Editorial

Mitarbeiter

an die Macht – jedenfalls ein klein wenig. Die Idee der Beteiligung von Mitarbeitern an unternehmerischen Entscheidungen ist nicht neu und war in Form der „paritätischen Mitbestimmung“ vor allem in Bergbau und Stahlindustrie, der deutschen Montanindustrie, fest verankert. Was sich aus geschichtlichen Gegenenheiten und politischen Erwägungen der letzten 100 Jahre entwickelte und Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts in Gesetzesform gepresst wurde, hat die Zeiten allerdings nur in Fragmenten überlebt.

Weniger beachtet, aber vielleicht noch wirksamer ist die Mitarbeiterbeteiligung in Form von Shareholdern, als Aktienbesitzer. Halten Mitarbeiter Unternehmensanteile, seien es auch nur kleine, sind sie nicht nur direkt monetär am Unternehmenserfolg beteiligt, sondern können – neben den Kommunikationsmöglichkeiten als Arbeitnehmer – auch ihren Einfluss als Aktionär nutzen.

Damit haben Unternehmen ein wunderbares, vielfältiges einsetzbares Instrument in der Hand: Zur Motivation der Mitarbeiter, vor allem aber als Pfand bei der Suche nach neuen Kräften und zur Senkung der Fluktuationsrate.

Was in höheren Führungsebenen von Konzernen gang und gäbe ist – die Ausgabe von Aktien als Gehaltsbestandteil und/oder als Bonus – wird bei „gewöhnlichen“ Mitarbeitern noch eher verhalten genutzt. Das liegt aber offensichtlich nicht an der Trägheit der Masse, wie gelegentlich behauptet. Wenn, wie Lanxess bekannt gibt, 73 Prozent der knapp 8000 deutschen Konzernbeschäftigten im laufenden Jahr Aktien des eigenen Arbeitgebers erworben haben, spricht das eine andere Sprache. Offensichtlich kommt es auf die Attraktivität des Angebots an – und sicher auch und vor allem auf den Glauben an die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.

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Sicher, die Konditionen des Aktienerwerbs mit rund der Hälfte des Börsenwertes scheinen bei Lanxess außergewöhnlich günstig. Aber trotzdem: Mitarbeiter, die nicht an ihren Arbeitgeber glauben oder um ihren Job fürchten, werden nicht in Aktien investieren. Und Unternehmen, die nicht an ihre Mitarbeiter glauben, sondern ihr Heil ausschließlich in übermäßigen Optionen für ihren Vorstand sehen, vergeben eine Chance auf nachhaltige Pflege und Ausbau der Mitarbeiterschaft – und auf das längerfristige Halten von Know-how-Trägern.

Einen Vorstand zu bekommen, könnte in den nächsten Jahren einfacher sein als einen guten, spezialisierten Konstrukteur oder Produktionsplaner – um es einmal zuzuspitzen. Also gilt es, pfiffige Leute ins Unternehmen zu holen und dort zu binden. Aktiengesellschaften stehen dazu viele Möglichkeiten offen. Sie gilt es zu nutzen.


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