Ausblick

Rüdiger Baunemann: „… dass Kunststoff Teil der Lösung und nicht Teil des Problems ist.“

Wie ist das Jahr 2018 für die Branche gelaufen?
Aktuell muss mit einer Abschwächung der globalen wirtschaftlichen Entwicklung gerechnet werden. Prognosen beim BIP-Wachstum wurden für fast alle Länder und Regionen für das laufende und Folgejahr nach unten revidiert. Dies trifft auch für Deutschland zu. Wichtige Abnehmerindustrien unserer Branche wie der Automobilbereich, der Elektrosektor oder der Maschinenbau liegen hinter den Entwicklungen des vergangenen Jahres – und solch ein geringeres wirtschaftliches Wachstum wirkt sich direkt auf die Nachfrage nach Kunststoffen aus.

Dr. Rüdiger Baunemann ist Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands Plasticseurope Deutschland. © Plasticseurope

Welche Erwartungen haben Sie an die Jahre 2019 und 2020?
Stand jetzt gehen wir von einer stabilen Entwicklung auch für die kommenden Jahre aus. Fakt ist aber auch, dass die Unsicherheit im Markt größer wird. Wichtige Voraussetzungen wie ein guter Zugang zu Rohstoffen und Bildungsressourcen, politische Stabilität und ein gutes regulatives Umfeld werden immer bedeutender im globalen Wettbewerb. Unsere Unternehmen sehe ich da aber in vielen Bereichen gut aufgestellt und zukunftsgerichtet.

Wie schätzen Sie speziell die Region Asien als Anbieter- und als Käufermarkt der nächsten zwei Jahre ein?
Mit der wachsenden Mittelschicht in Asien, dem dortigen Aufholprozess bzw. Voranschreiten in Bereichen wie Mobilität, Digitalisierung, Technologie und Klimaschutz sowie dem steigenden Bildungsniveau nehmen der Bedarf und die Verfügbarkeit in der Region insbesondere bei hochwertigen Kunststoffanwendungen zu. Damit einher geht zwangsläufig ein weiterer Aufbau von Kapazitäten in den asiatischen Ländern. Für die deutschen und europäischen Kunststofferzeuger gilt allerdings weiterhin, dass Europa mit Abstand ihr wichtigster Markt ist, sowohl für Exporte wie für Importe.

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Welche Risiken erreichen für Ihr Geschäftsfeld besondere Relevanz?
Die aktuelle Diskussion um die Umweltrelevanz von Kunststoffen und dabei insbesondere die anhaltende Meeresverschmutzung durch unsachgemäß entsorgte Abfälle sind bedeutende Kritikpunkte gegen Werkstoff und Industrie. Oberstes Gebot muss es sein, dass alle Akteure der Kunststoff-Wertschöpfungskette noch intensiver an Lösungen zur Kunststoffverwertung zusammen arbeiten und dabei ihr jeweiliges Know-how einbringen. Dies gilt nicht nur in Deutschland sondern zunehmend und verstärkt auch im europäischen und globalen Umfeld. Vorschnelle Verbote und Diskriminierungen wie Steuern auf einzelne Kunststoffe bzw. Kunststoffprodukte helfen nicht weiter und führen womöglich sogar zu weniger Umweltschutz: Schließlich sind Kunststoffe oftmals besonders ressourcenschonend und leisten so wichtige Beiträge zur Nachhaltigkeit, sei es als effiziente Verpackung zum Schutz verderblicher Güter, als Leichtbauanwendung in der Mobilität oder als Wärmedämmung im Gebäudebereich für eine höhere Energieeffizienz.

Welche technische Innovation sehen Sie als prägend für die beiden nächsten Jahre?
Kunststoffe sind Innovationstreiber in vielen Anwendungsgebieten und für zahlreiche Branchen, so beim Hightech-Leichtbau im Automobil, bei maßgeschneiderten Funktionsteilen für die Elektroindustrie oder lebensrettenden Systemen in der Medizintechnik. Im Hinblick auf die aktuelle Umweltdebatte werden sich zudem die vielfältigen Möglichkeiten der Kunststoffverwertung weiter entwickeln, gerade im Bereich des rohstofflichen bzw. chemischen Recyclings tut sich gerade sehr viel. So verbreitert sich die Rohstoffbasis bei den Kunststofferzeugern zusätzlich zu Weiterentwicklungen bei Biokunststoffen oder beim Einsatz von CO2.

Ihr persönlicher Kommentar?
Kunststoff bleibt der Werkstoff des 21. Jahrhunderts. Fragen zur Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz werden die Branche und die Nutzer von Kunststoffprodukten allerdings in den kommenden Jahren verstärkt beschäftigen – mit innovativen Lösungen zur Umweltdiskussion wird die Kunststoffindustrie im Driver Seat bleiben und viele nachhaltige Antworten für die globalen Herausforderungen unserer Zeit finden. Zusammenfassend bin ich der Ansicht, dass Kunststoff Teil der Lösung und nicht Teil des Problems ist – eine Botschaft, die im Übrigen auch die kommende K Messe im Oktober 2019 prägen wird.

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