Editorial

Energieeffizienz

ist das Schlagwort im Vertrieb, egal ob es um Spritzgießmaschinen, Extrusionsanlagen, Automatisierungskomponenten oder sonstige Technologien und Peripherietechniken geht. Auch wenn sonst kein Argument mehr zieht. Nun hat ein gebildeter Mensch- und Völkerkenner schon vor geraumer Zeit festgestellt, dass beim Deutschen der Steuerspartrieb deutlich ausgeprägt sei als der Fortpflanzungstrieb. Was auch maximalkomplizierten Anlagefonds zu reichlichen Geldzuflüssen verhilft – oder verholfen hat, bis selbige kollabierten. Diesem Steuerspartrieb könnte nun eine neue Sparvariante den ersten Platz in der Rangfolge lässlicher Charakterfehler streitig machen: Der Drang zur Energieeffizienz, dem vornehmen Synonym für Energieeinsparung. Nachdem dank staatlicher Zuschüsse die meisten Ein- und Mehrfamilienhäuser in dicke EPS-Umhüllungen (ja, wir haben geschickt den Begriff Styropor vermieden) gesteckt wurden, hat das Schlagwort nun die gesamte Kunststoffbranche im festen Griff.

Gut, mit dem gleichen Energieeinsatz mehr zu produzieren, kann nicht schlecht sein. Grundsätzlich. Aber wenn mir der Heizmanschettenhersteller erklärt, er habe den Energieverbrauch seiner Produkte um satte 29 Prozent herunter gefahren, bei gleicher Heizleistung versteht sich, dann werde ich misstrauisch, zumal die Manschette genau so aussieht wie früher und das technische Prinzip wenig Einsparpotenziale bietet. Aber ich lasse mich gern belehren. Bei näherer Betrachtung findet sich tatsächlich eine leicht veränderte Isolierung, die das eine oder andere Prozentchen bringen könnte. Man weiß es nicht so genau. Bei näherer Betrachtung des Datenblatts findet sich aber auch ein deutlich höherer Preis. Ein mutiger Schritt in dieser Zeit. In der Summe jedenfalls sieht das eher nach Trittbrettfahrer aus.
Nachweislich energiesparende Motore, bedarfsgerecht regelnde Hydraulikpumpen, Vakuumspanntische, die mehr können als ein- oder auszuschalten, der Einbau natürlicher Belichtungsmöglichkeiten, um teure Beleuchtungsanlagen mit hohen laufenden Kosten einzusparen oder geschickte Schaltkonzepte für Kompressoren – an vielen Ecken bieten sich Einsparpotenziale. Von modernen Energierückgewinnungen, die komplette Heizanlagen überflüssig machen, gar nicht zu reden. Es gilt jedoch jeweils kritisch zu prüfen, ob die versprochenen Einsparungsmöglichkeiten einer Maschine oder Anlage beim eigenen Nutzungsprofil wirklich zum Tragen kommen und ob sich die eventuell höheren Investitionskosten in überschaubarer Zeit rechnen. Detailarbeiten statt Schlagworte sind gefragt.

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Aber vielleicht bringen wir unseren Mitarbeitern erst einmal bei, das Fenster zu schließen, wenn die Klimaanlage läuft und den Lichtschalter zu betätigen, wenn sie das Büro verlassen.

Mit nicht so sparsamen Grüßen

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