Vollelektrisches Konzeptfahrzeug Oli

Annina Schopen,

Citroën und BASF stellen ihre Vision des Elektrofahrzeugs vor

Das Fahrzeug ist nicht schnell, nicht luxuriös, aber auch nicht schwer. Citroën und BASF zeigen mit dem Konzeptfahrzeug Oli, dass durch Reduktion und Eliminierung Gewicht und Ressourcen eingespart werden können.

Das Konzeptfahrzeug Oli ist eine Citroën-BASF-Co-creation © BASF

Dadurch, dass die Höchstgeschwindigkeit auf 110 km/h gedrosselt ist und die Beschleunigung dem 2CV ähnelt, werden die Reichweite und die Lebensdauer der Batterie verlängert. Diverse Bauteile wurden außerdem neu interpretiert und konstruiert, indem Materialien in einem anderen Kontext verwendet wurden. Die komplette Rücksitzlehne wurde beispielsweise aus einem flexiblen 3D gedruckten Kunststoff gefertigt (Ultrasint TPU88A). Die offene Gitterstruktur übernimmt dabei die natürliche Belüftung und ersetzt sämtliche Ventilatoren im Sitz. Hierfür sowie für die Herstellung von insgesamt etwa zwanzig Teilen wurde dabei auf die Kompetenz des 3D-Servicebüro Sculpteo in Frankreich, einer Marke der BASF gesetzt.

Vergebens sucht man auch ein Sound- oder Navigationssystem, denn diese sind schlicht nicht an Bord. Da der Kunde meist über ein Handy und mobile Boxen verfüge, können diese Geräte im Armaturenbett eingesteckt werden und sie verbinden sich dann automatisch mit dem Fahrzeug.

Weniger Komplexität, nachhaltiges Design

Viele der neu entwickelten Bauteile sind sortenrein konstruiert und stammen aus ein und derselben chemischen Produktfamilie. Verklebte und verschweißte Bauteile, bestehend aus verschiedenen Materialtypen, erschweren mechanisches Recycling. Die Designer von Oli haben deshalb bereits bei der Gestaltung darauf geachtet, möglichst viele Komponenten aus nur einem einzigen Material zu designen.

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Auch produktionstechnisch wurde der Vereinfachungsgrundsatz umgesetzt, so sind die Fahrer- und Beifahrertüre identisch. Das spart Presswerkzeuge und reduziert die Komplexität. Dasselbe gilt für sämtliche Radläufe und Stoßfänger. Auch die Farbe der Karosserie soll das Konzept des Fahrzeugs vermitteln: Auf den ersten Blick scheint es ein reines Weiß zu sein, aber es wurden Glimmerpartikel hinzugefügt, um die Form des Fahrzeugs zu betonen. Im Kontrast zum Äußeren wurden die Materialien des Innenraums – wie die Sitze und der Bodenbelag – mit einer intensiven orangen Farbe lackiert.

Co-Creation als Schlüssel für neue Lösungsansätze

Bei Entwicklung und Design arbeitete der Hersteller Citroën eng mit BASF zusammen. Projekte wie die Entwicklung des Konzeptfahrzeugs mit dem Partner Citroën seien „wahre Booster“ auf dem Weg in eine nachhaltigere Zukunft, erklärt Uta Holzenkamp, Leiterin des Unternehmensbereichs Coatings. „Man braucht Innovationen, man braucht kreative Köpfe, um die Gedanken verschiedener Unternehmen zusammenzuführen“, so Holzenkamp. BASF verfolge seit Jahren eine ambitionierte Nachhaltigkeitsstrategie. Wichtige Eckpfeiler seien dabei etwa das Projekt Chemcycling zum chemischen Recycling von Kunststoffen sowie der Biomassenbilanzansatz, bei dem in der Produktion fossile Rohstoffe durch erneuerbare ersetzt werden.

Neben Produkt- und Engineering-Expertise konnte BASF mit dem Creation Center auch seine Designkompetenz einbringen. „Hier nahm das Projekt seinen Anfang“, sagt Alex Horisberger, Manager Industrial Design bei BASF. „Bei einem Besuch im Kreativstudio bei Citroën hatten wir die Gelegenheit, die Designer von unseren Materialien und Trendanalysen zu überzeugen. Auf Augenhöhe mit den Interior- und Exterieur-Designer von Citroën zu arbeiten war ein persönliches Highlight für mich.“

Ganz ähnlich sieht das Laurence Hansen, Citroën Product & Strategy. „Die Zusammenarbeit mit BASF war der Schlüssel zur Konzeption des Oli und zur Entwicklung eines möglichst spaßbringenden und effizienten Elektrofahrzeugs für die nahe Zukunft. Unser neuartiges E-Auto setzt dem Trend zu immer schwereren und komplexeren Fahrzeugen Leichtheit und Einfachheit entgegen“. Das Konzeptfahrzeug mache vor, „wie man die Umwelt so wenig wie möglich belastet und gleichzeitig den Spaß an einem funktionalen und elektrischen Fahrzeug zurückbringt“, sagt Hansen.

BASF-Materiallösungen für ein neuartiges Fahrzeugkonzept

Oli wurde mit BASF-Materialien designed, die teils in neuem Kontext eingesetzt werden. © BASF

Viele BASF-Lösungen kommen im Sinne dieser Idee zum Einsatz: Ein weiterer Hochleistungskunststoff von BASF findet sich in den hinteren Armlehnen und im Boden des Innenraums. Infinergy, ein expandiertes TPU (Thermoplastisches Polyurethan), wird auch in Laufschuhen und Sportböden eingesetzt. Es ist elastisch wie Gummi, aber leichter und widerstandsfähig und abriebfest. Im Oli hat das Material die Aufgabe, Armlehnen und Bodenbelag eine angenehme und doch beständige Oberfläche zu geben. Außerdem dämpft es Schall und Vibrationen.

Hier sorgt eine zusätzliche spezielle Beschichtung für eine extralange Lebensdauer: Novacoat-P auf Wasserbasis schützt die weichen Untergründe optimal gegen Abrieb, UV-Strahlung, Schmutz und Chemikalien. Weil der Bodenbelag wasserfest ist, lässt er sich einfach mit Wasser reinigen. Dazu sind Stöpsel aus Elastollan integriert, die zum Ablassen von Wasser und Schmutz entfernt werden können.

Auch beim Fahrzeugäußeren wurde Gewicht gespart – und das bei höherer Stabilität und Haltbarkeit. Motorhaube, Dach und Kofferraum bestehen aus Platten, in denen das Polyurethansystem Elastoflexmit dem Spritzlacksystem Elastocoat kombiniert wurde. Dank einer wabenartigen Sandwichstruktur sind die Platten so stabil, dass man sogar darauf stehen kann.

Als Lackierung für die Karosserie kommt mit R-MAgilis ein weiteres BASF-Produkt zur Anwendung, das für mehr Nachhaltigkeit steht. Der wasserbasierte Lack hat einen sehr niedrigen Gehalt an flüchtigen organischen Verbindungen (VOC). Die kathodische Tauchlackierung Cathoguard 800 von BASF, die das Batteriegehäuse vor Korrosion schützt, trägt zu weiteren Ressourceneinsparungen bei. Sie zeichnet sich durchihre hohe Leistungsfähigkeit und Umweltfreundlichkeit aus, da sie zinn-/HAP-frei und lösemittelarm ist.

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