Werkzeugbeschaffung mit vernetzten Lieferanten

Annina Schopen,

Werkzeuge aus aller Welt

Der Kunststofftechnik- und Formenbau-Spezialist Werkzeugbau Karl Krumpholz wurde nominiert, Kunststoffbauteile für den Stoßfänger eines neuen Elektrofahrzeugs zu fertigen. Dafür benötigte das Unternehmen drei neue Spritzgießwerkzeuge. Meraxis kümmerte sich um deren Beschaffung und steuerte den Prozess bis zur Inbetriebnahme und übernahm auch die Lieferlogistik.

Um Kunststoffbauteile für den Stoßfänger eines neuen Elektrofahrzeugs zu fertigen, benötigte Krumpholz drei neue Spritzgießwerkzeuge. © Krumpholz

Bei der Beschaffung von Spritzgusswerkzeugen sind Flexibilität, eine Gesamtkostenbetrachtung sowie das richtige Lieferantenmanagement Schlüsselfaktoren im Wettbewerb. Der Aufbau zuverlässiger Partnerschaften und die Auftragsabwicklung weltweit sind allerdings gerade für mittelständische Unternehmen mit großem Aufwand verbunden – und einem gewissen Risiko. Der Kunststofftechnik- und Formenbau-Spezialist Werkzeugbau Karl Krumpholz arbeitete deshalb bei der Beschaffung neuer Spritzgusswerkzeuge für einen Auftrag aus der Automotive-Industrie mit Meraxis zusammen.

„Unsere Motivation für das Projekt war vor allen Dingen zu lernen“, erklärt Steffen Rubenbauer, Betriebsleiter bei Krumpholz Kunststofftechnik. Das inhabergeführte Traditionsunternehmen mit eigenem Werkzeugbau fertigt seine Werkzeuge weitestgehend selbst. „Gleichzeitig hinterfragen wir ständig unsere Prozesse und versuchen uns weiter zu verbessern“, so Rubenbauer. „Das Outsourcing-Projekt mit Meraxis bot uns die Möglichkeit, Erfahrung in der Zusammenarbeit mit einem Lieferanten zu machen, der sich um die Gesamtabwicklung der Werkzeugbeschaffung kümmert – inklusive Auswahl der Formenbauer, dem Projektmanagement und der Vor-Ort-Betreuung. Und das ohne großen zusätzlichen Aufwand und Risiken für uns.“

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Drei neue Spritzgießwerkzeuge

Ausgangspunkt für das Projekt war der Auftrag eines renommierten Automobilherstellers im September 2020: Krumpholz wurde nominiert, Kunststoffbauteile für den Stoßfänger eines neuen Elektrofahrzeugs zu fertigen. Dafür benötigte das Unternehmen drei neue Spritzgießwerkzeuge. Statt diese wie bisher selbst herzustellen oder wie üblich direkt einen Werkzeugbauer zu beauftragen, wollte das Unternehmen die Werkzeuge bewusst auf dem Weltmarkt beschaffen. Meraxis mit Sitz in Muri bei Bern sollte sich als Projektpartner um die Beschaffung dieser Werkzeuge kümmern und den Prozess bis zur Inbetriebnahme der Werkzeuge steuern. Auch für die Lieferlogistik war Meraxis verantwortlich. Zuständig für die technische Betreuung während des Herstellungs-Prozesses waren Meraxis und Krumpholz gemeinsam.

„Wir sind kein reiner Rohstoffhändler sondern verstehen uns als Dienstleister und Rundum-Versorger der polymerverarbeitenden Industrie“, erklärt Christof Hosner, verantwortlicher Leiter der Division Investitionsgüter bei Meraxis. Das Unternehmen versteht sich als One-Stop-Shop, das seinen Kunden alle Produkte sowie Dienstleistungen aus einer Hand bietet – von der Materialauswahl bis zur Anwendung. Dabei sind die Leistungen des internationalen Distributors nicht nur auf Werkzeuge für Spritzgieß- und Extrusionsverfahren beschränkt. Das Angebot umfasst außerdem Prüflehren und artikelspezifische Ladungsträger aus Stahl und Kunststoff für den sicheren Transport von Bauteilen. „Dieser Full-Service-Ansatz hat uns die Entscheidung deutlich erleichtert, ein Projekt mit einem externen Auftragnehmer auszuprobieren“, erklärt Betriebsleiter Rubenbauer. „Wir wussten, dass wir einen Ansprechpartner haben, der sich von A bis Z um alles kümmert.“

