Editorial KM 3/2022

Annina Schopen,

Es ist wie in einem schlechten Film,

.. sagte kürzlich eine junge Frau auf Englisch, der ich in der Regionalbahn begegnete. „Es ist so unfassbar, dass das alles in unserer Zeit und hier mitten in Europa geschieht.“

© WBM

Und nach einem Blick auf ihr Handy: „Alle paar Minuten bekommen wir neue Nachrichten, dass wieder etwas explodiert oder niedergebrannt ist. Ich hätte nie gedacht, dass wir mal von zu Hause weg müssten, in die Fremde, ohne zu wissen, wie es weitergeht.“ Die Frau war mit ihrer Familie aus Kiew geflohen und auf dem Weg nach Holland zu Freunden. Alles, was die fünfköpfige Familie noch besitzt, passt in einen Koffer und zwei Rucksäcke. In diesem Moment habe ich mir so sehr gewünscht, ihnen viel mehr helfen zu können als nur mit dem Weg zum richtigen Gleis am Frankfurter Hauptbahnhof.

Es fällt schwer, angesichts dieses Leids über die wirtschaftlichen Folgen dieses Krieges zu sprechen. Aber auch die sind längst spürbar und bei uns angekommen, sei es in Form von hohen Benzinpreisen oder leer gekauften Speiseölregalen. Online unter http://www.kunststoff-magazin.de finden Sie in unserem Special zum Ukrainekrieg die neuesten Entwicklungen zu dem Thema, hier im Heft nur eine kurze Zusammenfassung auf Seite 6.

Es gibt aber noch ein weiteres Thema, das in diesem Jahr in den Hintergrund gerückt ist, aber doch Erwähnung finden sollte: Am 8. März war der 111. Internationale Frauentag. In einigen Ländern ist dieser Tag ein Feiertag, so zum Beispiel in der Ukraine, wo Frauen an diesem Tag eigentlich beschenkt werden. Frauen haben in diesen mehr als 100 Jahren viel geleistet und tun es noch. Aber es gibt viele Gründe, warum dieser Tag auch 2022 immer noch ein wichtiger ist: Frauen verdienen in Deutschland im Durchschnitt immer noch 18 % weniger als Männer, sie sind statistisch stärker von Altersarmut bedroht und nicht mal jede dritte Führungsposition ist hierzulande von einer Frau besetzt – damit liegt Deutschland im EU-weiten Vergleich im unteren Drittel.

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Mit einer der Frauen in einer Führungsposition haben wir uns unterhalten: Im Interview auf Seite 28 berichtet Daniela Dingfelder, operative Geschäftsführerin bei Deguma, wie das Unternehmen die Corona-Zeit als Chance genutzt hat und in der Pandemie gewachsen ist und wie der Nachhaltigkeitsgedanke in einem Unternehmen, das sich unter anderem auf die Modernisierung gebrauchter Maschinen spezialisiert hat, umgesetzt wird.


Ich grüße Sie herzlich,

Ihre

Annina Schopen

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