Ausblick

Stefan Engleder: „Die Welt kann und wird nicht ohne Kunststoff existieren.“

Wie ist das Jahr 2017 für Ihr Unternehmen gelaufen?
Unser Geschäftsjahr läuft ja bis Ende März 2019. Aktuell gehen wir von rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz und damit von 6 Prozent Plus aus. Die DACH-Region und Europa insgesamt laufen etwa gleichermaßen positiv. Der US-Markt hat Engel in den beiden letzten Jahren unglaubliches Wachstum gebracht, allerdings geprägt von einigen außergewöhnlichen Großaufträgen, die so nicht wiederholbar sind. In Asien läuft die Entwicklung ohne größere Schwankungen geradeaus, Süd-Ost-Asien ist allerdings noch unbefriedigend. Mit Installation unseres Hubs in Bangkok mit einem eigenen großen Ersatzteillager vor Ort sind wir aber noch stärker in den Markt gerückt und erwarten hier mittelfristig eine deutlich positive Entwicklung. Bemerkenswerterweise ist Mexiko wieder positiv. Aus den Branchen gibt es keine großen Überraschungen: Seit etwa Mitte 2018 registrieren wir einen deutlichen Rückgang im Umfeld Automotive. Packaging, Teltronic und andere laufen dagegen gut. Ansonsten würden wir nicht mit 6 Prozent Wachstum planen.

Dr. Stefan Engleder ist CEO der Engel-Holding. © Engel

Welche Erwartungen haben Sie an die Jahre 2019 und 2020?
Die teils extremen Wachstumsraten der letzten Jahre werden wohl nicht wieder erreicht, zumal die Auftragsbestände teils deutlich abgeschmolzen werden konnten – was natürlich gut für die Kunden ist. Inzwischen gehen die Lieferfristen für unsere Maschinen aufgrund der zusätzlichen Produktionskapazitäten und der gleichzeitig partiell abflachenden Märkte zurück. Aktuell liegen wir bei Maschinen mit hohen kundenspezifischen Anteilen je nach Größe zwischen 12 und 20 Wochen.

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Für die weitere Zukunft gehen wir aufgrund der weltweit weiter wachsenden Kapazitäten auch bei unseren Wettbewerbern allerdings von einem zunehmenden Margendruck aus. Trotzdem sehen wir für das Geschäftsjahr 2019/2020 die Engel-Gruppe zwischen einem Umsatzniveau wie im laufenden Jahr und einem leicht einstelligen Wachstum. Das wird auch daraus resultieren, dass wir in den Branchen Medical und Packaging etliche neue Kunden gewinnen konnten. Das macht viel Freude und zeigt, dass wir mit unserem branchenorientierten Vertrieb den richtigen Weg eingeschlagen haben.

Wie schätzen Sie speziell die Region Asien als Anbieter- und als Käufermarkt der nächsten zwei Jahre ein?
Engel produziert aktuell etwa 85 Prozent maßgeschneiderte Maschinen. Unsere Kunden schätzen an Engel, dass wir individuell auf ihre Anforderungen eingehen – von der Standardmaschine bis zur hochintegrierten und automatisierten Turn-Key-Lösung aus einer Hand. Im Projektgeschäft und im Bereich Sonderautomatisierungen sind wir in den letzten Jahren jeweils zweistellig gewachsen. Dahinter stecken Kunden, die mit Investitionen in hochgradig automatisierte Fertigungszellen die Stückkosten nachhaltig senken wollen. Zudem sind die Maschinen einschließlich der Peripherie sehr kompakt für wenig Stellfläche konstruiert. Und nicht zuletzt sind sie außerordentlich werthaltig. Total-cost-of-Ownership ist das Stichwort. Ob neue oder schon bekannte asiatische Anbieter bei diesen Punkten oder auch beim Service mithalten können, bleibt abzuwarten.

Andererseits sind wir mit dieser Strategie unserer eigenen Produktion vor Ort und dem neuen Hub in Asien für die Kundenmärkte sehr gut aufgestellt. Auch hier nimmt die Komplexität der Produkte und damit die der Anlagentechnologie zu. Hier sehen wir eher Chancen.

Welche Risiken erreichen für Ihr Geschäftsfeld besondere Relevanz?
Politische Unsicherheiten schlagen sehr schnell auf unsere Märkte mit ihren hohen Investitionen durch, wie wir es bereits im laufenden Jahr beispielsweise im USA-Geschäft erleben. Aber auch Westeuropa mit den unabschätzbaren Brexitfolgen oder die Entwicklungen in Italien und Spanien bieten einiges Unruhepotenzial.

Welche technische Innovation sehend Sie als prägend für die beiden nächsten Jahre?
Leichtbau und E-Mobility werden sicher noch wichtiger werden. Das Thema Digitalisierung wird in die Breite und Tiefe gehen. In beiden Richtungen sind wir aktiv: Automatisierte Tape-Legesysteme werden den Einsatz von Organo-sheets im Leichtbau vorantreiben. Die In-situ-Polymerisation ist serienreif. Wir erwarten, dass noch in diesem Geschäftsjahr zwei bis drei Anlagen an die Kunden gehen. Im Umfeld der Digitalisierung haben wir mit unseren Assistenzsystemen und dem Condition-Monitoring bereits Lösungen, die in der Praxis funktionieren. An Themen wie der sicheren Datenübertragung wird weiter intensiv gearbeitet.

Ihr persönlicher Kommentar?
Die Welt kann und wird nicht ohne Kunststoff existieren. Hier möchten wir dazu beitragen, dass das Thema differenziert diskutiert wird. Natürlich gehört Kunststoff nicht ins Meer oder anderenorts in die Umwelt. Kunststoffabfälle gehören aufgearbeitet und wieder als Rohstoff eingesetzt – unsere Technologien tragen auch dazu bei, Wertstoffkreisläufe zu schließen.

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