Die Milliardengrenze überschritten

Interview mit Philip O. Krahn zu aktuellen Entwicklungen in der Albis Gruppe

Aus der Hamburger Albis Gruppe kamen vor allem innerhalb der letzten drei Jahre regelmäßige Berichte über Expansionen – Eröffnungen neuer Standorte, Kapazitätserweiterungen und auch Akquisitionen. Von CEO Philip O. Krahn haben wir uns auf den aktuellen Stand bringen lassen.

Philip O. Krahn ist Mitgesellschafter und Sprecher der Geschäftsführung der in Familienbesitz befindlichen Krahn-Gruppe, zu der auch Albis Plastic gehört. © Albis

In den letzten Jahren brachte Albis regelmäßig Wachstumsmeldungen in die Presse – sowohl hinsichtlich der regionalen Präsenz als auch umsatzmäßig. Wie hat Albis das vergangene Geschäftsjahr abgeschlossen?

Als mittelständisches Unternehmen im Familienbesitz verfolgen wir eine Strategie des gesunden internationalen Wachstums aus eigener Kraft. Dadurch sind wir seit der Gründung 1961 erfolgreich zu einem der weltweit führenden Unternehmen in der Distribution und Compoundierung technischer Kunststoffe herangewachsen und mittlerweile mit über 1300 Mitarbeitern in 24 Ländern weltweit vertreten. Diese langfristige Wachstumsstrategie schlägt sich auch in unserer Bilanz nieder: 2017 haben wir nun die Grenze von einer Milliarde „geknackt“, genauer 1,017 Milliarden Euro Umsatz erreicht. Das bedeutet eine Steigerung um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Wollen Sie uns ausnahmsweise einen Einblick in weitere Bilanz-Eckwerte geben?

Eigene Produktlinie machen inzwischen rund 30 Prozent des Albis-Umsatzes aus. © Albis

Philip Krahn:Das Fundament für unsere Entwicklung ist eine solide Kapitalstruktur mit einer Eigenkapitalquote von über 50 Prozent. Unser Wachstum wird unterstützt durch kontinuierliche Investitionen: in den letzten beiden Jahren hat die Albis Plastic Gruppe jeweils etwa 16 Millionen Euro in Maschinen und andere Sachanlagen investiert.

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Etwa welche Umsatzanteile haben Ihre Eigenprodukte und die Distribution?

Philip Krahn: Etwa 70 Prozent des Umsatzes erzielen wir mit den Distributionsprodukten unserer langjährigen Partner. Rund 30 Prozent entfallen auf unsere eigenen Compounds.

„2017 haben wir nun die Grenze von einer Milliarde „geknackt“, genauer 1,017 Milliarden Euro Umsatz erreicht.“

Der CfK-Recycler Wipag gehört seit Anfang 2018 zur Albis-Gruppe. © Albis

Der Anspruch von ALBIS war von Beginn an, für jede individuelle Anforderung auch das perfekte Produkt zu haben. So haben wir schon vor langer Zeit begonnen, Lücken in unserem Distributions-Portfolio durch eigene Produkte aufzufüllen und zu ergänzen. Wir achten hier auf Komplementarität. Heute umfasst unser Portfolio mit den Produkten der führenden europäischen Kunststoffproduzenten sowie der Albis-eigenen Palette zusammen rund 30 000 Artikel, Farbvarianten inklusive. Das ist eines der umfassendsten Angebote weltweit.

Geben Sie uns einen Überblick über die regionale Verteilung der Umsätze?

Philip Krahn: Die Albis Plastic Gruppe ist entsprechend der globalen Wachstumsstrategie in den vergangenen Jahren internationaler geworden. Im Geschäftsjahr 2013 wurde mit 49 Prozent erstmals weniger als die Hälfte des gesamten Konzernumsatzes in unserem traditionell weiterhin starken „Heimatmarkt“ Deutschland erzielt. Obwohl wir auch hier unser Geschäft weiter ausbauen konnten, ist dieser Anteil inzwischen auf 41 Prozent gesunken. Die übrigen 59 Prozent entfallen dank des kontinuierlichen internationalen Wachstums inzwischen auf das übrige Europa und außereuropäische Märkte, besonders Nordamerika und Asien.

Welche Regionen waren im abgelaufenen Geschäftsjahr besonders erfolgreich?

