Plastics Europe und VCI zur Alarmstufe des Notfallplans Gas

Annina Schopen,

Belastungen für Kunststoffindustrie dürften weiter zunehmen

Das Bundeswirtschaftsministerium hat als Reaktion auf die reduzierten Gaslieferungen aus Russland und die anhaltend hohen Preise die zweite Stufe des nationalen Notfallplans Gas ausgerufen. Dazu äußerten sich die Verbände Plastics Europe und VCI.

Ingemar Bühle, Gauptgeschäftsführer bei Plastics Europe (l.) und Dr. Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie. © Plastics Europe/Döring/VCI

„Gas ist von nun an ein knappes Gut“, erklärte Wirtschaftsminister Robert Habeck gleich zu Beginn der Pressekonferenz. Aktuell sei die Versorgungslage zwar gewährleistet, allerdings gelte es nun, die Versorgungssicherheit auch im Winter sicherzustellen und beispielsweise das Füllen der Gasspeicher weiter voranzutreiben.

Dazu äußerte sich der Hauptgeschäftsführer des Kunststofferzeugerverbandes, Ingemar Bühler: „Die Rohstoffverfügbarkeit und die bereits hohen Beschaffungskosten sind eine große Herausforderung für die Kunststofferzeugende Industrie. Die Energie- und Rohstoffpreise für unsere Unternehmen sind zuletzt bereits deutlich gestiegen und werden auch perspektivisch zulegen. Eine eins-zu-eins-Weitergabe entlang der Wertschöpfungskette und damit zwangsläufig auch an die Verbraucherinnen und Verbraucher ist längst nicht möglich. Unsere Mitgliedsunternehmen stehen für eine hohe Wertschöpfung insbesondere in Deutschland und Europa. Hinter ihren Produkten und Anwendungen stehen größere Lieferketten, die nicht unterbrochen werden dürfen. Wer es mit der Energiewende und dem Klimaschutz ernst meint, muss sicherstellen, dass den Kunststofferzeugern ein planbares Umfeld bleibt – etwa zur Herstellung von Leichtbau- und Dämmmaterialien, aber auch für medizinische und weitere essenzielle Güter des täglichen Bedarfs.“

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Zum weiteren Umgang mit der Situation meinte Bühler: „Es braucht nun sowohl akut wie langfristig angelegte Lösungen: Es ist bitter, aber dringend notwendig, dass unter diesen besonderen Umständen die Kohlekraftwerke wieder aus der Reserve genommen werden, um so Gas, das eigentlich für die Elektrifizierung genutzt wird, vom Markt zu nehmen. Darüber hinaus gilt es, alternative Quellen der Gasversorgung unter Hochdruck zu erschließen und etwa Länder wie die USA, Kanada und Norwegen bei der Ausweitung von Kapazitäten zu unterstützen. Stichwort Sparen: Hier sind nicht nur die 41 Millionen Haushalte hierzulande in der Pflicht, sondern auch wir als Industrie müssen unseren Teil beitragen; aktuelle Zahlen zeigen, dass dies auch geschieht. Jedes Mitglied bei uns schaut aktuell, wo Prozesse noch effizienter gestaltet werden können. Unsere Unternehmen beschleunigen zudem ihre Schritte in Richtung eines klimaneutralen Wirtschaftens, sind hier aber auch auf Unterstützung aus der Politik angewiesen. Auf lange Sicht braucht es den viel beschworenen Turbo beim Ausbau der erneuerbaren Energien, um die Abhängigkeit von russischem Gas so schnell wie möglich zu kappen.“

VCI: Lasten fair verteilen

Auch der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), Wolfgang Große Entrup äußerte sich: „Die Maßnahme ist folgerichtig, um auf die zunehmend ernste Versorgungslage zu reagieren und die Märkte zu stabilisieren. Das gilt gleichermaßen für Erdgasmengen wie explodierende Preise. Die Bundesregierung agiert verantwortlich und geht schrittweise voran.

Die politisch getriebene Reduktion der russischen Gaslieferungen stellt Gesellschaft und Industrie vor immer gewaltigere Herausforderungen. Die damit verbundenen Lasten müssen fair verteilt werden. Daran arbeitet die Bundesregierung im Austausch mit den Betroffenen unter Hochdruck. Es gilt, ein transparentes Verfahren zu entwickeln, dass die unvermeidlichen Lasten so gerecht und erträglich wie möglich auf alle Gasverbraucher verteilt.

Dazu brauchen wir auch ein noch stärkeres ressortübergreifendes politisches Krisenmanagement. Es gilt, jetzt mit aller Kraft den Wirtschaftsstandort Deutschland in einem weiterhin starken Europa zu festigen. Dazu müssen wir Innovationen und Investitionen forcieren und Europa damit politisch und wirtschaftlich stärken. Mit Blick auf Putins Pläne ist dies wichtiger denn je.

Wir stehen klar zu unseren Klimaschutzambitionen. Aber die weitere unsägliche Summe nationaler und vor allem europäischer Regulationen kann die Industrie angesichts dieser wichtigsten Herausforderung unserer Zeit unmöglich stemmen. Zeitenwende erfordert eine Politikwende und damit eine Neu-Priorisierung auf das jetzt wirklich Notwendige.“ 

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