Editorial

„Das Teufelsding aus Dingolfing“

dichtete der deutsche Volksmund im März 1953. Ziel des Spotts: Der Goggo, ein Kleinstwagen etwa im Format des aktuellen Smart, befeuert von einem 13,6 PS starken Zweitakter, geschöpft aus knapp 250 cm³ Hubraum. Man beachte: Damals spielte bei der Leistungsangabe noch die Nachkommastelle eine Rolle. Später kamen dann stärkere Motoren bis 0,4 Liter Hubraum dazu. Trotz allen Spotts: Der „breitgezogene Roller“ war ein mutiges Projekt, und ein erfolgreiches. Kurz nach Gründung der Bundesrepublik, während sich das Wirtschaftswunder anbahnte, entwickelte sich ein Bedarf an einfachen und bezahlbaren Fahrzeugen.

Den Bedarf erkennen – oder zu erahnen – ist die Voraussetzung für jede kommerziell erfolgreiche Entwicklung. Firmengründer Hans Glas hatte vermutet, das zwischen Moped und Luxusgefährt ein Markt entstehen würde und setzte seine Ideen konsequent um. Und damit war er sogar international erfolgreich, der Goggo-Sound tönte auch in Nord- und Südamerika und sogar in Australien. Dass die Produktion des Goggo Ende der 60er Jahre ohne Nachfolger auslief, zu dieser Zeit schon produziert unter BMW-Regie, ändert nichts am Charme der Idee: Exakt auf einen sich entwickelnden Bedarf und Markt hin ein Produkt anzubieten.

Das Rezept ist universell und auch in der K-Branche erfolgreich. Energieeinsparung ist ein Boom-Thema, auf das in den letzten 18 Monaten nahezu alle Maschinenhersteller aufgesprungen sind. Das ist natürlich sehr zu begrüßen, die marketingtechnische Wirkung ist jedoch bescheiden, wenn viele Anbieter etwas Ähnliches tun. Es gilt, frühzeitig Trends zu erkennen, um sie später voll nutzen zu können. Das Thema Energieeinsparung wurde bereits vor mehr als 25 Jahren, als die Kosten für Öl in der Industrie nur eine kleine Rolle spielten, besetzt: Das Unternehmen Oni trat mit der Idee am Markt an, in der Kunststoffproduktion den spezifischen Energieverbrauch und damit die Kosten zu senken. Maschinenabspeckung, also das Anpassen der Leistung an den tatsächlichen Bedarf, Wärmerückgewinnungsanlagen an Maschinenkühlungen und anderes waren unter den gegebenen Marktbedingungen schwer zu verkaufen.
Mit jedem Pfennig, den die Ölmultis (und die Steuerrechner) aufschlugen, wurde das Thema attraktiver, der Markt für Systeme und Dienstleistungen rund um die Energieeinsparung wuchs. Auch wenn die Preise für Strom, Gas und Öl inzwischen leicht unterhalb der Spitzenwerte des letzten Jahres liegen, haben Unternehmen, die den Energieverbrauch nachhaltig gesenkt haben, gerade in der aktuellen Situation die deutlich besseren Karten in der Hand. Und damit der Unternehmer, der ausgereifte Technologien dafür anbietet.

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In Zeiten mangelnder Auslastung vieler Fertigungen stellen Unternehmer die Frage, ob es nicht sinnvoller ist, auf die letzten fünf Prozent Produktionsgeschwindigkeit zu verzichten und in Maschinen zu investieren, die deutlich kostengünstiger sind und sich vielleicht einfacher einrichten und umrüsten lassen. Gleichwohl wollen sie auf solide Qualität nicht verzichten. Vielleicht tut sich ein Markt jenseits hochgerüsteter Fertigungszellen auf, der mit der gesamten Erfahrung des jahrzehntelangen Kunststoffmaschinenbaus wettbewerbsfähig bedient werden kann.

Allerdings wird auch hier gelten: Wer eine Nische zuerst besetzt, wird am ehesten davon profitieren, wenn die sich ausweitet.

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