Standort Mitteldeutschland

Mitteldeutsche Kunststoffbranche für die Zukunft gerüstet

Cluster bietet hohen Organisationsgrad und Strategie
Kunststofftechnik ist mit ihren verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette eine der größten Branchen in Mitteldeutschland. Damit das so bleibt, werden zukunftsträchtige Entwicklungen und Kooperationen auf europäischer Ebene voran getrieben.




Die deutsche Kunststoffbranche befindet sich im Aufwind. „Die wirtschaftliche Dynamik der deutschsprachigen Kunststoffbranche ist im ersten Halbjahr 2011 weiterhin enorm hoch. Zum wiederholten Male verliefen die Geschäfte besser als ohnehin schon erwartet“, berichtet der Branchendienst Kunststoff Information auf Basis der halbjährlichen Konjunkturumfrage im Juli 2011. Danach verzeichneten 62 Prozent der befragten Unternehmen einen gegenüber dem zweiten Halbjahr 2010 besseren Geschäftsverlauf. Damit übertreffe die Branche seit Anfang des vergangenen Jahres kontinuierlich die eigenen Erwartungen, hieß es in den Umfrageergebnissen.

Daran hat auch die mitteldeutsche Kunststoffindustrie ihren Anteil. Sie erholt sich immer besser von den Einbrüchen in der von den Finanzmärkten ausgelösten Weltwirtschaftskrise. Alle Daten deuten derzeit darauf hin. In fast 500 Betrieben arbeiteten im Vorjahr 40.500 Beschäftigte. Sie erwirtschafteten 7,3 Milliarden Euro Umsatz. Auch die Ausrichtung der Branche auf Zukunfts-Technologien berechtigen zur Zuversicht. Das hat ihr unter anderem die Anerkennung des Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, Dr. Thomas de Maizière, eingebracht. Das Cluster Chemie/Kunststoffe Mitteldeutschland sei so ein Vorbild für viele andere Regionen – nicht nur in Ostdeutschland, schrieb der Bundesminister im Vorwort des im Vorjahr neu aufgelegten Atlas des Verbandes.

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Mit der Styron Deutschland aus Schkopau in Sachsen-Anhalt hat ein Unternehmen der Kunststoffbranche gerade erst den Prof. J.-Nelles-Preis gewonnen, der im Rahmen des IQ Innovationspreis Mitteldeutschland vergeben wird.

Tradition und Zukunft als Knowledge Sites

Diese Anerkennungen hat sich die mitteldeutsche Kunststoffbranche in einem zwei Jahrzehnte anhaltenden tiefgreifenden Strukturwandel mehr als verdient. In allen vier Bundesländern haben Chemie und Kunststoffverarbeitung nicht nur eine lange Tradition. Sie gehören in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg zu den bedeutendsten Bereichen des Verarbeitenden Gewerbes. Im Cluster Chemie/Kunststoffe Mitteldeutschland arbeitet rund die Hälfte der 800 Chemie- und Kunststoffbetriebe in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg zusammen. Die von der Wirtschaft initiierte und im Jahr 2003 gegründete Plattform des länderübergreifenden Zusammenwirkens stärkt die Leistungsfähigkeit der Branche. Bisher richteten sich die Anstrengungen besonders auf die Überwindung des historisch entstandenen Defizits der Industrieforschung. Zu den herausragenden Aufgaben des Clusters gehörte die Begleitung des Aufbaus von Netzwerken sowie die Unterstützung der Ansiedlung von drei Fraunhofer Zentren in Schkopau und Leuna.

Trotz der gegenwärtig hohen Bedeutung der Petrochemie, gewinnen Alternativen zu dieser einseitigen Rohstoffbasis zunehmend an Relevanz. Für die mitteldeutsche Chemie- und Kunststoffbranche ist das eine besondere Chance, denn sie befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft umfangreicher Braunkohlelagerstätten. Die mitteldeutschen Chemie- und Kunststoffstandorte profilieren sich als „Knowledge Sites“ mit einem Innovationsstandorteverbund, der die Ansiedlung spezialisierter Einrichtungen für die Industrieforschung an den Standorten forciert. Die Integration dieser Demonstrations- und der späteren Großproduktionsanlagen in den existierenden Rohstoffverbund der mitteldeutschen Chemieparks kann zu einem erheblichen Standortvorteil entwickelt werden.

Für Chemieprodukte und Kunststoffe gilt, dass sie von fast allen Branchen bei der Entwicklung neuer Produkte genutzt werden. Gerade die Herausforderungen des Klimaschutzes erfordern spezifische Entwicklungen. Leichtbau, Wärmedämmung, Elektromobilität, Windenergienutzung und Solartechnik sind ohne Chemieprodukte und Kunststoffe nicht machbar. Es gilt deshalb die Zusammenarbeit mit den mitteldeutschen Clustern anderer Branchen zu entwickeln. Über das EU-Projekt „Chemclust“ wird die Entwicklung europäischer Kooperationen unterstützt. Damit soll der Zugang zu Projekten erleichtert werden, die von der Europäischen Union gefördert werden.

Ein Beispiel für den notwendigen Innovationswillen ist der Roadmap-Prozess in der mitteldeutschen Kunststoffbranche. Begonnen wurde er im Jahr 2008 mit einem Prozess, der sich zunächst auf die Spritzgießtechnik, konzentrierte. Er wird vom Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik Halle, vom Polykum sowie der isw durchgeführt. Mit ihm sollen künftige Märkte und Entwicklungen identifiziert und daraus eine Technologiepolitik abgeleitet werden.

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