Weltweite Produktion nach gleichen Standards, hier der Albis-Standort Knutsford in Großbritannien. © Albis

Philip Krahn: Aufgrund unserer Historie als Hamburger Unternehmen ist der deutschsprachige Markt (DACH) insgesamt derzeit noch mit Abstand unser stärkstes Absatzgebiet. Grundsätzlich verzeichnen wir jedoch in allen Märkten eine steigende Nachfrage und aufgrund unserer zunehmenden Präsenz wachsen wir überproportional sowohl in Osteuropa als auch in außereuropäischen Märkten wie China, wo wir gerade investiert und die Produktionskapazitäten stark erhöht haben.

Ein Trend, auch international sind „grüne“ Werkstoffe, von Recyclingwerkstoffe bis zu Biopolymeren. Was denken Sie darüber?

Philip Krahn: Die Albis-Gründer Wolfgang und Reinhard Krahn waren ihrer Zeit weit voraus, indem sie in Produktionsabfällen einen Wertstoff erkannten, den man mit der Compoundierung regenerieren und vermarkten konnte. Das Thema Recycling begleitet uns also bereits seit unserem Gründungsjahr und ist sozusagen Teil unserer DNA. Es wird in den kommenden Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen – auch in Märkten wie China.

„Die übrigen 59 Prozent entfallen dank des kontinuierlichen internationalen Wachstums inzwischen auf das übrige Europa und außereuropäische Märkte.“

Wir sind mit mehreren Produkten aus diesem Bereich stark aufgestellt, zum Beispiel mit den hochqualitativen Recycling-Compounds QCP PP und PE von Lyondellbasell und SUEZ, die in High-End Produkten zum Einsatz kommen und helfen, durch die Einsparung von Energie und Reduzierung des CO2-Ausstoßes deren ökologischen Fußabdruck zu verringern. Oder unsere eigenen Produktlinien Altech Eco (Near-to-PrimeRecycled Compounds) sowie WIC PP und WIC PA, das sind die Wipag Carbonfaser-Compounds für Leichtbauanwendungen. Auch Cellidor, ein auf Cellulose aus nachhaltigen, natürlichen Rohstoffquellen basierender Kunststoff mit einer brillanten Farbtiefe und einer hohen Schlagzähigkeit, und Tecnaro, ein Kunststoff auf Basis nachwachsender Rohstoffe, runden unser Portfolio ab.

Wie entwickelt sich das von Ihnen eben angesprochene, im September 2017 akquirierte Unternehmen Wipag mit seiner CfK-Recyclingstechnologie?

Philip Krahn: Effektiv erfolgte die Übernahme der Wipag zum 2. Januar 2018. Insgesamt fügt sich das Unternehmen gut in unsere bereits mit der Übernahme von Barnet in den USA aufgegriffene Recycling-Strategie ein. Die Wipag als vergleichsweise kleiner und national agierender Mittelständler verfügte bereits über eine starke Vernetzung in einem unserer umsatzstärksten Sektoren, der Automobil-Branche, und mit einer verfahrenstechnisch innovativen Recycling-Technologie in den Bereichen Recycled Carbonfaser-Compounds, Verbundtrennung und Entlackung über ein starkes Angebot. Dieses werden wir nun in den nächsten Monaten und Jahren branchenübergreifend international auf das nächste „Level“ heben und ausbauen.

Zuletzt verstärkt genutzt wurde als strategisches Argument im Albis-Vertrieb gegenüber international produzierenden Kunden, jederzeit an jedem Standort weltweit Werkstoffe und Compounds mit exakt gleicher, zertifizierter Qualität liefern zu können. Zieht dieses Argument?

Philip Krahn: Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass es eines der wichtigsten Argumente für unsere rund 13.000 Kunden ist. Unser Credo lautet: Lokal für lokal produzieren. Wenn Sie auf allen Kontinenten tätig sind oder neu in einen Markt expandieren, ist es für Sie in der Regel eine Erleichterung, schnell und zuverlässig auf die gewohnten Produkte zugreifen zu können und zugleich Unterstützung von einem Service-Team zu haben, das Sie bereits kennt und zudem mit den regionalen Gegebenheiten vor Ort vertraut ist. Zugleich ist es ein starkes Differenzierungsmerkmal unseren Wettbewerbern gegenüber.

Wie werden die Tätigkeiten in den diversen Produktionsstandorten in aller Welt organisiert?

