Folien aus Rezyklaten

Meinolf Droege,

Gesetzestreu in Verpackungsfragen

Viele Betreiber von Verpackungsanlagen, die mit Stretchfolien Waren für den Umschlag auf Paletten fixieren und versandfertig verpacken, sind verunsichert: Seit Anfang 2019 ist das neue Verpackungsgesetz in Kraft. Sein Ziel ist es, Abfälle zu vermeiden und das Recycling zu stärken. Damit enthalten viele Folien künftig mehr Rezyklat. Das kann deren Eigenschaften und somit auch die Handhabung erheblich verändern. Zu prüfen ist, ob Betreiber ihre Verpackungsanlagen weiter nutzen können.

Um Waren beispielsweise vor Staub und Schädlingen zu schützen, setzen Betreiber auf das Verpacken von Paletten. © Beumer

Herzstück vieler Verpackungslinien sind Stretchhauben-Systeme, so auch bei Beumer, die sie unter der Marke Stretch Hood A anbietet. Ob Waschmaschinen, Farbeimer, Fässer oder Sektkartons auf Paletten – die Maschine überzieht die unterschiedlichen Produkte mit einer hochdehnbaren Stretchhaube. Möglich ist dies zum Beispiel auch, wenn der Inhalt nicht mit der Oberfläche der Behälter in Berührung kommen soll. Das kann bei Schmier- und Klebstoffen, Frostschutzmitteln, Harzen, Bremsenreinigern, aber auch bei Schüttgütern wie Granulaten der Fall sein. Dann kann die Innenseite eines Fasses oder eines anderen Behälters mit einer Folienhaube ausgekleidet werden. „Die Ware ist beim Umschlag und bei einer Außenlagerung sicher vor Umwelteinflüssen wie Sonne, Schmutz und Nässe geschützt. Zudem sorgt die Verpackung dafür, dass auf der Ladefläche der Lkw die Produkte fest auf der Palette bleiben – ohne zu verrutschen.

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Bediener können die Anlage einfach und sicher handhaben. © Beumer

Die Verpackungsanlage kann laut Anbieter bis 110 Palettenstapel pro Stunde mit einer Stretchhaube aus herkömmlichen Folien mit Dicken zwischen 40 und 150 Mikrometer zuverlässig verpacken. Doch wie sieht das mit Folien aus, die dünner, steifer, weicher oder weniger dehnbar sind? Diese Fragen stellen sich immer mehr Betreiber von Verpackungsanlagen. Denn seit Jahresanfang 2019 ist das neue Verpackungsgesetz in Kraft, und das verändert einiges.

Deutschland wird mehr recyceln

Wenn es um das Recycling geht, sind die vielfältigen Eigenschaften von Kunststoff ein Problem. So werden in Deutschland den Daten von Beumer entsprechend mehr als 90 Prozent aller Kunststoffabfälle wieder eingesammelt – aber nur 43 Prozent davon auch recycelt und anschließend noch einmal eingesetzt. Weit mehr als die Hälfte, insgesamt 55 Prozent, landen dagegen in Müllverbrennungsanlagen und dienen der Gewinnung von Strom und Wärme oder sie werden zu Ersatzbrennstoffen aufbereitet.

Über Rollenbahnen können die palettierten Waren der Verpackungsanlage zugeführt werden. © Beumer

Damit sich dies ändert, ist bei Herstellern von Konsumgütern, Baustoffen oder Möbeln, aber auch bei Folienherstellern ein Umdenken notwendig. Derzeit wird noch der größte Teil des Kunststoffs als Primärmaterial aus Rohöl gewonnen. In Zukunft, so wollen es die Politik und die Recyclingunternehmen in der EU, sollte der Anteil von wiederverwertetem Kunststoff spürbar steigen. Das Ziel sind weniger Kunststoffverpackungen und mehr Recycling. Dafür müssen alle Beteiligten – Hersteller, Handel und Verbraucher – mit ins Boot. So steigt zum Beispiel die Recyclingquote für Kunststoffverpackungen von bisher 36 zunächst auf 58,5 und bis zum Jahr 2022 auf 63 Prozent. Damit müssen Betreiber von Recyclinganlagen nachweisen können, dass sie einen entsprechenden Anteil der Verpackungen, die sie annehmen, wiederverwerten. Das neue Verpackungsgesetz soll also maßgeblich dabei unterstützen, Abfälle zu vermeiden und das Recycling zu stärken.

Recycling ist wirtschaftlich

Für die Hersteller von Folien, die Beumer beliefert, soll es eine wirtschaftliche Lösung sein, die eigenen Produktionsabfälle wiederzuverwerten. Das Altmaterial lässt sich zu Regranulat verarbeiten und in den Produktionskreislauf zurückführen. Mit Einsatz von eigenen Regranulaten kann der Hersteller Ressourcen schonen, Emissionen reduzieren, Abfall durch Wiederverwendung minimieren und Umweltbelastungen vermeiden. Im Idealfall kann sich deren Qualität sogar mit der von Neuware messen. In diesem Fall ändert sich für unsere Verpackungsanlage nichts.

Die Paletten werden in einer schnellen Taktung verpackt. Dabei überzieht die Maschine die Produkte mit einer hochdehnbaren Stretchhaube. © Beumer

Jedoch können sich auch die Eigenschaften der Folien mit unterschiedlichen Rezyklatanteilen erheblich ändern. AlsBeispiel dient ein Folienhersteller, der auf höhere Qualität setzt und gleichzeitig auf weniger Material. Die Stretchfolien sind damit dünner und dennoch leistungsfähiger als herkömmliche Folien. Dadurch sind die verpackten Produkte gut gesichert, gleichzeitig wird weniger Material verbraucht. Das sorgt für einen höheren Produktionsdurchsatz und weniger Folienrollenwechsel an der Maschine. Die Folie wurde auf der Verpackungsanlage von Beumer ausgiebig getestet. Sie verarbeitet, so das Unternehmen auch diese dünnen Folien sicher und zuverlässig.

Werden die Paletten hochregallagerfähig verpackt, bleibt der Palettenfuß für die Kufen des Gabelstaplers frei, damit dieser die Folie nicht beschädigt. © Beumer

Gemeinsam mit den Folienproduzenten wurden im hauseigenen Forschungs- und Entwicklungszentrum in Beckum Tests und Analysen mit den unterschiedlichen Folien durchgeführt. Auch bei Folien mit hohem Rezyklatanteil sei festgestellt worden, dass sie sich bei der Verarbeitung ähnlich wie herkömmliche Kunststoffe verhalten. So können Anwender mit der Hochleistungsverpackungsanlage auch weiterhin Waschmittel, Farbeimer, Fässer oder Sektkartons auf Paletten mit einer hochdehnbaren Stretchhaube überziehen. Die Folie liege sehr eng, wie eine zweite Haut, am gesamten Stapel an und sorge dadurch für die benötigte Stabilität auch mit den neuen getesteten Folien.

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