Greifer für die Kunststoffindustrie

Alles gut im Griff

Greifkomponenten für den Kunststoff-Spritzguss
Zwei Greifzangen Serie „picken“ den labilen Anguss der Weichkomponente.
Hohem Kostendruck in der Spritzgießfertigung lässt sich am besten mit einer weitestmöglichen Automation begegnen. Der Kunststofffertiger TB&C Outsert Center nutzt dazu an seinen Arburg-Spritzgießmaschinen spezielle Greiflösungen.

Im Lauf der Zeit wurden so mehr als 200 individuelle Greifer konzipiert und gebaut, darunter auch ein Greifer, der beim Kunststofffertiger TB&C Outsert Center in Herborn eingesetzt wird. Besonderes Know-how in der anspruchsvollen Outsert-Technologie hat sich die TB&C Outsert Center ist erarbeitet, bei der Stahl und Kunststoff im Verbund eingesetzt werden, um so die Anwendungsvorteile beider Materialien zu nutzen und ihre jeweiligen Nachteile zu kompensieren. Für zahlreiche Branchen werden hochwertige Kunststoffteile produziert, in Outsert-Technologie, aber auch im anspruchsvollen Mehrkomponentenspritzguss. Beispielsweise werden für Daimler Windabweiser zum Einbau in Pkw-Schiebedächern produziert. Hier sollen sie Windgeräusche reduzieren und Zugluft vermeiden.

Hart- und Weichkomponenten gemeinsam entformen

Der Windabweiser wird im Zweikomponentenspritzguss hergestellt und besteht zum größten Teil aus einem Hartkunststoff, an den eine Dichtlippe aus einem weichen Material angespritzt ist, die den winddichten Anschluss an die Dachhaut sicherstellt. Um den Windabweiser nach dem Spritzgießen mit den Angüssen aus der Form entnehmen zu können, hat Barth Mechanik einen Greifer entwickelt, der als Unikat individuell auf Maschine und Produkt abgestimmt ist. Das mittelständische Unternehmen aus Zimmern hat sich auf die Konstruktion und Fertigung von Sondermaschinen spezialisiert. Im Lauf der Zeit wurden hier unter anderem mehr als 200 individuelle Greifer konzipiert und gebaut.

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Dieser Greifer ist mit insgesamt acht Greifzangen der Serie GZ1000 von Sommer-automatic ausgerüstet, die auf einer gemeinsamen Trägerplatte montiert wurden. Die pneumatisch angetriebenen Zangengreifer wurden vor allem für den Einsatz in der Kunststofffertigung entwickelt und eignen sich zum Beispiel als Angusspicker oder für das Entnahmehandling beim Kunststoff-Spritzguss. Mit ihrem laut Hersteller niedrigem Eigengewicht, den Zykluszeiten von 0,01 Sekunden und einer Lebensdauer von mindestens zwei Millionen Zyklen seien diese Greifzangen für eine Vielzahl von Aufgaben in der Kunststofffertigung geeignet – nicht zuletzt auch aufgrund des günstigen Preis/Leistungs-Verhältnisses, das die Produktionskosten günstig beeinflusse.

Im Greifsystem von Barth Mechanik wurden sieben Angusszangen des Typs GZ1030 verbaut, um die biegeschlaffen Angüsse der Dichtlippe aus Weichkunststoff zu greifen. Die Hauptkomponente des Windabweisers wird dagegen von einer Greifzange des Typs GZ1040 in den Griff genommen.

Automatische Fertigung rund um die Uhr

Für die Entnahme fährt der Roboter, ein Arburg Multilift V, der für den horizontalen Quereingriff umgebaut wurde, den Greifer seitlich in die geöffnete Form. Der Greifer ist mit einer pneumatischen Hubeinheit ausgerüstet, mit der die Trägerplatte für die Greifzangen seitlich ausgefahren werden kann. Beim Eintauchen in das Werkzeug ist diese Hubeinheit zunächst eingezogen, fährt dann aber in der Form aus, bis die geöffneten Greifzangen direkt an den Angüssen anliegen. Gleichzeitig kommen auch eine Reihe von federnd gelagerten Sauggreifern, die ebenfalls auf der Trägerplatte montiert sind, in direkten Kontakt mit der Hauptkomponente.

Die Maschine entformt nun den Anguss, indem die in der Form integrierten Auswerferstifte den Windabweiser und die Angüsse aus den Kavitäten heraus und in die geöffneten Angusszangen drücken. Die Angusszangen werden nun geschlossen, und gleichzeitig werden die Sauggreifer mit Vakuum beaufschlagt.

Beim Zurückfahren der Hubeinheit wird so der Windabweiser mitsamt den Angüssen aus der Form entnommen, und der Roboter kann nun den gesamten Greifer wieder aus der Form herausfahren und das Werkstück zur weiteren Verarbeitung auf einem Förderband ablegen. Die Zykluszeit beträgt rund 55 Sekunden und im automatischen Dauerbetrieb wurden seit der Erstbemusterung im März 2010 täglich rund 1500 Windabweiser produziert, bisher problemlos.

Dass Barth Mechanik auf diese Greifer setzt, ist kein Zufall. Juniorchef Manuel Barth legt nach eigener Aussage Wert auf das „Made in Germany“ und dem damit verbundenen Qualitätsgedanken – bei dem nach seinen Worten günstigen Verhältnis von Kosten und Leistung.

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