabilisierende Stabkonstruktion und weitere Funktionen sowie eine Weichkomponente aus TPU für die Sichtseite.

Fließlinien und Entformungsproblem

Auf der Oberfläche dieser Weichkomponente zeigten sich jedoch Fließlinien. Sie wurden durch Modifizierung der Spritzparameter verändert, aber nicht entfernt. Hinzu kam ein Entformproblem: Durch Anhaften der TPU-Komponente wurde der gesamte Artikel immer wieder aus der Auswerferseite des Spritzgießwerkzeugs gezogen und musste per Hand entfernt werden. Ein störungsfreier Fertigungsprozess war somit nicht möglich.

Die Lösung lag im Aufbringen einer Chromnitridschicht auf den Formeinsatz. Die von Oerlikon Balzers unter dem Namen Balinit D angebotene Schicht zeichnet sich laut Anbieter durch eine günstige Kombination von Verschleiß-, Korrosions- und Oxidationsbeständigkeit aus. Freitags wurde das Werkzeug zum Beschichter gebracht, übers Wochenende hier beschichtet und montags an Euwe zurück geliefert. Das Anhaften der Weichkomponente sowie die Fließlinien wurden so laut Verarbeiter vollständig beseitigt. Das Wartungsintervall sei nun so lang, dass ein Werkzeugwechsel entfallen kann. Ohne Störung und Wartung lasse sich die komplette Losgröße von jeweils 10.000 Teilen fertigen. In 20 Arbeitstagen bedeutet dies ein Gewinn von rund zehn Stunden Produktionszeit, die vorher die aufwendige Reinigung der Werkzeuge beansprucht hatte. Auch der Ausschuss durch das bisherige Wiederanfahren der Maschine entfalle nun.

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Der Anwender

1968 gegründet, fertigt die heutige die Euwe Eugen Wexler Group Kunststoffprodukte für namhafte Automobilhersteller weltweit. Das inzwischen in dritter Generation familiengeführte Unternehmen beschäftigt insgesamt nach eigenen Angaben etwa 1700 Mitarbeiter am Hauptsitz in Lauf a.d. Pegnitz sowie an Standorten in der Tschechischen Republik und in Mexiko. 2011 setzte die Firmengruppe 178 Millionen Euro um. www.euwe.com

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