Kunststoffverwertung

Die Hälfte wird verbrannt

Kunststoffabfallverwertung in Deutschland
Unter dem Titel „ Produktion, Verarbeitung und Verwertung von Kunststoffen in Deutschland 2007“ legte die BKV, die bundesdeutsche Plattform für Kunststoffe und ihre Verwertung, eine neue Studie vor, die den aktuellen Stand der Kunststoffentsorgung in der BRD widerspiegelt.







In einer Presseinformation der BKW, der Beteiligungs- und Kunststoffverwertungsgesellschaft, Frankfurt/M. heißt es: „Die Frage der Abfallverwertung ist in Deutschland geklärt“. Über 96 Prozent des anfallenden Kunststoffmülls werde heute verwertet. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Richtig ist vielmehr, dass lediglich aus 43 Prozent der Kunststoffabfälle durch werkstoffliche Aufbereitung ein wieder verwertbarer Rohstoff wird. Ein paar tausend Tonnen Plastikreste landen noch immer auf der Deponie. Der größere Teil jedoch, etwa 52 Prozent wird schlichtweg verbrannt, in Müllverbrennungsanlagen oder auch Heizkraftwerken. Das nennt sich zwar semantisch verbrämt „energetische Verwertung“, hinterlässt am Ende aber auch nur Rauch und Asche.

Richtig ist aber auch, dass die werkstoffliche Verwertung, also das Recycling von aussortierten Kunststoffteilen, von 2005 bis 2007 um etwa 30 Prozent zugenommen hat. Und das ist genau der Zeitrahmen, der in der neuen Studie der Marketing- und Beratungsfirma Consultic aus dem bayerischen Alzenau berücksichtigt wurde. Die alle zwei Jahre durchgezogene Untersuchung erfolgt im Auftrag der BKV und Plastics Europe, der deutschen Sektion des Verbands der europäischen Kunststofferzeuger. Beteiligt sind darüber hinaus etliche Verbände aus dem gesamtdeutschen Plastgeschehen wie GKV, TecPart, AgPU oder der Industrieverband Kunststoffverpackungen (IK). Ende November letzten Jahres wurden die Ergebnisse dieser bereits zum sechsten Mal durchgeführten Erhebung der Presse vorgestellt.

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Pyrolyse ist „out“

Christoph Lindner, Geschäftsführer des Alzenauer Consulticbüro, erläuterte die Details der Resultate. Dabei wies er einleitend darauf hin, dass die Studie ein gutes Stück auch die Kunststoffindustrie dabei unterstützen soll, ihre „offensive und transparente Informationspolitik“ gegenüber der Öffentlichkeit zu untermauern. Sie sei ein weiterer Baustein in der Darstellung der Branche im öffentlichen Bewusstsein und soll zur positiven Ausbildung des Image beitragen. Ermittelt werden die Grundstrukturen des Industriezweigs: von der Erzeugung, über die Verarbeitung und den Verbrauch bis hin zum Abfall und dessen Verwertung und Beseitigung. Einbezogen wurden hierbei sowohl die Produzenten als auch die Verarbeiter und Verwerter der Kunststoffe und daraus gefertigter Produkte.

Zusammenfassend ergibt sich nach den Ausführungen von Consulticchef Lindner für das vorletzte Jahr folgendes Bild: Auf Basis einer in Deutschland erzeugten Kunststoffmenge von 20,5 Millionen Tonnen wurden für die Herstellung von Kunststoffprodukten im Inland 12,5 Millionen Tonnen eingesetzt. Das sind 1,3 Millionen Tonnen mehr als noch 2005, dem Jahr der vorhergehenden Studie, was einer Steigerungsrate von 5,6 Prozent pro Jahr entsprechen würde. Der Einsatz der Kunststoffe sei dabei nach Recherchen der bayerischen Marktforscher nicht nur proportional gewachsen, sondern es konnten noch zusätzliche Marktanteile durch Substitution anderer Werkstoffe hinzugewonnen werden.

Die Menge der Kunststoffabfälle summierten sich im gleichen Zeitraum auf 4,86 Millionen Tonnen. Das bedeutet ein Zuwachs von 0,46 Millionen Tonnen. Davon wiederum wurden – wie schon eingangs erwähnt – satte 96 Prozent verwertet, mehr als die Hälfte davon jedoch eben schlicht und ergreifend verfeuert. Die Beseitigung auf Deponien spiele praktisch keine Rolle mehr. Sie sei mit Ausnahme von einigen wenigen Übergangsregelungen für einzelne Deponien beziehungsweise Fraktionen mittlerweile Historie. Auch kaum noch eine Rolle spielt die rohstoffliche Verwertung. Kein Wort mehr davon, dass Pyrolyse, Hydrolyse und ähnliche Verfahren mal als „Königsweg“ aus der Abfallmisere propagiert wurden. Der Traum, aus Kunststoffabfall wieder den Stoff allen polymeren Seins, das pure Öl zu gewinnen, scheint vorerst ausgeträumt. Doch vorher vielleicht muss der Ölpreis noch kräftiger zulegen, um solche Alternativen für die Abfallverwertung wieder attraktiv werden zu lassen. Weitere Informationen erhalten Sie wie gewohnt über die nachfolgende Kennziffer.

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