Meinung

Chrom und Co…

… feiern fröhliche Urstände im Pkw-Gewerbe – und mit Ihnen eine unüberschaubare Zahl dekorativer Oberflächen. In dieser Hinsicht bin ich ja eher ignorant und gehöre damit wohl nicht zur Opfergruppe des typischen Werbesprech.

Da ich den Kühlergrill nicht sehe wenn ich im Auto sitze, ist es mir gleichgültig, ob er voll verchromt oder in schwarzem Kunststoff daher kommt. Mir ist wichtig, dass der Konstrukteur mit dem Design der Frontpartie einen niedrigen Widerstand und geringes Gewicht (oder ein wenig mehr Endgeschwindigkeit) erreicht. Die Tankanzeige habe ich beim Fahren nämlich sehr wohl im Blick. Dass mit der „herausfordernden luminalen Designsprache“ im Prospekt schlicht die Fahrzeugbeleuchtung gemeint ist – dieses Licht ist mir zugegebenermaßen erst beim zweiten Lesen aufgegangen. Auch die Lampen kann ich vom Fahrersitz aus nicht erkennen und dementsprechend ist mir deren Geometrie wurscht. Eine gute Fahrbahnausleuchtung und die Möglichkeit des Leuchtmittelwechsels (auch in Zeiten von LED) ohne Demontage der halben Karosserie sind für mich überzeugendere Kaufanreize. Beim Interieur dagegen habe ich es schon gern ein wenig gemütlich und beim Fahren leise.

An diesen drei Beispielen zeigt sich sehr deutlich, dass sich die Innovationen der Kunststoffbranche für den Automobilbau auch, aber nicht nur an der „Oberfläche“ abspielen – sondern unterhalb des üblichen Horizonts der Motorpresse. Trotz der inzwischen teilweise gigantischen Ausmaße produzieren Zulieferer den Kühlergrill extrem toleranzarm, trotz optisch fragilem Design als montagefreundlicher Träger verschiedener Anbauteile wie Lüftern oder motorisch bewegter Jalousien. Moderne LED-Beleuchtungen funktionieren nur aufgrund höchstpräziser Geometrien der Kunststoffgehäuse und enormer Dichte integrierter Funktionen. Und das geräuschdämmende, wohlig gemütliche Fahrgastschloss – von Fahrgastzelle kann in diesem Zusammenhang keine Rede sein – lebt ohnehin fast ausschließlich von Kunststoffen.

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Die jährlich in Mannheim stattfindende VDI-Tagung Kunststoffe im Automobilbau legt die Themenschwerpunkte auf beide Seiten, die dekorativen und konstruktiven Aspekte, gleichermaßen. Chrom und Co. spielen hier eine gewisse Rolle, sie bilden aber nur eine Facette. Ein großer Teil der echten Innovationen findet darunter statt.


Es grüßt aus Darmstadt

Meinolf Droege

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