Hochwertige Sichtteile für Sanitär

Schöner Spritzgießen

Designerrahmen verlangt hochwertige Oberfläche
Betätigungsplatte mit Designerrahmen in der verchromten Variante – extrem saubere Optik für hohe Ansprüche.
Erstmals präsentiert wurde auf der Sanitärmesse ISH ein Designerrahmen der als Alternative zu einer teueren Glasplatte angeboten wird. Hergestellt wird er mit der variothermen Prozessführung und Integration der Bfmold–Technologie im Werkzeug.

Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten in der Produktion arbeiteten der Sanitärtechnik-Anbieter Sanit und Wittmann Battenfeld ab Frühjahr 2010 in einem gemeinsamen Projekt: Ein flaches Bauteil mit Durchbrüchen sollte mit hoher Parallelität und brillanter Oberfläche im Spritzguss hergestellt werden. Ziel des Projekts war, die Möglichkeit der reproduzierbaren Fertigung von Teilen unter Vermeidung von Oberflächenfehlern wie Wolkenbildung und Bindenähten durch Nutzung der Bfmold-Technologie im Werkzeug und Unterstützung der variothermen Prozessführung zu untersuchen.

Eigenheiten und Möglichkeiten der variothermen Prozessführung waren den Spritzgießern ebenso bekannt, wie das Bfmold-System. Mit dieser Kombination wurde aber Neuland betreten. Das Kunststoff-Institut in Lüdenscheid (KIMW) hatte Bfmold kurz zuvor entwickelt. Mit einem Versuchswerkzeug konnten in der Planungsphase Muster erstellt werden, die die Einschätzung der Beteiligten bestätigte.

Die erstmalige Vorstellung des Designerrahmens auf der ISH sei bei den Messebesuchern auf großes Interesse gestoßen. Es seien bereits erste Bestellungen angenommen worden. Überrascht zeigte man sich von den vielen Nachfragen nach einer schwarzen Variante, da bei dieser Farbe potenzielle Oberflächenfehler bei Sichtteilen besonders deutlich zu erkennen sind. Diese Farbe war bis dato nicht im Programm, wurde aber aufgrund der Kundenbegeisterung ins Programm genommen.

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Kugel statt Kanäle

Das Bfmold-Verfahren zur dynamischen Temperierung basiert nicht auf herkömmlichen Temperierkanälen. Stattdessen übernimmt eine Kugelschüttung die mechanische Abstützung einer besonders kavitätsnahen Hohlraumstruktur – das Kürzel BF steht entsprechend für ball-filled. So lassen sich Temperiermedien sehr nah und sogar flächig unter der Werkzeugoberfläche führen, der gesamte Bereich unterhalb der Kavität kann zum Beheizen und zur Kühlung verwendet werden. Die Kugelfüllung erlaubt eine effiziente, schnelle Durchströmung mit dem Temperiermedium. Die Temperaturregelung übernimmt das für diesen Zweck entwickelte Mehrkreistemperiergerät Tempro Plus C 2/160 Vario.

Bei der Aufheizung werden die Nebenzeiten zum Aufheizen genutzt und es entsteht in der Regel keine Zyklusverlängerung. Zudem können hohe Abkühlgeschwindigkeiten verwirklicht werden. Mit flächigen Temperierräumen lassen sich eine homogene Werkzeugwandtemperatur und damit eine sehr feine Oberfläche erzeugen. Mit einer längeren Nachdruckphase werden Einfallstellen vermieden, Bindenähte und Verzug minimiert. Das Prozessfenster der Einstellparameter ist größer und eine Prozessoptimierung ist schneller machbar. Auf diese Weise ermöglicht die neue Technologie eine deutliche Steigerung der Oberflächenqualität bei geringen zusätzlichen Werkzeugkosten.

Zufrieden mit dem Ergebnis des ersten Projekts, plant Sanit weitere Produkte mit der variothermen Prozessführung und Integration der Bfmold-Technologie anzubieten.

Reserven nutzen

Auch für optisch anspruchsvolle Teile bietet de Spritzgießtechnik – berücksichtigt man das Gesamtsystem aus Maschine, Werkzeug, Werkstoff und Bauteilekonstruktion – noch erhebliche Reserven. Das Bfmold-Verfahren ist noch recht frisch und daher nicht verbreitet, erste Projekte aber bereits erfolgreich abgewickelt. Zudem stehen Versuchswerkzeuge für Tests bereit. Nicht zuletzt gilt auch hier: Der frühe Vogel fängt den Wurm...

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