Editorial

Rosa statt Blau?

Belustigtes Grinsen und fragend hochgezogene Augenbrauen hielten sich in der Redaktion etwa die Waage, als der Vorschlag in den Raum geworfen wurde, diese Seite mit einem rosafarbenen Kopfbalken und einer ebenso eingefärbten Unterschrift zu versehen. Der Hintergrund: Nachdem Berichte durch die Medien zogen, der Media Markt habe versuchsweise Abteilungen aufgebaut, die vor allem Frauen ansprechen sollen, können wir natürlich nicht nachstehen, diese Bevölkerungsgruppe verstärkt zu umwerben. Und diese Abteilungen heben sich wohl vor allem durch den vermehrten Einsatz der Farben Rosa und Pink in diversen Schattierungen ab, bei der Einrichtung und der Produktauswahl.

Schweren Herzens haben wir uns jedoch entschlossen, auf den rosaroten Rahmen in dieser Ausgabe zu verzichten, nicht zuletzt auch auf Intervention unserer etwa paritätisch männlich und weiblich besetzten Online-Abteilung. Was lehrt uns das? Eine Sonderbehandlung ist nicht zwingend gewünscht, sie kann sogar kontraproduktiv sein. So reagierte die auffallend junge Ingenieurin, die den Messeaufbau eines der größten Aussteller zur letzten K leitete, mit Unverständnis auf meine Frage nach ihrer Rolle im Team. Sie wollte sich wohl einfach nur als Technikerin mit Leitungsfunktion akzeptiert sehen. Vermutlich wird diese Kollegin die wohlgemeinte Media Markt Abteilung eher meiden.

Andererseits kann sie natürlich prima als Ansprechpartnerin für den vor einigen Tagen wieder bundesweit absolvierten „Girls Day“ dienen, der natürlich auch in unserem Haus standesgemäß begangen wurde. Statt end- und freudlos über die Bedingungen für die Zulassung ausländischer Arbeitnehmer in Mangelberufen zu diskutieren – beteiligt an diesen Diskussionen sind leider eher Politiker als Techniker – ist hier ein enormes Potenzial zu erschließen. Zumeist geht es nicht um Aufgaben, die körperliche Kräfte voraussetzen, am CAD-System oder in der Produktionsplanung sind vor allem Geist und Ehrgeiz gefordert.

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Wenn Frauen in Schulen gehen und dort mit guten Argumenten um Interessenten für technische Ausbildungsgänge werben, wie es das Kunststoff-Netzwerk Oberfranken tut, ist das sicher der erste gute Schritt. Aber es müssen weitere folgen. Technische Berufe als Sprungbrett zur interessanten, auch internationalen Karrieren darzustellen gelingt eher selten. Ein zuweilen ruppiger Umgangston von Professoren und wissenschaftlichem Personal an Fachhochschulen und Universitäten gegenüber weiblichen Studierenden in Informationsveranstaltungen ist wenig förderlich. Sogar „zwischen den Zeilen“ geschlechtsspezifisch ausgeschriebene Stellen sind im Ingenieursumfeld durchaus noch an der Tagesordnung.

Um ein paar nun unvermeidlich auftauchenden Uralt-Kalauern vorzubeugen, nach denen Frauen nur mit der Einführung von Didel-Papier oder der Eröffnung eines Schuhgeschäfts neben der Kantine gewonnen werden können: Wer in Zukunft im Wettbewerb bestehen will, braucht gute bis herausragende Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Die fängt man nicht mit einem rosa Laptop, sondern harten Argumenten für das eigene Unternehmen ein. Spätestens da gibt es keine Unterschiede mehr: Ein angemessenes Gehalt, eine zukunftsweisende Unternehmensführung, innovative Produkte und ein angenehmes Arbeitsklima stehen bei Männern und Frauen gleichermaßen auf dem Bewertungsbogen. Daran zu arbeiten muss das Ziel eines (einer) jeden Personalverantwortlichen sein.

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