Editorial

In prächtiger Verfassung

zeigte sich die soeben beendete K 2010 auf dem Düsseldorfer Messegelände. Mit rund 220.000 Besuchern lag der Andrang zwar rund 9 Prozent unter dem absoluten Rekordwert des Jahres 2007, wichtiger scheinen mir jedoch Stimmung, Statements und konkrete Aussagen der Teilnehmer - Aussteller und Besucher - zu sein. Man kann kein durchgehend einheitliches Fazit ziehen, dafür sind die Internationalität, die Breite der Themen und Produkte und nicht zuletzt die Erwartungen zu unterschiedlich. Festzustellen ist aber eine nahezu einhellig positive Grundstimmung auf dem gesamten Gelände, bis hin zu bemerkenswerten Aussagen: "Jetzt sind gute Margen zu erzielen - aber wir können nicht ausreichend liefern", gehört sicher zu den bemerkenswertesten. Denn: Fehlende oder nur mit längeren Vorlaufzeiten zu beschaffende Materialien und einzelne Baugruppen sowie die zumeist wieder gut gefüllten Auftragsbücher sorgen für zunehmende Lieferzeiten im In- und Ausland. Innerhalb weniger Monate ist die Branche offenbar von einem Extrem ins andere gerutscht: Von Hangelpartien, um wenigstens die qualifizierten Mitarbeiter halten zu können ging es fast nahtlos zur Vollbeschäftigung mit drohenden oder schon vorhandenen Lieferengpässen über.

Was außerdem auffiel: Die enorme Fülle der Neuentwicklungen lässt darauf schließen, dass die meisten Unternehmen in der Krise nicht untätig waren, sondern aus der Not eine Tugend gemacht haben: Die Ressourcen wurden anscheinend - über das ohnehin latent vorhandene hohe Innovationslevel hinaus - für intensive Produktoptimierungen und die Realisierung ganz neuer Ansätze genutzt.

Ein Indikator für die weiter zunehmende Internationalisierung der Branche ist die Herkunft der Besucherströme: Inzwischen kommen knapp 60 Prozent der Besucher nicht aus Deutschland und mehr als die Hälfte davon nicht aus Europa.

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Völlig unabhängig von der Herkunft: Ein Problem traf alle gleichermaßen: Die teils chaotische Verkehrssituation rund um das Messegelände, vor allen an den ersten Tagen, ließ auf manchem Stand die Lichter erst deutlich nach der offiziellen Eröffnung angehen. Ihren Teil dazu beigetragen hat die Unzahl der Baustellen in Düsseldorf. Während die Aussteller der K nun wirklich zu jeder Frage und zu jedem Besucherwunsch Stellung genommen haben, blieb die Frage, ob eine eher kleine Stadt, die das "Dorf" vielleicht nicht zufällig im Namen trägt, unbedingt eine U-Bahn braucht, unbeantwortet.

Die nächste K ist schon terminiert: Wir sehen uns wieder in Düsseldorf vom 16. bis 23. Oktober 2013. Oder auf einem der vielen Events zwischendurch, beispielsweise zur Euromold in Frankfurt ab 1. Dezember, also in rund vier Wochen.

Meinolf Droege, Chefredakteur

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