26. Stuttgarter Kunststoffkolloquium

Wirtschaft und Wissenschaft treffen aufeinander

Am 27. und 28. März 2019 lädt das Institut für Kunststofftechnik (IKT) der Universität Stuttgart zum 26. Stuttgarter Kunststoffkolloquium ein. Das Event ist seit 1969 ein Branchentreff für Industrie und Wissenschaft und soll den Teilnehmern einen Überblick über Themen der gesamten Kunststoffbranche vermitteln.

Das 25. Stuttgarter Kunststoffkolloquium Lockte rund 350 Teilnehmer. © IKT

Dieses Jahr präsentiert sich das Stuttgarter Kolloquium mit mehr als 40 Vorträgen in drei Parallelsessions. Diese werden erneut unter dem Zeichen der Themengebiete Forschung an Maschine und Verfahren, Leichtbau mit Kunststoffen und Forschung am Werkstoff stehen und sich einer Vielzahl aktueller Themen widmen., verspricht der Veranstalter.

Die numerische Strömungssimulation gewinnt in Kunststoffverarbeitungs- und Kunststoffaufbereitungsprozessen an Bedeutung. Dabei stehen besondere reaktive Strömungen, Faser-Fluid-Interaktion und die Abbildung komplexer Bewegungen, wie sie bei Ko-Knetern auftreten, zunehmend im Fokus.

Ein weiterer zunehmend wichtiger Faktor ist die gezielte Einstellung von Eigenschaften bei der Verarbeitung. Inwiefern die Wahl der richtigen Parameter beim Spritzgießen sowie eine geeignete Werkzeugtechnik die Leistungsfähigkeit wärmeleitfähiger Kunststoffbauteile signifikant erhöhen kann, wird in mehreren Vorträgen dargelegt.

Thomas Drescher, Leiter Fahrzeugtechnik, Volkswagen, und Ernst Schmachtenberg, ehemaliger Rektor der RWTH Aachen, referieren in Plenarvorträgen. © Drescher / RWTH Aachen

Ein weiterer Schwerpunkt ist die additive Fertigung, denn sie ist mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem es in vielen Branchen nicht nur als Prototypverfahren eingesetzt wird. Immer neue Druckverfahren und Materialien führen zu steigenden und reproduzierbareren Bauteilqualitäten bei sinkenden Kosten und Fertigungszeiten pro Bauteil. Ein aktueller Trend in der Additiven Fertigung ist die personalisierte Fertigung seriennaher Bauteile in für lange Zeit undenkbaren Stückzahlen.

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Weitere Stuttgarter Forschungsaktivitäten liegen auf dem Gebiet „Kunststoffe und Umwelt“. Die unkontrollierte Entsorgung von Kunststoffen in der Umwelt und die damit verbundene Vermüllung der Meere treibt das IKT an, Kunststoffe mit umweltoptimiertem Abbauverhalten zu entwickeln, die – bei gleicher Haltbarkeit im Gebrauch – schneller und umweltverträglich abgebaut werden können. In den Fokus treten dabei verstärkt biologisch abbaubare Kunststoffe, die nach einer chemischen Modifizierung und dadurch verbundenen Optimierung des Eigenschafts- und Verarbeitungsprofils besonders in Anwendungen, die zwangsläufig in der Umwelt verbleiben, eine Alternative zu herkömmlichen Kunststoffen sein können.

Im Sinne eines schonenden Umgangs mit fossilen Ressourcen die sehr guten spezifischen mechanischen Eigenschaften und das damit einhergehende hervorragende Leichtbaupotenzial von Kunststoffen und Kunststoffverbunden zu nutzen. Gerade die E-Mobilität und der Brennstoffzellenantrieb verlangen explizit nach Leichtbaulösungen.

Auch die Bandbreite sowie die Vielseitigkeit von Polyamiden soll eindrucksvoll demonstriert werden. So ist die anspruchsvolle Abstimmung verschiedener Haftvermittler auf die Blendeigenschaften ein Dauerbrenner. Des Weiteren trifft die Herstellung eines PA6 mit intrinsischem Flammschutz sowie die Forschung an PA6-Blasformtypen den Bedarf der Zeit und eröffnen der Industrie und dem Werkstoff neue Anwendungsfelder. Für die In-situ-Pultrusion von Guss-PA stehen nun neue Recyclingwege offen. Es werden zwei industriell einsetzbare Upcyclingprozesse von Guss-PA-Ausschuss vorgestellt, die ein daraus gewonnenes Rezyklat so modifizieren, dass es sogar zum Thermoformen eingesetzt werden kann.

Neben diesen vielfältigen und breitgefächerten Fachvorträgen werden zudem zwei Plenarvorträge sowie eine Podiumsdiskussion aktuelle Herausforderungen für die Kunststoffbranche vorbringen: Aus der Konzernforschung von Volkswagen thematisiert der Leiter der Fahrzeugtechnik, Thomas Drescher, das „Mobilitätserlebnis der Zukunft“ und wird neben dem straßengebundenen Personentransport den leichten Gütertransport adressieren.

Autonome Roboter und „denkende“ Computer sollen dem komplexen menschlichen Geist entsprechen. Der Kunststofftechnik-Professor und ehemaliger Rektor der RWTH Aachen, Ernst Schmachtenberg, spricht im zweiten Plenarvortrag über „Künstliche Intelligenz: Konzepte und Perspektiven“

Die Podiumsdiskussion zwischen Vertretern verschiedener OEM, Kunststoffverarbeiter und aus der Forschung diskutieren über „Alternative Antriebe – Risiken für den Kunststoffverarbeiter“.

Außerdem bietet das Kunststoffkolloquium zum ersten Mal im Rahmen der Veranstaltung eine Besichtigung des Forschungscampus‘ „Arena 2036“ an. Das Akronym steht für Active Research Environment for the Next Generation of Automobiles und ist ein Forschungscampus, der die enge Verflechtung von Wissenschaft und Wirtschaft sowie der Leichtbau-Forschung mit den Produktionstechnologien fördern soll.

Eine weitere Premiere ist die Verleihung der Wilfried-Ensinger-Preise 2019. Die Stiftung würdigt ausgezeichnete Bachelor- und Masterarbeiten sowie Dissertationen in der Kunststofftechnik, mit dem Ziel, diese Studienrichtung bekannter zu machen und junge Menschen für eine entsprechende Laufbahn zu motivieren. Die Preise werden im Rahmen der Abendveranstaltung von Klaus Ensinger übergeben.

Weiter Informationen unter www.kunststoffkolloquium.de

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