Philip Krahn: Wir produzieren an fünf deutschen Standorten sowie in Manchester (UK), Duncan, South Carolina (USA) und Changshu (China). Alle Standorte sind entsprechend der Norm IATF 16949 oder ISO 9001 zertifiziert. Es bedarf eines ausgefeilten logistischen Konzeptes, um unsere Kunden mit auf Lager befindlicher Ware aus 39 Logistikstandorten in 24 bis 48 Stunden bedienen zu können. Dies wird durch eine IT-seitige globale Vernetzung und natürlich unsere ausgebildeten Fachkollegen gewährleistet.

Wird Albis perspektivisch weitere Produktionsstandorte aufbauen?

Philip Krahn: Nachdem wir 2017 unsere Produktion in den USA eröffnet und den Standort in UK erweitert haben, investieren wir 2018 aufgrund der kontinuierlich steigenden Nachfrage in die Produktionskapazitäten verschiedener Standorte, zum Beispiel in China, wo wir gerade von 15.000 auf 36.000 Tonnen Jahreskapazität erhöhen. Im deutschen Zülpich erhöhen wir die Kapazität gerade um 10.000 Tonnen jährlich und auch in Hamburg werden wir aufgrund des Alcom Med-Launches eine Produktionslinie in Betrieb nehmen. Auf diese Weise sind wir zusammen mit unseren zentral gelegenen Lagerzentren in Sachen Kapazität und Logistik derzeit optimal aufgestellt. Wir wollen aber natürlich weiterhin gesund wachsen und sondieren auch laufend neue Märkte. Es ist also perspektivisch vermutlich eher eine Frage von „Wann?“ und weniger von „Ob?“, auch ein neuen Standort zu eröffnen.

Welches Umsatzziel haben Sie für das laufende Geschäftsjahr herausgegeben?

Philip Krahn: Wir planen für 2018 eine prozentuale Absatz- und Umsatzsteigerung im einstelligen Bereich, die über den prognostizierten Wachstumsraten der Weltwirtschaft liegt. Das Wachstum erwarten wir nochmals verstärkt aus den Auslandsgesellschaften.

Welche Faktoren sind Ihrer Meinung nach wichtig bzw. strategisch für eine stetige Weiterentwicklung?

Philip Krahn: In einer sich immer weiter globalisierenden Weltwirtschaft ändern sich Kundenbedürfnisse, Märkte und Produkte sehr schnell. Wer sich nicht darauf einstellt, wird das Nachsehen haben. Meiner Erfahrung nach sind folgende drei Faktoren die wichtigsten.

Erstens: Qualität setzt sich durch. Die Basis unseres Erfolgs sind zum einen hochqualitative Produkte, die den spezifischen Anforderungen in den verschiedenen Branchen und Anwendungen gerecht werden. Dazu muss man dicht am Markt bleiben, Trends aufspüren und besetzen sowie in strategischen Märkten präsent sein, wie in China, den USA und in Europa auch Italien. Von ganz essentiellem Wert sind für uns dabei unsere langjährigen, tragfähigen Beziehungen zu unseren Partnern, Kunden und Zulieferern, mit denen wir eine offene und kontinuierliche Kommunikation pflegen.

Es ist also perspektivisch vermutlich eher eine Frage von ‚Wann?‘ und weniger von ‚Ob?‘, auch ein neuen Standort zu eröffnen.“

Zweitens: Sich auf dem Status quo auszuruhen ist immer gefährlich. Wichtig ist es, in der Produktentwicklung innovativ zu bleiben und immer nach Wegen zu suchen, das vorhandene Portfolio zu erweitern, zu verbessern oder neue Produkte zu entwickeln für neue Herausforderungen. Seit Jahrzehnten unterhalten wir deshalb an allen Standorten weltweit Abteilungen für die Produktentwicklung mit unserem Hauptsitz in Hamburg als zentrale Station. Alleine das Team in Hamburg umfasst rund 40 Mitarbeiter. Jedes Jahr verzeichnen wir etwa 1000 Neuentwicklungen.

Drittens: Ein global funktionierendes, verlässliches Service-Erleben ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. Wir müssen in der Lage sein, unsere Kunden sowohl regional als auch international adäquat beraten und in der technischen Umsetzung sicher begleiten zu können. Deshalb setzen wir auf gut ausgebildete Mitarbeiter, die weltweit direkt bei unseren Kunden im Einsatz sind.

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