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"…Vertrieb aller Produkte stärken"

Allzu viele Details sind im Zuge der Übernahme nicht bekannt geworden, vor allem hinsichtlich des Kaufpreises und der Behandlung eines Kredites von 15 Mio. Euro, den das Land Niederösterreich zwischenzeitlich als Überbrückung an Battenfeld gezahlt hatte. Allerdings wurde für den Standort Kottingbrunn eine fünfjährige Standortgarantie abgegeben und die weitaus meisten Mitarbeiter übernommen.

Wie wird die neue Führungsstruktur aussehen? In welcher Form wird Wittmann - neben Geschäftsführer Georg Tinschert das Unternehmen Battenfeld führen und weiter entwickeln?

Battenfeld wird als 100%ige Tochter von Wittmann, Wien, selbständig unter dem Namen Wittmann­Battenfeld agieren. Als Geschäftsführer fungiert Georg Tinschert.

Gibt es schon Vorstellungen über das weitere Vorgehen zur Kundendienstgesellschaft in Deutschland und den "Reststandort" Meinerzhagen?

Alle ausgegliederten Serviceaktivitäten von Battenfeld werden umgehend wieder eingegliedert, dies betrifft sowohl den Standort Kottingbrunn als auch Meinerzhagen.

Mit Trocknern, Fördereinrichtungen, Mühlen, Handlingsystemen, Werkzeugtemperierung und Ihrer auf IML­Technologien spezialisierten Formenbautochter in Frankreich bieten Sie schon ein umfangreiches Angebot rund um das Spritzgießen. Inwiefern bzw. mit welchem Volumen erhoffen Sie sich durch den Zukauf Steigerungen in diesen angestammten Produktbereichen?

Wittmann kann jetzt als erster Anbieter weltweit ein umfassendes Gesamtangebot für den Spritzgießbetrieb liefern: Die Spritzgießmaschine samt Werkzeug und Temperierung, die nötige Prozessautomatisierung, sowie die gesamte Materialversorgung bis zum Recycling. Wir haben schon bisher unser Gesamtangebot an Peripheriegeräten sehr erfolgreich verkauft. Wir sind sicher, dass es für unsere Kunden, beispielsweise beim Aufbau neuer Produktionsstandorte interessant ist, nur mit einem Partner zusammenzuarbeiten, der die Gesamtverantwortung trägt.

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Entwicklung, Bau und Vertrieb kompletter Spritzgießmaschinen verlangen andere organisatorische Rahmenbedingungen als es bei Peripheriesystemen der Fall ist, auch wenn Wittmann schon bisher komplexe Fertigungszellen angeboten hat. Wie schätzen Sie die Anforderungen ein und wie wollen Sie die bewältigen?

Synergien ergeben sich bei der Entwicklung einer integrierten Steuerung und Bedienoberfläche für die Maschine, Roboter und Peripheriegeräte. Weiter werden wir unser ausgezeichnetes Know­How in der Servo­Antriebstechnologie in die Weiterentwicklung der elektrischen Spritzgießmaschinenserie bei Battenfeld einbringen. Erhebliche Synergien können aber insbesondere bei der raschen Integration der weltweiten Vertriebsaktivitäten erzielt werden. Durch die Schließung von Meinerzhagen und den Entfall des Großmaschinenprogramms bei Battenfeld entstanden besonders in diesem Bereich erhebliche Verluste. Es ist unser Vorteil, dass Wittmann weltweit ein umfassendes Vertriebsnetz hat. Wir können daher die Vertriebsaktivitäten rasch gemeinsam organisieren und damit den Vertrieb aller Produkte stärken.

Der weltweite Markt für Spritzgießmaschinen wird nicht einfacher werden, einen großen und renommierten Wettbewerber haben Sie quasi vor der Tür. Wie wollen Sie künftig auf dem Weltmarkt punkten? Gibt es Überlegungen nur regional anzutreten?

Wir werden zweifellos die internationale Präsenz von Wittmann und Battenfeld dazu benutzen, auf sämtlichen Märkten das Gesamtprogramm anzubieten. Battenfeld verfügt über ausgezeichnetes Know­How in der Spritzgießtechnik einschließlich patentiertem Air­Mold­Verfahren, Pulverspritzguss, Mehrkomponentenspritzguss usw. Wir werden daher auf der Basis dieser ausgezeichneten Technologien das Maschinenprogramm weiterentwickeln. Wittmann­Battenfeld ist ein Unternehmen mit weltweit rund 1500 Mitarbeitern und rund 250 Mio. EUR Umsatz. Damit haben wir das Potential zum weiteren raschen Ausbau unserer Marktanteile.

Als typisch mittelständisch geführtes Unternehmen planen Sie, wie Sie schon in früheren Gesprächen versicherten, auf längere Sicht. Wann werden die Battenfeld­Unternehmen voraussichtlich ein positives Betriebsergebnis liefern?

Wie schon oben erwähnt, werden wir bei Battenfeld sehr rasch die Vertriebstöchter reorganisieren. Im Stammwerk in Kottingbrunn wurden bereits unter der Geschäftsführung von Georg Tinschert die nötigen Schritte eingeleitet um die Organisation und Beschaffungsstruktur zu straffen. Von den ursprünglich 470 Mitarbeiter/innen werden wir etwa 400 übernehmen und können damit die Firma in einer schlanken Organisationsstruktur mit positivem Betriebsergebnis weiterführen.

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