Editorial

Tod eines Dinosauriers

In dieser Titelzeile lässt sich das Ende des Formel 1-Engagements von Toyota zusammen fassen. Meint jedenfalls der Spiegel. Und er macht auch gleich die Ursachen aus: "Es geht nicht mehr darum, mit einer Tausendschaft von Angestellten mit unerschöpflichen Quellen von Geld und Material ein Rennauto bauen zu lassen." Und er führt auch gleich ein Indiz an für die Richtigkeit dieser These: "...blamiert von effizienten Teams wie Brawn und Red Bull Racing, dahingerafft von der Evolution wie ein tapsiger Dinosaurier...". Will sagen: Wer es in acht Jahren und 139 Rennen trotz nahezu unbeschränkter Ressourcen zu keinem einigen Sieg bringt, macht etwas falsch. Oder hat nicht die richtigen Köpfe unter Vertrag. Denn die Autoren setzen schonungslos noch einen drauf: "Präsident John Howett, ein Verkäufer und Marketingspezialist, verstand kaum etwas vom Rennsport, dafür aber viel davon, auf dem eigenen Posten zu überleben".

Die Bestandsaufnahme der Situation dürfte sich für all jene, die sich nicht für den Rennsport begeistern, nach der Beschreibung eines ganz gewöhnlichen Industrieunternehmens aus einer beliebigen Branche anhören. Erstarren in behördenartigen Strukturen und ein systemimmanentes Unterdrücken von Kritik und unkonventionellen Ideen in großen Unternehmen und Konzernstrukturen kann dauer-haft auch ein steter Geldzufluss nicht aufwiegen. In keiner Branche. Nun dürften sich unter den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Fälle, die trotz langfristiger Erfolglosigkeit weiter subventioniert werden, in Grenzen halten. Aber gerade in dieser Situation, in der die Märkte den Anbietern hinsichtlich der Kostengestaltung sehr enge Grenzen setzen, andererseits Spitzenleistungen fordern, können sich flexibel agierende und innovative Anbieter an die Spitze drängen. Zudem zeigt die Entwicklung, dass gutes Marketing den Erfolg einer Marke mitbestimmt, aber ambitionierte und motivierte Techniker die Basis dafür liefern - wenn man sie denn lässt und auch bereit ist, sie zumindest gelegentlich an unkonventionellen Ideen arbeiten zu lassen.

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Was lehrt uns die Toyota-Story? Einen Hinweis gibt uns ein weiteres Zitat: "War das Auto schnell, konnte das so recht niemand erklären; war es langsam, wusste auch keiner so recht, woran es liegen könnte. Wie bei vielen Dinos war das Hirn zu klein für den Koloss." Wenn sich in Ihrem Unternehmen nicht einmal jemand so recht die Gründe für den Erfolg eines Abschlusses erklären kann, könnte das also auf verbesserungswürdige Strukturen hindeuten.

Mit dem Wunsch, dass sich in ihrem Unternehmen nicht nur Erfolge einstellen, sondern diese auch erklär- und wiederholbar sind, wünsche ich Ihnen einen guten Jahresabschluss. Denn diese Ausgabe des Kunststoff Magazins ist die letzte des laufenden Jahres. Aktuell erreichbar sind natürlich unsere Internetseiten. Auch hier freuen wir uns über Ihren Besuch.

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