Ausblick

Sandra Füllsack: „Was das für das Thema Arbeit 4.0 bedeutet, müssen wir alle gemeinsam erst noch lernen.“

Wie ist das Jahr 2018 für Ihr Unternehmen gelaufen?
In der Geschichte der motan Gruppe, war 2018 das bisher erfolgreichste Jahr. Insbesondere Großaufträge haben dieses Wachstum vorangetrieben. Dabei ist Deutschland für uns nach wie vor ein sehr wichtiger Markt, aber auch in den USA und in China sehen wir erfreuliche Marktentwicklungen. Der zunehmende politische Einfluss ist mittlerweile deutlich spürbar; sei es mit Anreizen wie in Italien oder mit einer gewissen Zurückhaltung in politisch instabilen Märkten.

Sandra Füllsack ist Geschäftsführerin der Motan Holding und Sprecherin des Ausstellerbeirats der Fakuma. © Motan

Größere Probleme hatten wir, ebenso wie unsere Kunden, mit der Zulieferersituation und den damit verbunden langen Lieferzeiten. Wir gehen daher mit einem sehr hohen Auftragsbestand in das neue Jahr.

Welche Erwartungen haben Sie an die Jahre 2019 und 2020?
Insgesamt erwarte ich eine Konsolidierung der Märkte auf hohem Niveau. Märkte mit einem hohen Anteil von Bestandskunden bieten ein großes Potential im Bereich von Anlagenoptimierungen sowie -erweiterungen. Dagegen werden Wachstumsmärkte wie Asien, Südamerika aber auch Afrika immer wichtiger.

Wie schätzen Sie speziell die Region Asien als Anbieter- und als Käufermarkt der nächsten zwei Jahre ein?
Alle asiatischen Märkte, die eine Beziehung zu China haben, werden vom Handelskrieg mit den USA beeinflusst. Viele kleinere Länder exportieren ihre Waren über China in die USA. Auf der anderen Seite eröffnet der lokale Markt mit einem noch relativ geringen Pro-Kopf-Verbrauch von Kunststoff ein großes Wachstumspotential für die Branche. Sicher werden wir über die nächsten Jahre vermehrt auf lokalen Wettbewerb stoßen, der sich momentan aber noch in einem sehr niedrigeren Preissegment und Qualitätsbereich befindet.

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Welche Risiken erreichen für Ihr Geschäftsfeld besondere Relevanz?
Ich sehe die Entwicklung des Images von Kunststoff als einen sehr kritischen Punkt. In der Tagespresse liest man immer häufiger wie schädlich Kunststoff ist. Dies trifft sicher zu, wenn man sieht wie Verpackungsmaterial in die Umwelt gelangt. Oft werden diese Aussagen aber unreflektiert getroffen und der ökologische Nutzen von Kunststoff nicht thematisiert. Hier würde ich mir eine sachliche, aufklärende Berichterstattung wünschen. Beispielsweise ist Elektromobilität ohne Leichtbau nicht denkbar.

Als weltweiter Anbieter stehen wir vor globalen Herausforderungen, sei es im Hinblick auf politischen Veränderungen, gesetzliche Vorgaben aber auch in Bezug auf die Verfügbarkeit von Materialien.

Welche technische Innovation sehen Sie als prägend für die beiden nächsten Jahre?
Wir sind im Zeitalter der Digitalisierung angekommen, stehen aber erst am Anfang. Die Vernetzung von Anlagen, aber auch die Kommunikation von Maschinen innerhalb eines Systems bieten uns neue Geschäftspotentiale. Wir dürfen jedoch nicht unterschätzen welche Anforderungen das an die Infrastruktur und auch an die noch offenen Fragen hinsichtlich der IT-Sicherheit stellt. Vieles ist heute noch ungewiss und wir dürfen bei allen Unsicherheiten die Chancen nicht verpassen.

Ihr persönlicher Kommentar?
Der deutsche Maschinenbau steht momentan hervorragend da und die Innovationsbereitschaft ist hoch. Gerade im Bereich Kunststoff und Gummimaschinen gibt es viele Kooperationen, die pragmatische Lösungen für Industrie 4.0 erarbeiten. Was das für das Thema Arbeit 4.0 bedeutet, müssen wir alle gemeinsam erst noch lernen. Sicher ist, dass wir zur Gestaltung dieser Zukunft vermehrt IT-Qualifizierungen benötigen und dies auch dringend im Bereich der Mitarbeiter-Weiterbildung berücksichtigen müssen.

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