Editorial

Das Licht…

…nicht unter den Scheffel stellen, sondern hell strahlen lassen, auf dass die Mitmenschen wissen, welche Leuchte hier zu Werke geht. So etwa lautet das Rezept, will man wirksam darstellen, dass das eigene Unternehmen mehr kann als andere.

Da höre ich ganz beiläufig im Tischgespräch vom Konstrukteur eines Kompressorenherstellers, man habe den Kollegen im Nachbarbetrieb mal eben geholfen, deren latentes Standzeitproblem des werkzeuginternen Antriebs eines speziellen Drehkerns in den Griff zu bekommen. Schließlich habe man jahrelange Erfahrungen mit sehr unterschiedlichen Beschichtungen, und so sei das „keine große Sache“ gewesen.

Vier Tage später – Besuch bei einem Hersteller von Zerkleinerungsanlagen: Das Unternehmen gilt im Markt als grund solide und ist den Insidern für seine leistungsfähigen, individuellen und praxisgerechten Maschinen und Anlagen bekannt. Dass es sich tatsächlich aber nicht nur um einen Maschinenbauer mit enormer Fertigungstiefe, sondern um eines der innovativsten Unternehmen der Branche handelt, mit dem vermutlich weltweit größten und vielseitigsten Technikum, ist weniger bekannt. Eher beiläufig werden dann noch ein paar Zahlen nachgeschoben. Aktuell hält man rund 180 Patente, zwölf davon wurden allein im Jahr 2010 erteilt.
Zweimal ein jeweils kurzer Blick hinter die Kulissen von Unternehmen, deren enormes Know-how und deren Innovationspotenzial Außenstehenden sich nicht auf den ersten Blick erschließt. Was schade ist. Während diese und viele vergleichbare Hersteller Spitzenprodukte und -services anbieten, die vom zumeist langjährigen Kundenstamm mehr als geschätzt werden, dringen diese Informationen über die wahre Leistungsfähigkeit nur unzureichend in den Markt – und zu potenziellen Interessenten.

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Wenn – um im Bild zu bleiben – so mancher Consumer-orientierte Anbieter helle Lampen zündet, wo es wenig zu beleuchten gibt (der Begriff Blender muss ja einen Ursprung haben), wenn Leistungsunterschiede der Wettbewerber sich in der Intensität der Werbemaßnahmen erschöpfen, ist das sicher kein nachahmenswertes Rezept. Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo zwischen den Extremen, zwischen plan- und grundlosem Dauergetöse um Nichts und der Introvertiertheit so mancher Innovationsriesen. Es gilt, in der Außendarstellung sachlich, aber vernehmlich und überzeugend aufzuzeigen, zu welchen Leistungen man fähig ist. Besondere Fähigkeiten, die mancher gestandene Unternehmer und dessen Angestellte als Tagesgeschäft abtun, sind für bisherigen Nicht-Kunden vielleicht der Grund oder zumindest der Anlass, sich mit den Angeboten näher zu beschäftigen. Was beiden nutzen kann.

Eine angemessene und wirksame Darstellung des Unternehmens ist keine einfache Aufgabe. Der erste Schritt ist, sich der eigenen Stärken bewusst zu werden und sie zu formulieren. Dann ist es deutlich einfacher, den Scheffel zu lüften und das Licht über den bisherigen Kundenkreis hinaus leuchten zu lassen.

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