Editorial

Mutig voran

schreitet Flugzeugbauer Boeing – bei der Preisgestaltung: Trotz der schweren Krise erhöht Boeing die Preise um durchschnittlich 2,6 Prozent, meldete die Financial Times am 9. Februar. Bemerkenswert ist die Begründung dieses mutigen Tuns: Dabei handele es sich um die Weitergabe gestiegener Personal- und Materialkosten und nicht um einen zusätzlichen Aufschlag.

Jetzt fragen wir uns natürlich, wann endlich der erste Maschinenbauer unserer Branche aufsteht und verkündet, er wolle ab sofort einen zusätzlichen 2,6-Prozent-Obolus eintreiben, um seine gestiegenen Kosten auszugleichen. Wer immer das auch sein wird – viel Glück!
Nun ist der Flugzeugbau weder mit Spritzgießmaschinen- oder Extruderbau noch mit anderen Sparten der K-Branche direkt vergleichbar. Zum einem ist Boeing ein Multimilliarden-Dollar-Konzern, zum anderen existiert mit Airbus aktuell nur ein ernstzunehmender Wettbewerber weltweit. Zudem verwischen sich zumindest für den Außenstehenden mitunter die Grenzen zwischen staatlichen Aufträgen und Subventionsmaßnahmen.

Andererseits werden auch hier „nur“ Investitionsgüter gebaut und gehandelt. Und die laufen derzeit nicht so richtig, um es milde zu formulieren. So sei der Auftragseingang im Januar auf nur noch 18 Maschinen abgerutscht, nachdem im Vorjahrsmonat noch 65 Maschinen geordert worden waren. Die Zahl der Stornierungen lag höher als die der Bestellungen. Nun hat man wohl erkannt, dass es einiger neuer Ideen bedarf. Unter anderem will man den Kunden wirksamer als bisher bei der Beschaffung unter die Arme greifen, sprich neue Finanzierungskonzepte anbieten. Schon bisher ist Flugzeugverkauf nahezu immer auch ein Bankengeschäft, fast alle Flugzeuge werden geleast. Offensichtlich sieht man jedoch noch Potenzial für intelligentere Lösungen, beispielsweise die Einbeziehung von Wartungsleistungen über längere Laufzeiten. Auch das Vermarkten internen Know-hows, beispielsweise in Sachen Datenschutz und IT-Sicherheit stehen zur Diskussion.

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Welche Konzepte – neben dem künftig sicher noch verstärkten Anzapfen staatlicher Hilfen – entwickelt werden und auch greifen, bleibt abzuwarten. Solche Maßnahmen sind auf den Vertrieb von Blasformanlagen oder Kalander voraussichtlich nicht eins zu eins übertragbar, vielleicht kann aber die eine oder andere Idee inspirieren. Besser noch: Selbst ein Leistungsportfolio rund um das eigentliche Produkt entwickeln oder ausbauen. Nun hat der Maschinenbau ja nicht geschlafen in den letzten Jahren, sich aber in „guten Zeiten“ häufig auf die Kernprodukte konzentrieren müssen. Dass ein erweitertes Serviceportfolio Stabilität ins Unternehmen bringen kann, dürfte weitgehend bekannt, aber erst selten in der möglichen Tiefe realisiert sein. Service sehe man als stark wachsendes und attraktives Geschäftsfeld, stellte ein Extruderspezialist vor einigen Tagen fest. Allerdings sei dieser Bereich mehr als ein Ersatzteillieferant. Hier werden mit Kunden Modernisierungskonzepte für mechanische, elektrische und elektronische Komponenten erarbeitet und realisiert, um die Laufzeiten bestehender Anlagen zu verlängern, deren Ausstoß zu verbessern oder die Produktqualitäten auf ein neues Level zu heben. Sicher einer von vielen Ansätzen, die in noch vielen Unternehmen ausbaufähig sind.
2,6 Prozent mehr und ein Ausgleich für Währungskursschwankungen – das dürfte in unserer Branche eher als verfrühter Aprilscherz denn als Konzept zum Generieren von Mehreinnahmen taugen. Schauen wir einmal, wo die intelligenteren Lösungen liegen, was der Markt uns in den nächsten Monaten präsentieren wird.

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