Meinung

Von Natur pur…

…ist nicht zwingend die Rede, wenn es um naturfaserverstärkte Kunststoffe geht. Trotzdem: Der Begriff eignet sich einerseits zur marketingtechnischen Verwertung. Dahinter kann aber auch echte wirtschaftlich und technisch interessante Substanz stecken, wie Beispiele immer wieder zeigen: So liefert der in der neuen Mercedes E-Klasse eingesetzte Schiebedachrahmen laut Zulieferer IAC immerhin eine Gewichtseinsparung von 50 Prozent gegenüber der üblichen Blechkonstruktion. Das wäre zumindest der Größenordnung nach vermutlich auch mit klassischen Verstärkungsfasern möglich gewesen. Aber es greift eben zusätzlich das nette Argument, dass sich die Konstrukteure um Nachhaltigkeit beim Automobil bemühen. In diesem Fall gingen die Aktivitäten sogar noch einen Schritt weiter: Ein wasserbasierter, emissionsarmer Binder dient als Alternative zum Phenolharz im Duroplast-Bauteil, wie die BASF durchaus werbewirksam mitteilt.

Redaktionssitzung

Die Macher dieser und anderer erfolgreicher Lösungen unter Einbeziehung nachwachsender Rohstoffe stehen eher nicht im Verdacht, in Latzhose und selbstgestricktem Pullover basisdemokratisch bei einem selbstangebauten Tee über ökologische Lösungen für das Automobil der Zukunft zu diskutieren. Kühl kalkulierte Kosten-Nutzen-Rechnungen dürften in aller Regel die Triebfeder sein. Dass diese Rechnung in sehr viel mehr Anwendungen als bisher aufgehen kann, dürfte eher an mangelndem Wissen der Verantwortlichen scheitern, als am Stand der Werkstoff- und Fertigungstechnik. Etwas mehr Mut zu unkonventionellen Lösungen an der einen oder anderen Ecke könnte helfen.

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Es grüßt aus Darmstadt

Meinolf Droege

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