Lieferanten aus China und Portugal

Nach Erhalt der Anfrage hatte Meraxis passende Lieferanten für die Werkzeugproduktion in China und Portugal ausfindig gemacht. Das Unternehmen hat ein globales Partner- und Lieferantennetzwerk, was die Auswahl erleichterte. „Wir haben mehrere Lieferanten weltweit angefragt, verglichen und dann die optimale Lösung gemeinsam mit Krumpholz ausgewählt“, sagt Meraxis Category Manager Sebastian Gebelein. Christof Hosner ergänzt: „Die Lieferanten in unserem Netzwerk sind bereits geprüft, das heißt, es ist sichergestellt, dass sie die erforderlichen Qualitätsstandards einhalten. Neben der aufwändigen Suche nach einem Partner ist die Qualitätssicherung für Unternehmen meist die größte Hürde.“

Meraxis kümmerte sich um die Beschaffung dieser Werkzeuge und steuerte den Prozess bis zur Inbetriebnahme. © Krumpholz

Die technischen Anforderungen der von Krumpholz beauftragten Spritzgießwerkzeuge gab Meraxis an die Lieferanten in Portugal und China weiter. Den Werkzeugbau in China betreute Meraxis mit eigenem Team direkt vor Ort. „Für viele Mittelständler ist es fast unmöglich, während des gesamten Projektes vor Ort zu sein“, weiß Hosner. „In diesem Fall konnten wir dies durch unsere Mitarbeiter in China übernehmen.“

Damit allen Beteiligten rechtzeitig wichtige Informationen vorlagen, arbeitete Meraxis mit den Partnern eng zusammen. Dazu tauschte sich Meraxis regelmäßig mit ihnen über das Projekt aus und dokumentierte die Fortschritte. Innerhalb dieser Kooperation konnten die Partner etwaige Probleme in der Herstellung schnell identifizieren. Waren Alternativen gefragt, unterbreitete Meraxis entsprechende Vorschläge, um den Ablauf voranzutreiben. „Oft kamen die Mitarbeiter von Meraxis von alleine auf uns zu, wenn sie wissen wollten, ob Informationen auf allen Seiten richtig angekommen sind oder wie wir uns etwas vorstellen“, erklärt Steffen Rubenbauer. „Vor allem die Mitarbeiter in China waren extrem hilfreich für uns, da sie mit den Abläufen dort vertraut sind.“ Notwendige Änderungen gab Meraxis anschließend an die Lieferanten vor Ort weiter.

Rund vier Monate nach Auftragserteilung fielen die ersten Bauteile aus den Werkzeugen. Die Abmusterungen wurden durch Meraxis begleitet. „Der Projektverantwortliche von Krumpholz hatte uns die Produktionsparameter und erforderlichen Formteil-Eigenschaften im Vorfeld genannt“, erklärt Category Manager Gebelein. „Die Ergebnisse der ersten Abmusterung haben wir dann an Krumpholz weitergegeben. Anschließend konnten wir mit der Auswertung der Daten und den ersten Qualitätstests beginnen. Dazu gehörten beispielsweise Füllformanalysen. Insgesamt haben wir drei Abmusterungen durchgeführt, um die bestmögliche Bauteilqualität vor Auslieferung der Werkzeuge sicherzustellen.

Werkzeuganlieferung und Vorbereitung für die Serienproduktion

Nach der letzten Abmusterung konnten die Werkzeuge an Krumpholz geliefert werden. Die begleitende Logistik organisierte Meraxis   – in einer Zeit, in der die weltweiten Lieferketten durch Corona und die Blockade im Suezkanal zum Teil unterbrochen beziehungsweise stark verzögert waren. Um die Zeitplanung einzuhalten, wurde ein Werkzeug aus China per Güterzug nach Deutschland geliefert; die beiden anderen Werkzeuge kamen „klassisch“ auf dem Seeweg. Im Juni trafen die Werkzeuge bei Krumpholz ein und wurden auf den Maschinen in Betrieb genommen.

Damit ging das Projekt in die letzte und entscheidenden Phase: Die Werkzeuge produzieren nun Bauteile, die genau vermessen, geprüft und dann noch einmal feinjustiert werden, bevor sie für die Serienproduktion freigegeben werden.

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