Editorial

Vuvuzelas – wie gemacht – so zerhackt

Werbung mit dem Hinweis, den Vuvuzelas quasi ans Licht der Welt zu helfen, taugt nur bedingt dazu, sich Freunde zu machen. Der eine oder andere Gehörgang dürfte noch heute in Falten liegen. Immerhin: Die Tröten waren während der WM allgegenwärtig und sorgten dafür, dass weltweit das Thema Kunststoff in aller Munde war.

So informierte uns der Spritzgießmaschinenhersteller Arburg darüber, dass einer ihrer Kunden, das Unternehmen Sandeplast in Kapstadt, die auch Allrounder-Spritzgießmaschinen einsetzt, Stadien und Fanshops großzügig mit den Vuvuzelas eingedeckt hat, und das schon seit 2001. Ähnliches gelte für die Allit AG in Bad Kreuznach. Auch dieses Unternehmen profitierte vom Hype um die Lärmmacher und hatte gleich 13 Spritzgießwerkzeuge am Start. Um dem je nach Standpunkt ohrenbetäubenden oder hippen Gedröhne den richtigen Nachdruck (oder Schalldruck) zu verpassen, wurden allein hier, sage und schreibe 4,5 Millionen zusammensteckbare Mini-Alphörner in allen möglichen Farbkombinationen ebenfalls auf Maschinen aus dem Schwarzwald gespritzt. Wer genau wissen will, wie das funktioniert, sollte diesem Link folgen: www.tivi.de/infosundtipps/vollangesagt/artikel/32894/index.html

Und weil der Volksmund so schön formuliert, dass dem einem Gesang des anderen Lärm ist, hat sich mit dem Unternehmen Untha, beheimatet im österreichischen Kuchl nahe Salzburg, auch promt jemand gefunden, der dem Lärm den Garaus macht: Mit robuster Technik geht’s dem (Blas-)Körper an den Kragen und im Nu verschwinden die bunten Kunststoffinstrumente im patentierten Vier-Wellen-Zerkleinerer. Da pfeifen sie nicht einmal mehr aus dem letzten Loch, mit einem mittelprächtigen Knirschen hauchen sie ihr Leben ziemlich undramatisch aus. Und auch dazu gibt es das passende Video: www.youtube.com/watch?v=gtp53FaPibM.
Komplex oder spektakulär aus Verarbeitersicht sind die Vuvuzelas sicher nicht, aber ein Beispiel dafür, wie man in kurzer Zeit eine Unmenge von Teilen nicht nur produzieren, sondern auch weltweit distribuieren kann. Vor allem aber zeigt es, dass Maschinenhersteller gelernt haben, ein interessantes Projekt, auch wenn es technologisch nicht zu den imageträchtigsten gehört, marketingtechnisch zu nutzen. Auch das ist ein Wert an sich und im Wettbewerb ein durchaus taugliches Mittel.

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Das nächste Marketinggewitter steht nun direkt vor der Tür: Die K beschert uns ein mehr als pralles Postfach – wir sind schon kräftig beim Sortieren und werden Ihnen die Rosinen raussuchen. Und das werden ganz sicher keine Geschichten rund um die Vuvuzela sein.

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