Editorial

Geht doch!

Dass der Einsatz von Recyclingmaterial grundsätzlich kritisch gesehen wird, hat Tradition: Während meiner Diplomarbeit habe ich mich unter anderem mit Kosten und Nutzen verschiedener Recyclingsysteme beschäftigt, damals allerdings für diverse Bauschuttfraktionen. Und siehe da: Die Post weigerte sich sogar, Brechsand aus Betonaufbruch als Verfüllmaterial für ihre Kabelgräben zuzulassen. Immer nach dem Motto: „An meine Kabelrohre lasse ich nur Wasser und reinsten Rheinsand!“

Die Post als Telefonanbieter ist ebenso Geschichte wie das Gezerre um das Verfüllmaterial. Ob der Farbwechsel von Gelb zu Magenta nun nachhaltigen Erkenntnisgewinn geschaffen hat, darf getrost bezweifelt werden. Immerhin der zweite Wortbestandteil, der Gewinn, bzw. die Aussicht auf selbigen und das Machtwort irgend eines Einkäufers dürften dem Recyclingmaterial in diesem Fall den Weg geebnet haben.
Rund 25 Jahre später, ähnliche Situation: Farbeimer aus Baumärkten sind typischerweise Einwegprodukte. Wenn sie nicht einem sekundären Einsatzzweck als Schutteimer oder zum Lagern von Werkzeug auf der Baustelle dienen, wandern sie umgehend in den Müll, im besseren Fall in den „gelben Sack“. Nur in verschwindend geringer Stückzahl werden sie in Mehrwegsystemen genutzt. Trotzdem bestehen die Eimer bislang fast ausschließlich aus neuen Kunststoffen. Nun haben die zur Rewe-Gruppe gehörenden Toom-Baumärkte angekündigt, zunächst für weiße Wandfarbe einen Eimer zu verwenden, der nahezu komplett aus Recyclingware besteht. In einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Farbenlieferant Ostendorf und Interseroh sei es gelungen, einen Eimer zu konzipieren, dessen Materialeigenschaften denen von Produkten aus Neuware entsprechen.

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Na also, geht doch! Zwar verlautete nichts zum Thema Kosten, ich vermute aber, in diesem eher preissensiblen Umfeld dürfte die neue Lösung zumindest nicht teurer sein. Und den Werbeeffekt des schonenden Umgangs mit Ressourcen – ob gerechtfertigt oder nicht – gibt’s kostenlos dazu.

Also keine Angst vor dem Einsatz recycelten Materials: Die technischen Probleme sind häufig beherrschbar, wenn man sich die richtigen Partner sucht. Und die Erfahrungen sind häufig nutzbringend auf weitere Produkte zu übertragen.

Damit ist nicht gemeint, dass wir, wie es immer mal wieder geschieht, mit recycelten Presseinformationen versorgt werden möchten, also Meldungen, die es wortgleich schon vor zwei Jahren gab. Das ist nämlich kein Beleg dafür, das Recyclingware eine besondere Lebensdauer aufweist…

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