Chancen für Zulieferer

Leichtbau und Elektromobilität

„Welche Bedeutung hat der Leichtbau im Zeitalter der Elektromobilität?“ – mit dieser Frage eröffnete Axel Tuchlenski, Lanxess Deutschland und Vorstand des Vereins Kunststoffland NRW die ausgebuchte Veranstaltung beim Vereinsmitglied 3M in Neuss und gab damit zugleich den roten Faden vor.

Anliegen der Kunststoffindustrie auch auf politischen Ebenen diskutieren ist ein Anliegen von Kunststoffland NRW – für die Landesregierung richtete Karl-Uwe Bütof, Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie das Grußwort an die Gäste. (Bild: Olaf Staschik)

Für das neu aufgestellte Ministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein Westfalen betonte der zuständige Abteilungsleiter Karl-Uwe Bütof in seinem Grußwort Aktualität und Relevanz des Themas und würdigte aus Sicht der Landesregierung das große Engagement der Kunststoffindustrie in diesem Bereich. Als spannend, sehr praxisbezogen und in Teilen durchaus kontrovers beschreibt der Veranstalter die Vorträge der Referenten aus verschiedenen Bereichen der Wertschöpfungskette.

Für Christoph Küsters, Senior Technical Innovation Manager bei 3M Deutschland, ist die Elektromobilität bereits Realität, gerade vor dem Hintergrund der Dynamik des chinesischen und europäischen Marktes. Und nicht minder wichtig: „Elektromobilität ist mehr als Fahrzeug.“ In diesem Sinne plädierte er dafür, nicht nur aufs Fahrzeug zu schauen, sondern das übergreifende Thema der digitalen Vernetzung insgesamt in den Blick zu nehmen. Zukunftsthemen wie Autonomes Fahren oder Connected Car sollten auch für die Kunststoffindustrie in den Fokus rücken, denn: „Überall ist Kunststoff gefragt – die Kunststoffindustrie kann von all diesen Trends profitieren.“ Der Stellenwert des Leichtbaus erscheint dabei aus der Sicht des Gastgebers ungebrochen: „Gewichtsreduzierung ist Bestandteil jeder Aufgabenstellung“, so Küsters, der in diesem Zusammenhang besonders auf die Bedeutung der Klebstofftechnologie für Leichtbaulösungen einging.

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Etwas andere Akzente setzte Ralf Matheis, FKA Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen. Nach Einschätzung der Aachener Fahrzeugexperten werde es bis 2030 in allen Fahrzeugen elektrische Antriebe geben. Leichtbau sei zwar immer noch wichtig, aber auch Optimierungen in anderen Bereichen würden künftig bei der Elektromobilität an Bedeutung gewinnen.

Die Ausführungen von Johannes Triebs, Lehrstuhl für Production Engineering of E-Mobility Components RWTH Aachen belegten am Beispiel innovativer Nischenanwendungen anschaulich, wie wissenschaftliche Expertise und praktisches Unternehmertum erfolgreich zusammen gehen können. Mit dem populären Streetscooter wurde ein völlig neues elektrisches Nutzfahrzeug für spezielle Anforderungen und Bedürfnisse entwickelt und erfolgreich am Markt platziert.

Deutlich breiter dagegen die Perspektive von Carsten Weber, Engine and Powertrain Systems-Research and Advanced Engineering, der aus der Sicht von Ford Antworten auf zentrale Fragestellungen lieferte, etwa „Was treibt uns künftig außerhalb von Nischenanwendungen um?“ „Wo ist die Grenze des Verbrennungsmotors?“ oder „Wird die individuelle Mobilität perspektivisch zum Luxusgut?“ Letztlich seien es die Verbraucher, die die finalen Entscheidungen träfen, so Weber. Aus seiner Sicht bleibe der Verbrennungsmotor weiter wichtig. Dabei müsse der Fokus auf hocheffizienten und sauberen Verbrennungsmotoren liegen, die mit erneuerbaren und kohlenstoffarmen Kraftstoffen arbeiten, so seine Vision.

Insgesamt gab es eine Fülle an Gesprächsstoff für kontroverse Diskussionen und einen lebhaften Erfahrungs- und Meinungsaustausch beim abschließenden Get Together. Zahlreiche Kunststoffland-Mitglieder – unter ihnen beispielsweise Dralon, Toho Tenax, Evonik, Schulman und Fraunhofer ILT – nutzten die Vernetzungsmöglichkeiten und unterstrichen ihr dauerhaftes Interesse am qualifizierten Austausch untereinander. Auch deshalb steht bei Kunststoffland NRW das Thema Leichtbau und Elektromobilität weiterhin weit oben auf der Agenda. Unter der Überschrift „Multi-Material-Leichtbau für die (Elektro-)Mobilität – Herausforderungen und Chancen für NRW“ bereitet der Verein – erstmals in enger Kooperation mit der Stahlindustrie – eine werkstoff- und branchenübergreifende Veranstaltung zu innovativen Leichtbaukonzepten mit Stahl und Kunststoff vor. Die Veranstaltung findet am Montag, 9. April 2018 in der Firmenzentrale des Mitgliedsunternehmens Lanxess Deutschland in Köln statt.

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