Meinung

Wenn der Spiegel…

…über moderne Technologien berichtet, gibt es dafür typischerweise einen von zwei Gründen: Irgendwo auf der Welt droht eine Katastrophe oder es gibt Neues zu berichten aus der Welt für Spielzeuge für große Buben. Wenn es also nicht um undichte Kraftwerke, Waffenleitsysteme oder gartenzaunübergreifend spionierende Fotodrohnen geht, stehen Smartphones, lustige Gadgets oder Autos im Fokus. In jedem Fall kann man sicher sein, wenn eine neue Technologie vorgestellt wird, ist sie im Consumer-Markt angekommen – zumindest interessiert der sich dafür.

Redaktionssitzung

Vor wenigen Tagen berichtete das Blatt über den 3D-Druck im Zusammenhang mit Oldtimer-Restaurierungen – gleich zwei Themen, die ins obige Schema passen. Und damit kann man sicher sein, dass die generativen Verfahren „im Alltag“ angekommen sind. Den Aufhänger dieser Story lieferte ein Unternehmer, der nicht mehr lieferbare Kunststoffteile für den Innenraum alter Fahrzeuge, vor allem Verkleidungen, im 3D-Druck produziert. Dazu werden vom Kunden gelieferte, defekte Bauteile gescannt, fehlerhafte Stellen im Datenmodell repariert und schließlich das Ersatzteil gedruckt. Bei Bedarf folgt noch eine Oberflächenbehandlung. Damit stehen robuste Ersatzteile zur Verfügung, die sich sicher und problemlos montieren lassen. Inzwischen lassen Oldtimer-Fans offenbar sogar noch intakte Komponenten nachbauen, montieren sie und lagern die Originale sicher ein, um sie bei Bedarf, beispielsweise beim Verkauf des Wagens wieder zu tauschen.

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Über kurz oder lang wird sich in dieser Szene ein neues Dienstleistungsangebot mit verschiedenen Qualitäts- und Preisleveln etablieren. Eine ähnliche Entwicklung, vielleicht nicht ganz so auffällig, weil im B2B- statt im Consumer-Markt, ist für unsere Branchen zu prognostizieren. Der Modell- und Prototypenbau hat die additiven Verfahren bereits weitgehend als Standardverfahren integriert. Vor allem die Einsatzmöglichkeit höherwertiger Kunststoffe wird nun die Produktion einzelner Bauteile und kleiner Serien beispielsweise für den Maschinenbau, vor allem aber für den Anlagen- und Gerätebau auf eine breitere Basis stellen. Und sicher werden auch in unserer Branche demnächst Ersatzteile für die Oldtimer unter unseren Anlagen vermehrt aus dem Drucker kommen.

Ein weites Feld für innovative – und investitionsfreudige – Unternehmen. Es ist allerdings nicht damit getan, einen Drucker und Material zu kaufen und anzuschließen. Die konzeptionelle Einbindung in die Prozesskette zwischen Kunde, Konstruktion, Produktion und Service ist gefragt, um solche Anlagen auszulasten. Und nicht zuletzt die Spürnase, die im 3D-Druck denkt und die Potenziale der Technologie wirklich nutzt.

Es grüßt aus Darmstadt

Meinolf Droege

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